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ARZNEISTOFFE

Nivolumab|Opdivo®|86|2015

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Nivolumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Opdivo®
HERSTELLER

Bristol-Myers Squibb

MARKTEINFÜHRUNG (D)
07/2015
DARREICHUNGSFORM

10 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Opdivo ist zugelassen zur Monotherapie des fortgeschrittenen, nicht resezierbaren oder metastasierten malignen Melanoms bei Erwachsenen – auch in der Erst­linientherapie.

 

Außerdem ist es zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligen Plattenepithelkarzinom der Lunge sowie als Monotherapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms, jeweils in der Zweitlinientherapie.

Wirkmechanismus

Nivolumab ist ein humaner mono­klonaler Immunglobulin (Ig)-G4-Antikörper, der gegen den Checkpoint- Rezeptor PD-1 (Programmed Death 1) auf aktivierten T-Zellen gerichtet ist. Bindet Nivolumab an den PD-1-Rezeptor, kann dieser nicht mehr mit seinen Liganden PD-L1 und -L2 interagieren, die von Antigen-präsentierenden Zellen, Tumoren oder anderen Zellen aus dem Mikromilieu des Tumors exprimiert werden.

 

Physiologischerweise unterbindet der PD-1-Signalweg eine dauerhafte T-Zell-Aktivierung, um den Körper vor überschießenden Immunreaktionen zu schützen. Die Bindung des PD-1- Rezeptors an seine Liganden hemmt die T-Zell-Proliferation und die Zytokin­ausschüttung und somit die Immunantwort. Der PD-1-Rezeptor ist also ein negativer Regulator der T-Zell-Aktivität. Wenn monoklonale PD-1-Inhibitoren diesen Regulationsweg hemmen, potenzieren sie damit die Tumorabwehrreaktion der T-Zellen. Der Antikörper richtet sich also nicht direkt gegen den Tumor, sondern aktiviert die körpereigene Immun­antwort.

Anwendungsweise und -hinweise

Opdivo wird als intravenöse Infu­sion über 60 Minuten in einer Dosierung von 3 mg/kg Körpergewicht alle 14 Tage verabreicht. Bei älteren Patienten oder bei leicht oder mäßig ein­geschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Wichtige Wechselwirkungen

Vor Beginn der Nivolumab-Behandlung sollte die Anwendung systemischer Corticosteroide und anderer Immunsuppressiva wegen der potenziellen Beeinflussung der pharmakodynamischen Aktivität vermieden werden. Nach Beginn der Nivolumab-Behandlung jedoch können systemische Corticosteroide und andere Immunsuppressiva zur Behandlung immunvermittelter Nebenwirkungen angewendet werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Nivolumab waren Fatigue (33 Prozent), Hautausschlag (20 Prozent) und Juckreiz (18 Prozent), Übelkeit und Durchfall (16 und 14 Prozent). 

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In der zulassungsrelevanten, doppelblinden Phase-III-Studie Check­Mate-066 erhielten 418 Patienten mit fortgeschrittenem, aber noch unbehandeltem Melanom vom BRAF-Wildtyp im Stadium III oder IV randomisiert entweder Nivolumab (3 mg/kg Körpergewicht alle zwei Wochen) oder das Chemotherapeutikum Dacarbazin (1000 mg/m2 alle drei Wochen). Die Ein-Jahres-Über­lebensrate betrug unter Nivolumab 73 Prozent im Vergleich zu 42 Prozent unter Dacarbazin. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) war mit 5,1 Monaten signifikant länger als im Vergleichsarm (2,2 Monate). Insgesamt erreichten 40 Prozent der Patienten eine komplette oder teilweise Remission gegenüber 14 Prozent unter Dacarbazin. Die Studie zeigte, dass die Wirkung von Nivolumab verzögert einsetzt, sodass es zwei bis drei Monate dauern kann, bis ein Vorteil erkennbar wird.

 

Auch bei vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Melanom ist der neue Antikörper wirksam, wie die randomisierte offene Phase-III-Studie CheckMate-037 zeigte. 405 mit Ipilimumab oder einem BRAF-Kinase-Inhibitor vorbehandelte Patienten erhielten entweder Nivolumab als Mono­therapie oder eine Chemotherapie entweder mit Dacarbazin oder Carboplatin plus Paclitaxel. Fast 32 Prozent der Pa­tienten sprachen ganz oder teilweise auf Nivolumab an, aber nur rund 10 Prozent auf die Chemotherapie. Das Ansprechen hing nicht davon ab, ob die Patienten Tumoren mit oder ohne BRAF-Mutation und ob sie PD-L1-posi­tive oder -negative Tumoren hatten.

 

Bei Lungenkrebs basiert die Zulassung auf den Ergebnissen der randomisierten Open-Label-Studie CheckMate-017 mit rund 270 Patienten. Darin wurde Nivolumab (3 mg/kg Körpergewicht intravenös über 60 Minuten alle zwei Wochen) verglichen mit dem Therapiestandard Docetaxel (75 mg/m2 intra­venös alle drei Wochen). Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben, das im Median bei gut neun Monaten unter Nivolumab lag, im Vergleich zu sechs Monaten unter Docetaxel. Die Ein-Jahres-Überlebensrate betrug 42 Prozent versus 24 Prozent. Im Nivolumab-Arm führten behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse bei 3 Prozent der Patienten zum Therapieabbruch (am häufigsten Pneumonitis mit 1,5 Prozent), im Docetaxel-Arm bei 10 Prozent.

Besonderheiten

Opdivo ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie unter Lichtschutz (Originalverpackung) aufzubewahren.

Opdivo ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Die Anwendung von Nivolumab während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen, es sei denn, der zu erwartende Nutzen überwiegt das potenzielle Risiko. Während der Stillzeit muss unter Abwägung des jeweiligen Nutzens und der Risiken entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Nivolumab unterbrochen werden soll.

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Letzte Aktualisierung: 13.05.2016