Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Palifermin|Kepivance®|86|2005

Datenschutz bei der PZ
STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Palifermin
FERTIGARZNEIMITTEL
Kepivance®
HERSTELLER

Swedish Orphan Biovitrum

MARKTEINFÜHRUNG (D)
11/2005
DARREICHUNGSFORM

6,25 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

Indikationen

Kepivance ist zugelassen zur Reduktion von Häufigkeit, Dauer und Schweregrad der Mukositis bei Patienten mit hämatologischen Krebsformen, wenn sie myeloablative Therapien erhalten, die häufig schwere Mukositiden hervorrufen und den Einsatz von autologen hämatopoetischen Stammzellen erfordern.

Wirkmechanismus

Palifermin ist ein humaner Keratinozyten-Wachstumsfaktor (KGF), der in Escherichia coli hergestellt wird. Er besteht aus 140 Aminosäuren. Im Vergleich zum endogenen KGF wurden die ersten 23 N-terminalen Aminosäuren entfernt, um die Stabilität des Proteins zu erhöhen. Der endogene KGF gehört zur Familie der Fibroblasten-Wachstumsfaktoren und wird von mesenchymalen Zellen gebildet. Nach der Verletzung von Epithelzellen wird die Synthese hochgefahren. Das Protein bindet an den KGF-Rezeptor, der in sehr vielen Geweben von den Epithelzellen exprimiert wird, und regt dadurch die Proliferation, Differenzierung und Migration von Epithelzellen an. Deren Apoptose sowie die Sekretion von proentzündlichen Zytokinen wie TNF-α und IFN-γ werden reduziert. Außerdem werden zytoprotektive Gene aktiviert, die für antioxidative und entgiftende Enzyme kodieren.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Palifermin beträgt 60 µg/kgKG/Tag. Der Patient erhält drei Dosen vor und drei nach der knochenmarkstoxischen Therapie. Das Pulver wird vor der Applikation in 1,2 ml Wasser für Injektionszwecke gelöst; die Lösung muss vor Licht geschützt und innerhalb einer Stunde (bei Raumtemperatur) intravenös gespritzt werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Das Wechselwirkungs-Risiko von Palifermin ist gering. In-vitro- und In-vivo-Daten weisen darauf hin, dass Palifermin an unfraktioniertes sowie an niedermolekulares Heparin bindet. Heparin sollte daher mit Vorsicht verabreicht und Blutgerinnungstests durchgeführt werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Palifermin waren Hautausschlag, Juckreiz, Erytheme, Beschwerden an Mund und Zunge sowie Geschmacksveränderungen, die aber meist mild bis moderat und reversibel waren.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In einer randomisierten doppelblinden Studie bekamen 212 Patienten mit Leukämien oder Lymphomen entweder Placebo oder Palifermin. Als Krebstherapie erhielten sie eine myelotoxische Hochdosistherapie mit Etoposid und Cyclophosphamid sowie eine Ganzkörperbestrahlung, gefolgt von der Transplantation peripherer Blutstammzellen. 63 Prozent der Patienten in der Palifermin-Gruppe und 98 Prozent der Placebogruppe entwickelten eine Mukositis Grad 3 oder 4, die im Mittel 6 beziehungsweise 9 Tage anhielt. Die Häufigkeit von Grad-4-Mukositiden ging mit Palifermin signifikant zurück (20 versus 62 Prozent), ebenso der Verbrauch von Opioidanalgetika. Eine komplette parenterale Ernährung war bei 31 Prozent der Patienten gegenüber 55 Prozent nötig.

Besonderheiten

Kepivance ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie vor Licht geschützt (Originalverpackung) zu lagen. Es darf nicht einfrieren.

Kepivance ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft darf Kepivance nur angewendet werden, wenn dies zwingend erforderlich ist. In der Stillzeit darf Kepivance nicht angewendet werden.

Letzte Aktualisierung: 26.02.2016