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ARZNEISTOFFE

Mifamurtid|Mepact®|86|2010

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Mifamurtid
FERTIGARZNEIMITTEL
Mepact®
HERSTELLER

Takeda

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2010
DARREICHUNGSFORM

4 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionssuspension

Indikationen

Mepact ist zugelassen zur Therapie hochmaligner, nicht metastasierender Osteosarkome bei Kindern ab zwei Jahren, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Präparat wird als intravenöse Infusion in Kombination mit anderen Arzneimitteln verwendet, nachdem der Tumor operativ entfernt wurde.

Wirkmechanismus

Mifamurtid ist ein synthetisches Derivat des Muramyldipeptids, eines mykobakteriellen Zellwandbestandteils. Es wirkt als Immunmodulator und aktiviert Monozyten und Makrophagen. Der genaue Wirkmechanismus beim Osteosarkom ist laut der Europäischen Arzneimittelagentur EMA nicht vollständig bekannt. Vermutet wird, dass der Arzneistoff Makrophagen anregt, Zytokine und Adhäsionsmoleküle freizusetzen, welche letztlich die Krebszellen abtöten.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt für alle Patientengruppen 2 mg Mifamurtid pro m2 Körperoberfläche. Die Infusion wird 12 Wochen lang zweimal wöchentlich und anschließend einmal wöchentlich über 24 Wochen verabreicht. Dabei sollte die Infusion langsam über den Zeitraum von einer Stunde verabreicht werden, niemals als Bolus.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Anämie, Appetitlosigkeit, Schwindelgefühl, Tachykardie, hoher oder niedriger Blutdruck, Atembeschwerden wie Kurzatmigkeit, beschleunigte Atmung und Husten, Magen-Darm-Störungen, verstärktes Schwitzen, Schmerzen in Kopf, Muskeln, Gelenken, Rücken, Extremitäten und der Brust, Fieber, Schüttelfrost, Hypothermie, Müdigkeit und Schwäche.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Mifamurtid darf nicht gleichzeitig mit Ciclosporin oder anderen Calcineurin-Hemmern sowie mit hoch dosierten nicht steroidalen Antirheumatika angewendet werden. Auch die gleichzeitige Behandlung mit Corticoiden sollte vermieden werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung beruht auf der Phase-III-Studie MEPACT (INT-0133) mit 678 Osteosarkom-Patienten. Nach chirurgischer Entfernung des Tumors erhielten die Teilnehmer entweder Mifamurtid zusätzlich zu einer adjuvanten Chemotherapie mit drei oder vier Wirkstoffen (Doxorubicin/Cisplatin/Methotrexat mit oder ohne Ifosfamid) oder die alleinige Chemotherapie. Die Zusatztherapie mit Mifamurtid erhöhte die Gesamtüberlebensrate und senkte das relative Sterberisiko um knapp ein Drittel (28 Prozent).

Hintergrundinfos

Das Osteosarkom ist ein seltener Knochentumor, der typischerweise bei Kindern und jungen Erwachsenen auftritt und oftmals einen tödlichen Verlauf nimmt. Da Osteosarkome in der Regel aus Osteoblasten entstehen, sind am häufigsten Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase betroffen. Während die meisten Tumoren in größeren Strukturen wie Oberschenkel-, Schienbein- und Oberarmknochen sowie in Knochenbereichen mit der schnellsten Wachstumsrate auftreten, können sich Osteosarkome in jedem Knochen manifestieren. Das häufigste Symptom ist Schmerz. Zudem können Schwellungen und Bewegungseinschränkungen auftreten. Die Überlebensrate für Kinder mit Osteosarkom liegt seit Mitte der 1980er-Jahre unverändert bei 60 bis 65 Prozent. Die Standardbehandlung ist eine Tumorresektion in Kombination mit einer Chemotherapie vor und nach dem chirurgischen Eingriff.

Besonderheiten

Mifamurtid wurde mit dem PZ-Innovationspreis 2010 ausgezeichnet.


Mepact ist im Kühlschrank (2–8 °C) und vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern.
Die rekonstituierte Suspension ist bei 25 °C bis zu sechs Stunden lang stabil.
Mepact ist verschreibungspflichtig.

 

Formeln

Mifamurtid

Mifamurtid

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

mifamurtid.wrl

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Mepact zuverlässig verhüten. Eine Anwendung von Mepact während der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen.

Letzte Aktualisierung: 01.07.2015