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ARZNEISTOFFE

Necitumumab|Portrazza®|86|2016

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Necitumumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Portrazza®
HERSTELLER

Lilly

MARKTEINFÜHRUNG (D)
04/2016
DARREICHUNGSFORM

800 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Portrazza ist zugelassen zur Behandlung von fortgeschrittenen Stadien eines plattenepithelialen, nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms. Es wird in Kombination mit Gemcitabin und Cisplatin bei chemotherapienaiven Patienten eingesetzt, deren Tumor den Wachstumsfaktor EGFR exprimiert.

Wirkmechanismus

Necitumumab ist ein monoklonaler Antikörper, der spezifisch und hoch selektiv an den Rezeptor des epidermalen Wachstumsfaktors (EGFR) der Tumorzelle bindet. EGFR kontrolliert normalerweise das Wachstum und die Teilung von Zellen. Bei Krebszellen ist EGFR jedoch oft überaktiv, was dazu führt, dass sich diese Zellen unkontrolliert teilen. Necitumumab bindet an EGFR und blockiert folglich die Ligandenbindungsstelle. Dadurch werden Wachstum und Ausbreitung der Krebszellen verringert.

Anwendungsweise und -hinweise

Vor Beginn der Therapie muss auf der Oberfläche der Krebszellen EGFR nachgewiesen werden. Portrazza wird zusätzlich zu einer Gemcitabin- und Cisplatin-basierten Chemotherapie für bis zu sechs Behandlungszyklen gegeben. Sofern die Erkrankung stabil bleibt und der Patient die Behandlung verträgt, wird Necitumumab anschließend als Monotherapie weitergegeben. Die empfohlene Dosis beträgt 800 mg, die intravenös über 60 Minuten an den Tagen 1 und 8 am ersten und achten Tag eines jeden dreiwöchigen Zyklus verabreicht wird.

 

Während der Necitumumab-Applikation muss eine Reanimations-Ausstattung zur Behandlung von schweren infusionsbedingten Reaktionen bereitstehen. Hintergrund ist, dass in den Studien schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und/oder infusionsbedingte Reaktionen auftraten. Für Patienten, die solche Reaktionen gezeigt haben, wird eine Prämedikation mit einem Corticosteroid, Antipyretikum und Antihistaminikum empfohlen. Zudem wurden während der Infusion starke Hautreaktionen beobachtet, die eine Dosisanpassung erforderlich machen können. Als Prophylaxe bieten sich topische Steroide und ein orales Antibiotikum wie Doxycyclin an. Des Weiteren traten unter der Therapie vermehrt thromboembolische Ereignisse auf. Eine Behandlung sollte daher bei Patienten mit entsprechender Vorgeschichte (Schlaganfall, Myokardinfarkt, Embolie) sorgfältig abgewogen werden. Bei rund 80 Prozent der Patienten kam es in den Zulassungsstudien zu einer Abnahme des Magnesium-Serumspiegels, die in knapp 19 Prozent zu einer schweren Hypomagnesiämie führten. Daher sollten vor jeder Necitumumab-Gabe der Serum-Elektrolytwert von Magnesium sorgfältig überprüft werden. Ebenso ist es bei Kalium und Calcium. Pro Dosis enthält Portrazza ferner 244 mg Natrium. Bei Patienten, die eine natriumarme Diät einhalten, muss dies berücksichtigt werden.

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen in Studien zu Necitumumab waren Hautreaktionen, venöse Thromboembolien, Erbrechen, Entzündungen der Mundschleimhaut, Fieber, Gewichtsabnahme sowie erniedrige Blutspiegel von Magnesium, Calcium und Kalium. Zu den häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen Hautreaktionen (6,3 Prozent) und venöse thromboembolische Ereignisse (4,3 Prozent).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Patienten mit multiplen Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse sollten den Portrazza nicht bekommen, außer die Vorteile überwiegen die Risiken.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Portrazza basiert auf der offenen Phase-III-Studie SQUIRE an 1093 therapienaiven Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom der Lunge. Sie erhielten randomisiert entweder Necitumumab (800 mg intravenös an den Tagen 1 und 8 jeweils vor der Gemcitabin-Gabe) in Kombination mit Gemcitabin (1250 mg/m2 intravenös an den Tagen 1 und 8) und Cisplatin (75 mg/m2 intravenös an Tag 1) oder die alleinige Chemotherapie mit Cisplatin und Gemcitabin. Nach sechs Zyklen wurde die Behandlung mit Necitumumab als Monotherapie bis zur Tumorprogression oder dem Auftreten nicht tolerierbarer Toxizitäten weitergeführt. Als primärer Studienendpunkt war das Gesamtüberleben definiert. Sekundäre Endpunkte waren unter anderem das progressionsfreie Überleben, die Ansprechrate und die Zeit bis zum Therapieversagen.

 

Der mediane Gesamtüberlebensvorteil betrug unter Necitumumab 1,7 Monate und war damit statistisch signifikant. Insgesamt überlebten Patienten unter der Antikörper-Therapie 11,7 Monate, im Vergleich zu zehn Monaten unter Standardtherapie. Patienten in der Verumgruppe wiesen mit 5,7 Monaten auch ein statistisch signifikant längeres progressionsfreies Überleben auf als Patienten in der Kontrollgruppe (5,5 Monate). Die Zeit bis zum Therapieversagen betrug unter Necitumumab durchschnittlich 4,3 Monate gegenüber 3,6 Monaten unter der alleinigen Chemotherapie. Die objektive Ansprechrate war in beiden Gruppen vergleichbar (31 Prozent in der Verumgruppe; 29 Prozent in der Kontrollgruppe).

Hintergrundinfos

Nicht kleinzellige Lungenkarzinome (NSCLC) sind mit etwa 80 Prozent die häufigsten bösartigen Tumoren der Lunge. Hiervon sind etwa 30 Prozent histologisch als Plattenepithelkarzinome einzuordnen. Sie sind charakterisiert durch eine Verhornung und/oder Interzellularbrücken. Patienten mit dieser Tumorart haben eine äußert ungünstige Prognose. Bislang stand für die Betroffenen in der Erstlinie keine zielgerichtete Therapie zur Verfügung.

Besonderheiten

Portrazza ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie unter Lichtschutz (Originalkarton) zu lagern.

Portrazza ist verschreibungsplichtig.

Weitere Hinweise

Necitumumab kann den Fetus schädigen oder zu Entwicklungs-Anomalien führen. Daher sollten gebärfähige Frauen während der Behandlung mit dem Antikörper nicht schwanger werden sowie während und bis zu drei Monate nach der letzten Infusion von Portrazza zuverlässig verhüten. Ärzte dürfen das Präparat bei Schwangeren nur anwenden, wenn der potenzielle Nutzen für die Mutter das potenzielle Risiko für den Fetus rechtfertigt. Während der Therapie sollten Frauen das Stillen abbrechen und auch nach der letzten Gabe mindestens vier Monate lang nicht stillen.

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