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ARZNEISTOFFE

Erlotinib|Tarceva®|86|2005

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Erlotinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Tarceva®
HERSTELLER

Roche Pharma AG

MARKTEINFÜHRUNG (D)
10/2005
DARREICHUNGSFORM

25 mg Filmtabletten
100 mg Filmtabletten
150 mg Filmtabletten

Indikationen

Erlotinib ist zugelassen

  • zur First-Line-Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen,
  • zur Wechsel-Erhaltungstherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit aktivierenden EGFR-Mutationen und unverändertem Krankheitszustand nach First-Line-Chemotherapie,
  • bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), bei denen mindestens eine vorausgegangene Chemotherapie versagt hat,
  • in Kombination mit Gemcitabin zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom.

Wirkmechanismus

Beim nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom liegt oft eine Überexpression des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors HER1/EGFR vor. Insofern stellt die Hemmung dieses Rezeptors eine vielversprechende, maßgeschneiderte Therapieoption (targeted therapy) dar. Erlotinib besetzt hoch selektiv und reversibel die Adenosintriphosphat (ATP)-Bindungsstelle der intrazellulären Tyrosinkinase(TK)-Domäne des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors. Dadurch wird die Phosphorylierung gehemmt und die Signalweiterleitung unterbrochen. Es kommt zur Hemmung der Proliferation, der Angiogenese, der Förderung der Apoptose und einer Erhöhung der Empfindlichkeit der Tumorzellen gegenüber Chemo- und Radiotherapie.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Erlotinib beträgt einmal täglich 150 mg bei Patienten mit  nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom und 100 mg in Kombination mit Gemcitabin bei Patienten mit Pankreaskarzinom. Die Filmtabletten werden mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen.

Wichtige Wechselwirkungen

Erlotinib ist ein starker Inhibitor von CYP1A1, CYP3A4 und CYP2C8 sowie der Glucuronisierung durch UGT1A1. Vorsicht ist geboten, wenn gleichzeitig Ciprofloxacin, ein moderater CYP1A2-Inhibitor, oder Fluvoxamin, ein starker CYP1A2-Inhibitor, gegeben werden muss, da diese die Exposition gegenüber Erlotinib und seinem aktiven Metaboliten erhöhen können. Vorsicht ist auch geboten bei Patienten mit geringer Expression von UGT1A1 oder genetischen Glucuronisierungsstörungen, zum Beispiel dem Gilbert-Syndrom.

 

Stark wirksame Inhibitoren von CYP3A4 verringern die Metabolisierung von Erlotinib und erhöhen dessen Plasmakonzentration. Stark wirksame Induktoren von CYP3A4 steigern die Metabolisierung von Erlotinib und vermindern dessen Plasmakonzentration signifikant.

 

Bei Patienten, die gleichzeitig Erlotinib und Antikoagulanzien auf Cumarin-Basis erhalten, kann es zu einer Erhöhung des INR und zu Blutungen kommen. Daher sollten Prothrombinzeit und INR überwacht werden.

 

Bei Rauchern wurden signifikant geringere Plasmakonzentrationen festgestellt als bei Nichtrauchern; Patienten sollten daher so früh wie möglich vor Behandlungsbeginn mit dem Rauchen aufhören.

 

Bei einem pH-Wert über 5 ist die Löslichkeit von Erlotinib vermindert. Die gleichzeitige Anwendung von Protonenpumpenhemmern sollte daher vermieden werden. Antazida sollten mindestens 4 Stunden vor oder 2 Stunden nach der Gabe von Erlotinib angewendet werden. Erlotinib sollte außerdem 2 Stunden nach oder 10 Stunden vor Ranitidin eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen in Studien zu Erlotinib waren Diarrhö (54 Prozent) und ein Hautauschlag (75 Prozent), der sich jedoch meist spontan oder nach einer Therapiepause zurückbildete. Typische Krankheitssymptome wie Husten (32,4 Prozent), Kurzatmigkeit (63,7 Prozent) und Schmerzen (46,1 Prozent) konnten unter Erlotinib häufiger und über einen längeren Zeitraum gelindert werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen einer internationalen Phase-III-Studie (BR.21-Studie) an 731 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC (New England Journal of Medicine, 353, 2005, 123-132). Die Patienten erhielten – nach Versagen wenigstens einer vorherigen Chemotherapie – entweder 150 mg Erlotinib als Monotherapie oder Placebo. Das Gesamtüberleben in der Gruppe der mit Erlotinib behandelten Patienten war mit einer Steigerung um 42,5 Prozent signifikant länger als das der Patienten der Placebogruppe (6,7 Monate versus 4,7 Monate). Nach einem Jahr lebten noch 31 Prozent der Erlotinib-Patienten, im Vergleich zu 22 Prozent in der Placebogruppe. Auch das progressionsfreie Überleben konnte von 8 auf 9,7 Wochen signifikant verlängert werden.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Tarceva sind keine besonderen Lagerungsbedingungen einzuhalten.

Tarceva ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Erlotinib

Erlotinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

erlotinib.wrl

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und mindestens 2 Wochen nach Abschluss der Behandlung mit Erlotinib eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten. Während einer Schwangerschaft sollte die Therapie nur dann fortgesetzt werden, wenn der mögliche Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt. Während der Therapie mit Erlotinib sollten Frauen nicht stillen.

Letzte Aktualisierung: 26.02.2016