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ARZNEISTOFFE

Pegaspargase|Oncaspar®|86|1997

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Pegaspargase
FERTIGARZNEIMITTEL
Oncaspar®
HERSTELLER

Shire

MARKTEINFÜHRUNG (D)
1997
DARREICHUNGSFORM

750 E/ml Injektions-/Infusionslösung

LYO 750 E/ml Pulver zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung

Indikationen

Oncaspar ist zugelassen als Bestandteil einer antineoplastischen Kombinationstherapie zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab der Geburt.

Wirkmechanismus

Bei Pegaspargase ist das Enzym L-Asparaginase an Polyethylenglykol gebunden. Das führt zu einer Verlängerung der Halbwertszeit und zu einer Herabsetzung der Immunogenität des Enzyms.

 

Die zytotoxischen Eigenschaften von Pegaspargase sind darin begründet, dass es die Hydrolyse der nicht essentiellen Aminosäure L-Asparagin in L-Asparaginsäure und Ammoniak katalysiert. Dadurch verarmt die Tumorzelle an L-Asparagin und geht zugrunde.

Anwendungsweise und -hinweise

Für Erwachsene im Alter > 21 Jahre beträgt die empfohlene Dosierung 2000 E Pegaspargase pro m2 Körperoberfläche alle 14 Tage. Patienten bis zu einem einem Alter von 21 Jahren und einer Körperoberfläche von ≥ 0,6 m2 erhalten alle 14 Tage 2500 E Pegaspargase (entsprechend 3,3 ml Oncaspar) pro m2 Körperoberfläche. Kinder mit einer Körperoberfläche von < 0,6 m2 erhalten alle 14 Tage 82,5 E Pegaspargase (entsprechend 0,1 ml Oncaspar) pro Kilogramm Körpergewicht.

 

Oncaspar kann entweder durch intramuskuläre Injektion oder intravenöse Infusion verabreicht werden. Bei Gabe kleinerer Mengen ist die intramuskuläre Injektion die bevorzugte Art der Anwendung.

Wichtige Wechselwirkungen

Pegaspargase vermindert Serumprotein. Dadurch kann sich die Toxizität anderer an Protein gebundener Arzneimittel erhöhen.

 

Pegaspargase hemmt die Proteinsynthese und Zellteilung. Es kann daher den Wirkungsmechanismus anderer Substanzen, die die Zellteilung zur Entfaltung ihrer Wirkung benötigen, stören. Dies kann beispielsweise bei Methotrexat der Fall sein.

 

Eine vorausgehende Gabe von Methotrexat und Cytarabin kann die Wirkung von Pegaspargase synergistisch steigern. Bei nacheinander erfolgender Gabe dieser Substanzen kann die Wirkung von Pegaspargase hingegen antagonistisch abgeschwächt werden. Pegaspargase kann außerdem die enzymatische Metabolisierung anderer Arzneistoffe stören, insbesondere in der Leber.

 

Die Anwendung von Pegaspargase kann zu Schwankungen bei den Gerinnungsfaktoren führen. Das Risiko von Blutungen und/oder Thrombosen kann dadurch steigen. Daher ist Vorsicht geboten, wenn Patienten gleichzeitig Antikoagulanzien wie Cumarin, Heparin, Dipyridamol, ASS oder NSAR erhalten. Bei gleichzeitiger Gabe von Glucocorticoiden (zum Beispiel Prednison) und Pegaspargase kann eine Veränderung von Gerinnungsparametern (zum Beispiel Fibrinogensenkung und Antithrombin-III (ATIII)-Mangel) verstärkt vorkommen.

 

Eine unmittelbar vorausgehende oder gleichzeitige Behandlung mit Vincristin kann die Toxizität von Pegaspargase verstärken und erhöht das Risiko anaphylaktischer Reaktionen. Eine Anwendung vor Vincristin kann zudem die Neurotoxizität von Vincristin erhöhen. Daher muss die Vincristin mindestens 12 Stunden vor Pegaspargase gegeben werden.

 

Eine indirekte Wechselwirkung zwischen Pegaspargase und oralen Kontrazeptiva kann aufgrund der Lebertoxizität von Pegaspargase und der sich daraus ergebenden möglichen Störung der hepatischen Clearance oraler Kontrazeptiva nicht ausgeschlossen werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten daher eine andere Form der Verhütung wählen.

Lebendimpfungen während einer Therapie mit Pegaspargase erhöhen das Risiko für schwere Infektionen. Sie sollten daher nicht früher als drei Monate nach Abschluss der gesamten antileukämischen Behandlung durchgeführt werden.

Nebenwirkungen

Die unter der Therapie mit Pegaspargase am häufigsten berichtete Nebenwirkung (CTC-Grad 2 oder höher) war Überempfindlichkeit, einschließlich anaphylaktischer Reaktion, febriler Neutropenie, Anämie, Hyperglykämie, verminderter Thrombozytenzahl, verminderter Neutrophilenzahl und erhöhtes Bilirubin im Blut. Sehr häufig kam es außerdem zu Pankreatitis, Durchfall und Bauchschmerzen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht angewendet werden darf Pegaspargase bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz (Bilirubin über dem Dreifachen der oberen Grenze des Normalbereichs (OGN); Transaminasen über der zehnfachen OGN). Kontraindiziert ist es außerdem bei Patienten mit schwerer Thrombose in der Vorgeschichte bei einer L-Asparaginase-Therapie sowie bei Patienten mit Pankreatitis in der Vorgeschichte. Auch bei Patienten mit schweren hämorrhagischen Ereignissen bei einer früheren L-Asparaginase-Therapie in der Vorgeschichte darf Pegaspargase nicht angewendet werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Besonderheiten

Oncaspar ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern und darf nicht einfrieren.

Oncaspar ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Männer und Frauen müssen während der Behandlung mit Pegaspargase und mindestens sechs Monate nach deren Abschluss eine sichere Verhütungsmethode verwenden. Da eine indirekte Wechselwirkung zwischen dem oralen Kontrazeptivum und Pegaspargase nicht ausgeschlossen werden kann, sollten gebärfähige Frauen eine andere Form der Verhütung wählen.

 

Pegaspargase sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass dies aufgrund des klinischen Zustands der Frau erforderlich ist. Das Stillen sollte während der Therapie mit Pegaspargase unterbrochen und erst nach dessen Absetzen von wieder aufgenommen werden.

Letzte Aktualisierung: 13.06.2018