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ARZNEISTOFFE

Mogamulizumab|Poteligeo®|86|2020

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Mogamulizumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Poteligeo®
HERSTELLER

Kyowa Kirin

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2020
DARREICHUNGSFORM

4 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Poteligeo ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom (SS), die mindestens eine vorherige systemische Therapie erhalten haben.

Wirkmechanismus

Mogamulizumab bindet selektiv an das Protein C-C-Chemokinrezeptor 4 (CCR4). Nach der Bindung kommt es zur Aktivierung von natürlichen Killerzellen, die anschließend die Zerstörung der Zielzelle vermitteln.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 1 mg Mogamulizumab pro kg Körpergewicht. Poteligeo wird als intravenöse Infusion über mindestens 60 Minuten verabreicht. Die Anwendung erfolgt wöchentlich an den Tagen 1, 8, 15 und 22 des ersten 28-tägigen Zyklus. Anschließend erfolgen die Infusionen alle zwei Wochen an den Tagen 1 und 15 jedes nachfolgenden 28-tägigen Zyklus bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder dem Auftreten inakzeptabler Toxizität. Vor dem Therapiestart sollten die Patienten auf das Vorliegen einer Hepatitis-B-Infektion getestet werden.

 

Für die erste Infusion wird eine Prämedikation mit einem Antipyretikum und Antihistaminikum empfohlen. Sofern eine Infusionsreaktion auftritt, ist die Prämedikation auch bei den nachfolgenden Infusionen zu verabreichen. Akute Infusionsreaktionen waren in den klinischen Studien zumeist mild oder mäßig ausgeprägt. Es gab aber auch einige Fälle schwerer Reaktionen. Abhängig vom Schweregrad der Reaktion soll die Therapie unterbrochen, angepasst oder abgesetzt werden. Das gleiche gilt für Fälle, in denen es infolge der Behandlung zu einem Hautausschlag kommt.

 

Patienten mit rasch proliferierendem Tumor und hoher Tumorlast sind von einem Tumorlyse-Syndrom bedroht. Bei ihnen sollten insbesondere im ersten Behandlungsmonat Elektrolytstatus, Hydration und Nierenfunktion durch geeignete Labor- und klinische Tests engmaschig überwacht und nach bester medizinischer Praxis behandelt werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Unter der Behandlung mit Mogamulizumab besteht ein erhöhtes Risiko für eine schwerwiegende Infektion und/oder Virusreaktivierung. Die gleichzeitige Anwendung mit systemischen immunmodulierenden Arzneimitteln oder mit anderen zugelassenen Therapien für Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom (SS) wurde nicht geprüft. Sie wird aber aber in Anbetracht des per se erhöhten Risikos für schwere Infektionen unter Mogamulizumab nicht empfohlen. Topische Steroide oder systemische Corticosteroide in niedriger Dosierung können während der Behandlung verwendet werden. Das Risiko einer schwerwiegenden Infektion und/oder Virusreaktivierung kann jedoch bei gleichzeitiger Anwendung von systemischen Immunsuppressiva erhöht sein.

Nebenwirkungen

Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen in Studien zu Mogamulizumab waren Pneumonie, Fieber, Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion und eitrige Entzündungen der Unterhaut (Phlegmone). Als häufigste Nebenwirkungen traten Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion und Ausschlag auf. Diese waren zumeist nicht schwerwiegend (Schweregrade 1 oder 2).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Poteligeo basiert auf der Phase-III-Studie MAVORIC an 372 Patienten mit Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom (SS). Sie erhielten randomisiert entweder Mogamulizumab oder Vorinostat (in Deutschland nicht zugelassen). Vorinostat-Patienten mit fortschreitender Erkrankung oder inakzeptablen Toxizitäten durften zur Mogamulizumab-Therapie wechseln. Als primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben definiert. Mogamulizumab reduzierte im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie das Progressionsrisiko relativ um 47 Prozent: Mit Mogamulizumab behandelte Patienten lebten im Durchschnitt 7,7 Monate ohne Progress, die Patienten der Vorinostat-Gruppe dagegen nur 3,1 Monate. Die Gesamtansprechrate war mit 28,0 Prozent fast sechsmal so hoch wie unter Vorinostat mit nur 4,8 Prozent. Die Ansprechdauer wurde um fünf Monate verlängert (14 versus 9 Monate). Zudem verbesserte Mogamulizumab signifikant die Lebensqualität.

Hintergrundinfos

Mycosis fungoides (MF) und Sézary-Syndrom (SS) sind Subtypen des kutanen T-Zell-Lymphoms, einer seltenen Art des Non-Hodgkin-Lymphoms. Die entarteten T-Zellen exprimieren kontinuierlich das Protein C-C-Chemokinrezeptor 4 (CCR4), das es ihnen ermöglicht, vom Blut in die Haut zu gelangen. Dort können sie eine lokalisierte entzündliche Immunreaktion hervorrufen, die häufig zu sichtbaren Hautsymptomen wie roten Flecken oder Plaques führt. Je nach Stadium sind Haut, Blut, Lymphknoten und innere Organe von der Krankheit betroffen. In Europa gibt es bisher nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten.

Besonderheiten

Poteligeo ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.

Poteligeo ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Gebärfähige Frauen und zeugungsfähige Männer sollten während der Behandlung mit Poteligeo und danach für mindestens sechs Monate eine wirksame Verhütung anwenden. Aus Vorsichtsgründen sollte eine Anwendung von Mogamulizumab bei Schwangeren vermieden werden. In den ersten Tagen nach der Geburt könnte der Antikörper in die Muttermilch übergehen. In diesem Zeitraum kann ein Risiko für das gestillte Kind nicht ausgeschlossen werden. Danach könnte Poteligeo bei klinischer Notwendigkeit während der Stillzeit eingesetzt werden.

Packshot

Vorläufige Bewertung

Sprunginnovation

Letzte Aktualisierung: 29.06.2020

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