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ARZNEISTOFFE

Arsentrioxid|Trisenox®|86|2002

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Arsentrioxid
FERTIGARZNEIMITTEL
Trisenox®
HERSTELLER

Teva

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2002
DARREICHUNGSFORM

1 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Trisenox ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit rezidivierender beziehungsweise refraktärer akuter Promyelozyten-Leukämie (APL). Diese ist eine von acht Unterarten der akuten myeloischen Leukämie (AML). Die bösartige Krankheit ist durch eine abnormale Translokation von genetischem Material von Chromosom 17 auf 15 charakterisiert. In der Folge unterdrückt ein entartetes Protein die Ausreifung der Leukozyten im Knochenmark.

 

Als Standardtherapie erhalten die Patienten zunächst Zytostatika und all-trans-Retinoide. Auf dieses Regime sprechen jedoch 20 bis 30 Prozent der Betroffenen nicht an. Für sie steht nun Trisenox zur Verfügung.

Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismus von Arsentrioxid ist noch nicht geklärt. Es existieren zwei Hypothesen: Einerseits soll die Substanz das abnormale Protein zerstören, das die Ausreifung der Leukozyten behindert. Andererseits soll Arsentrioxid den programmierten Zelltod ankurbeln, indem die Freisetzung von Caspase-Enzymen gefördert wird.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis Arsentrioxid zur Induktionstherapie beträgt 0,15 mg/kg KG/Tag; sie wird bis zur Knochenmark-Remission gegeben, maximal 50 Tage. Drei bis vier Wochen nach erfolgreicher Induktionsphase erfolgt für 25 Tage eine Konsolidierungstherapie mit derselben Dosierung nach dem Schema 5 Tage Trisenox, 2 Tage Pause.

 

Die Lösung wird mit 5-prozentiger Glucoselösung oder physiologischer Kochsalzlösung verdünnt und über ein bis zwei Stunden infundiert. Die Infusion darf nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt oder gleichzeitig verabreicht werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Es wurden keine Studien zu Wechselwirkungen zwischen Trisenox und anderen Arzneimitteln durchgeführt. Da Arsentrioxid die QT/QTc-Zeit verlängert, ist bei ähnlich wirkenden Arzneistoffen wie Makroliden oder dem Neuroleptikum Thioridazin extreme Vorsicht geboten.

Nebenwirkungen

Das Nebenwirkungsspektrum von Arsentrioxid ist vielschichtig. Die Symptome reichen von Fieber, Dyspnoe und Leukozytose bis hin zu Herzrhythmusstörungen und einem gestörten Elektrolythaushalt.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei der Anwendung von Trisenox bei Patienten mit Nieren- und/oder Leberfunktionsstörungen ist mangels Daten Vorsicht geboten. Für Patienten unter 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit von Trisenox nicht erwiesen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Arsentrioxid wurde in zwei offenen Studien ohne Vergleichsgruppe an 52 APL-Patienten geprüft, die zuvor Anthrazyklin und ein Retinoid erhalten hatten. Die Studienteilnehmer bekamen intravenös eine mittlere Tagesdosis von 0,15 bis 0,16 mg pro kg Körpergewicht. Je nach Ansprechrate schloss sich nach erfolgreicher Vollremission und einer Konsolidierungstherapie eine Erhaltungstherapie an. Bei 85 beziehungsweise 92 Prozent der Patienten konnten zunächst keine sichtbaren Leukämiezellen mehr im Knochenmark nachgewiesen werden (Vollremission). Bis zur Vollremission vergingen im Schnitt 35 Tage. Diese Remission hielt rund 55 Tage an. Die Überlebensrate nach 18 Monaten lag bei 67 Prozent.

Besonderheiten

Trisenox darf nicht einfrieren.

Trisenox ist verschreibungspflichtig und wird nur an Krankenhaus- und krankenhausversorgende Apotheken geliefert.

Weitere Hinweise

Frauen und Männer, die mit Trisenox behandelt werden, müssen zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden.

 

Arsentrioxid hat sich im Tiermodell als embryotoxisch und teratogen erwiesen. Wenn es erforderlich ist, Trisenox während einer Schwangerschaft einzusetzen, muss die Patientin über die möglichen Risiken aufgeklärt werden.

 

Arsentrioxid wird in die Muttermilch abgegeben. Daher darf vor und während der Behandlung mit Trisenox nicht gestillt werden.

Letzte Aktualisierung: 02.12.2016