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ARZNEISTOFFE

Tarlatamab|Imdylltra®|86|2026

 
STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Tarlatamab
FERTIGARZNEIMITTEL
Imdylltra®
HERSTELLER

Amgen

ZIELSTRUKTUR
Bispezifische Antikörper
MARKTEINFÜHRUNG (D)
07/2026
DARREICHUNGSFORM

1 mg Pulver zur Herstellung eines Konzentrats und Lösung zur Herstellung einer Infusionslösung

10 mg Pulver zur Herstellung eines Konzentrats und Lösung zur Herstellung einer Infusionslösung

ATC-CODE
L01FX33
ORPHAN DRUG
Ja

Indikationen

Imdylltra ist zugelassen als Monotherapie für Erwachsene mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (Extensive-Stage Small Cell Lung Cancer, ES-SCLC), das während oder nach einer platinhaltigen Erstlinienbehandlung fortschreitet und eine systemische Therapie erforderlich macht.

Wirkmechanismus

Tarlatamab zählt zu den bispezifischen T-Zell-Engagern (BiTE®-Molekül). Es bindet zum einen an den Delta-like-Liganden 3 (DLL3), der bei nahezu allen SCLC-Patienten auf der Oberfläche der Tumorzellen zu finden ist. Bei gesunden Zellen wird das Protein nur intrazellulär exprimiert. Zudem bindet der Antikörper an das Transmembranprotein CD3 auf der Oberfläche von T-Zellen und bringt damit die T-Zelle mit der Tumorzelle zusammen. Die aktivierten T-Zellen kurbeln die Produktion von inflammatorischen Zytokinen sowie die Freisetzung zytotoxischer Proteine an, was dann zur Lyse der Krebszellen führt. Häufig wurden Anti-Drug-Antikörper (ADA) nachgewiesen. Nach bisherigen (begrenzten) Daten haben diese keinen Einfluss auf Pharmakokinetik, Wirksamkeit oder Sicherheit des Medikaments.

Anwendungsweise und -hinweise

Zum Therapiestart wird eine Anfangsdosis von 1 mg intravenös gegeben, gefolgt von 10 mg als einstündige Infusion an den Tagen 8 und 15 sowie danach alle zwei Wochen. Es gibt keine Empfehlungen zur Dosisreduktion für ältere Patienten oder Menschen mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen.

 

Nach den ersten beiden Infusionen sind die Patienten für sechs bis acht Stunden zu überwachen und bekommen als Begleitmedikation Dexamethason vor und NaCl-Lösung nach der Infusion. Die Prä- und Postmedikation soll das Risiko eines Zytokinfreisetzungssyndroms (CRS) reduzieren. Dieses kann mit Problemen wie Fieber, Hypotonie, Hypoxie, Ermüdung, Tachykardie, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen einhergehen.

 

Ebenfalls zu beachten ist das Immuneffektorzell-assoziierte Neurotoxizitätssyndrom (ICANS), das noch mehrere Wochen nach der Anwendung von Tarlatamab auftreten kann. Anzeichen sind unter anderem Kopfschmerzen, Enzephalopathie, Verwirrtheit, Delir, Krampfanfall, Ataxie, Neurotoxizität und Tremor.
 Beide Komplikationen können lebensbedrohlich oder tödlich verlaufen.

 

Neben der Überwachung in der Klinik ist es wichtig, dass Patienten und Betreuungspersonen die Symptome dieser Syndrome im ambulanten Bereich kennen und wissen, dass sie bei ersten Anzeichen zum Arzt gehen müssen. Darüber müssen sie explizit aufgeklärt werden.

 

Wichtige Wechselwirkungen

Wird eine Tarlatamab-Behandlung eingeleitet, kann es zu einer vorübergehenden Freisetzung von Zytokinen kommen, die CYP450-Enzyme unterdrücken kann. Patienten, die gleichzeitig entsprechende Substrate erhalten – insbesondere solche mit kleinem therapeutischen Index – sollten im Hinblick auf unerwünschte Ereignisse überwacht werden. Die Dosis des gleichzeitig angewendeten Arzneimittels sollte nach Bedarf angepasst werden

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Tarlatamab sind CRS (56,7 Prozent), Appetitlosigkeit (36,4 Prozent) sowie Fieber und Störungen des Geschmackssinns (31 bis 32 Prozent); mit einer Häufigkeit von maximal 30 Prozent folgen Obstipation, Anämie, Ermüdung, Übelkeit, Asthenie, Neutropenie, Hyponatriämie, Kopfschmerzen und Lymphopenie. Die häufigsten schwerwiegenden UAW sind CRS und Fieber.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Zulassungsrelevant in Europa ist die randomisierte offene Phase-III-Studie DeLLphi-304 (DOI: 10.1056/NEJMoa2502099) mit 509 Patienten mit platinresistentem ES-SCLC. Die Patienten erhielten randomisiert Tarlatamab oder eine Standard-Chemotherapie mit Topotecan, Lurbinectedin oder Amrubicin. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). Zu den sekundären Endpunkten zählte unter anderem das progressionsfreie Überleben (PFS).

 

Tarlatamab verlängerte das Gesamtüberleben signifikant gegenüber der Chemotherapie (median 13,6 versus 8,3 Monate). Das progressionsfreie Überleben war median um einen Monat länger (4,2 versus 3,2 Monate); zudem besserten sich die krebsbedingte Dyspnoe und der Husten signifikant stärker. Der Überlebensvorteil war auch bei Patienten mit schlechten prognostischen Faktoren wie einer Platinresistenz oder Hirnmetastasen nachweisbar.

 

Gemäß einer Post-hoc-Analyse ging das Tumorvolumen im Gehirn bei 56 Prozent der Patienten mit Hirnmetastasen unter Tarlatamab um mehr als 30 Prozent zurück (versus 38 Prozent unter Chemotherapie). 15 Prozent erreichten sogar ein komplettes Ansprechen des ZNS-Befalls (versus 5 Prozent).

 

Unerwünschte Ereignisse (UAW) von Grad 3 oder höher waren unter Tarlatamab weniger häufig als bei Chemotherapie (54 versus 80 Prozent). Zudem brachen weniger Patienten die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab (5 versus 12 Prozent).

Besonderheiten

Imdylltra ist bei Temperaturen von 2 bis 8 °C (Kühlschrank) sowie vor Licht geschützt (Originalverpackung) zu lagern und darf nicht einfrieren.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und bis zwei Monate nach der letzten Tarlatamab-Dosis zuverlässig verhüten. Bei ihnen muss vor Therapiebeginn der Schwangerschaftsstatus überprüft werden.

 

Eine Anwendung während der Schwangerschaft und bei Frauen, die nicht zuverlässig verhüten, wird nicht empfohlen.

 

Das Stillen soll während der Behandlung und für mindestens zwei Monate nach der letzten Dosis unterbrochen werden.

Packshot

Vorläufige Bewertung

Sprunginnovation

Letzte Aktualisierung: 14.08.2026

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