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ARZNEISTOFFE

Clofarabin|Evoltra®|86|2006

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Clofarabin
FERTIGARZNEIMITTEL
Evoltra®
HERSTELLER

Genzyme

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2006
DARREICHUNGSFORM

1 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Evoltra ist zugelassen zur Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) bei Kindern und Jugendlichen, die nach mindestens zwei Vorbehandlungen ein Rezidiv erleiden oder refraktär sind, und wenn erwartet wird, dass keine andere Behandlungsoption zu einem dauerhaften Ansprechen führt.

Wirkmechanismus

Die antitumorigene Aktivität von Clofarabin beruht vermutlich auf folgenden drei Mechanismen: DNA-Polymerase-α-Hemmung, die zu einer Beendigung der DNA-Ketten-Verlängerung und/oder der DNA-Synthese/Reparatur führt, Ribonucleotid-Reduktase-Hemmung mit Reduktion der zellulären Desoxynucleotid-Triphosphat-(dNTP) Pools und Zerstörung der Mitochondrienmembran durch die Freisetzung von Cytochrom C und anderer proapoptotischer Faktoren, die selbst in nicht-teilenden Lymphozyten zum programmierten Zelltod führen. Dazu muss der Arzneistoff zunächst in die Zielzellen diffundieren oder hineintransportiert werden, wo er von den intrazellulären Kinasen zum Mono- und Biphosphat und letztlich zum aktiven Konjugat Clofarabin-5’-Triphosphat phosphoryliert wird.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 52 mg Clofarabin pro m2 Körperoberfläche. Sie wird als intravenöse Infusion über zwei Stunden täglich an fünf aufeinander folgenden Tagen verabreicht.

Wichtige Wechselwirkungen

Eine Beeinflussung des Cytochrom-P-450-Systems durch Clofarabin ist nicht wahrscheinlich. Da Clofarabin vorwiegend über die Nieren ausgeschieden wird, sollten nephrotoxische Arzneimittel sowie solche, die durch tubuläre Sekretion ausgeschieden werden, während der Zeit der Anwendung von Clofarabin vermieden werden. Dazu zählen unter anderem nichtsteroidale Antirheumatika, Amphotericin B und Methotrexat.

Nebenwirkungen

Häufigste unerwünschten Wirkungen von Clofarabin waren Übelkeit und Erbrechen (61 Prozent), febrile Neutropenie (32 Prozent), Kopfschmerzen (24 Prozent), Fieber (21 Prozent), Juckreiz (21 Prozent) und Dermatitis (20 Prozent). Obwohl bei 76 Patienten (58 Prozent) zumindest ein schweres unerwünschtes Ereignis im Zusammenhang mit Clofarabin auftrat, brachen nur zwei Patienten die Behandlung wegen einer Hyperbilirubinämie ab.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz oder starker Leberfunktionsstörung darf Clofarabin nicht angewendet werden. Vor, während und nach der Behandlung mit Clofarabin darf nicht gestillt werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Sicherheit und Wirksamkeit von Clofarabin wurden in zwei Studien mit Patienten untersucht, die bei der Erstdiagnose höchstens 21 Jahre alt waren. An einer offenen Dosiseskalationsstudie der Phase I nahmen 25 Patienten mit rezidivierender oder refraktärer Leukämie (17 ALL, 8 AML) teil, bei denen die Standardtherapie erfolglos geblieben war oder für die keine andere Therapie existierte. Die Dosierung begann mit 11,25 mg/m2/Tag und wurde dann auf 15, 30, 40, 52 und 70 erhöht. 13 Patienten (9 ALL, 4 AML) wurden nach dem Clofarabin-Dosierungsschema 52 mg/m2/Tag behandelt. Von den 17 ALL-Patienten erreichten vier eine vollständige Remission (24 Prozent) und einer eine partielle Remission (6 Prozent).

 

An einer Phase-II-Studie nahmen 61 ALL-Patienten (medianes Alter 12 Jahre) teil, von denen die meisten bereits intensiv vorbehandelt waren und zwischen zwei bis vier Chemotherapien erhalten hatten. 18 (30 Prozent) hatten bereits mindestens eine Knochenmarktransplantation erhalten. Clofarabin wurde an fünf aufeinander folgenden Tagen in einer Dosierung von 52 mg/m2 pro Tag über zwei Stunden intravenös verabreicht. In Abhängigkeit vom Ansprechen wurde dieser Zyklus alle zwei bis sechs Wochen wiederholt. Die 12 Patienten, die eine Gesamtremission erreichten, hatten eine mittlere Überlebenszeit von 66,6 Wochen, im Vergleich zu nur 7,6 Wochen bei nicht ansprechenden Patienten.

Besonderheiten

Evoltra darf nicht einfrieren.
Evoltra ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter und sexuell aktive Männer müssen während der Behandlung mit Clofarabin zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden. Während einer Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimenon, darf Clofarabin nicht angewendet werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich. Vor, während und nach der Anwendung von Clofarabin darf nicht gestillt werden.

Letzte Aktualisierung: 14.01.2016