Tovorafenib|Ojemda®|86|2026 |
Ipsen Pharma
| BRAF-Inhibitoren |
100 mg Filmtabletten
25 mg/ml Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen
Ojemda ist zugelassen als Monotherapie zur Behandlung von Patienten ab sechs Monaten mit pädiatrischem niedriggradigem Gliom (pLGG) mit einer BRAF-Fusion/Umlagerung oder einer BRAF-V600-Mutation. Voraussetzung ist, dass der Tumor nach mindestens einer systemischen Therapie progredient ist.
Tovorafenib ist ein selektiver Typ-II-RAF-Inhibitor. Er bindet an die inaktive Konformation der RAF-Kinase und hemmt die MAPK-Signaltransduktion bei Tumoren mit BRAF-V600-Mutationen und mit BRAF-Fusionen, einschließlich dimerer RAF-Komplexe, wie sie bei Fusionsproteinen typischerweise vorliegen.
Die empfohlene Dosis beträgt 380 mg/m2 Tovorafenib einmal wöchentlich auf Basis der Körperoberfläche (KOF). Maximal sollte sie 600 mg einmal pro Woche betragen. Patienten können den Wirkstoff entweder als schnell freisetzende Tablette oder Suspension einnehmen. Die Tabletten sollten im Ganzen mit Wasser geschluckt und können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Kommt es unmittelbar nach der Gabe zu Erbrechen, sollte die Einnahme der Dosis wiederholt werden.
Zur Kontrolle von Nebenwirkungen können eine Dosisreduktion oder Unterbrechung sowie ein Abbruch der Behandlung erforderlich sein. Zu den sehr häufigen unerwünschten Wirkungen zählen intratumorale Blutungen und andere hämorrhagische Ereignisse. Patienten und Betreuungspersonen sollten über das Risiko von Blutungen während der Behandlung aufgeklärt werden. Zudem kann sich unter der Therapie das Wachstum verzögern. Patienten und Betreuungspersonen sollten über dieses Risiko informiert und das Wachstum und die Entwicklung vor Behandlungsbeginn sowie regelmäßig während und nach Absetzen der Behandlung überwacht werden.
Sehr häufig wurden Erhöhungen der Leberwerte, insbesondere von Alaninaminotransferase (ALT), Aspartataminotransferase (AST) und Bilirubin beobachtet. Die Leberfunktion sollte vor Therapiebeginn, ein Monat nach Beginn und routinemäßig während der Behandlung überwacht werden.
Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählt zudem Hauttoxizität. Patienten und Betreuungspersonen sollen über das Risiko von Hautausschlag und Lichtempfindlichkeit während der Behandlung aufgeklärt werden. Es wird empfohlen, unter Tovorafenib Vorsichtsmaßnahmen gegen UV-Strahlung zu treffen, etwa Sonnenschutzmittel mit LSF ≥ 50, Sonnenbrille und/oder Schutzkleidung einzusetzen.
Tovorafenib ist ein Substrat von CYP2C8. Die gleichzeitige Anwendung mit starken oder moderaten Inhibitoren beziehungsweise Induktoren dieses Enzyms sollten vermieden werden.
Zudem kann der Kinasehemmer als CYP3A-Induktor unter anderem die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva abschwächen.
Zu den in Studien zu Tovorafenib am häufigsten genannten Nebenwirkungen zählten Veränderungen der Haarfarbe, erhöhte Werte der Kreatinphosphokinase, Müdigkeit, Anämie, Erbrechen, niedrige Phosphatspiegel, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Fieber, Wachstumsverzögerung und trockene Haut.
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.
Die Zulassung von Tovorafenib basiert auf der einarmigen, offenen Phase-II-Studie FIREFLY-1 mit 76 Patienten im Alter von sechs Monaten bis 25 Jahren. Sie erhielten etwa 420 mg/m² Tovorafenib einmal wöchentlich bis zum Fortschreiten der Erkrankung, kein klinischer Nutzen mehr vorhanden war oder bis zum Auftreten inakzeptabler Toxizität. Alle zwölf Wochen wurde eine Tumorbewertung durchgeführt. Primäre Endpunkte waren die Gesamtansprechraten (ORR) der Patienten, die durch eine unabhängige Bewertung gemäß den RANO-HGG-Kriterien (Response Assessment in Neuro-Oncology for High-Grade Gliomas) und den RAPNO-LGG-Kriterien (Response Assessment in Pediatric Neuro-Oncology for Low-Grade Gliomas) beurteilt wurden. Beide Kriterien sind international anerkannte Systeme zur Beurteilung des Remissionsstatus bei Gliomen. Die ORR betrug 71 Prozent gemäß den RANO-HGG-Kriterien und 53 Prozent gemäß den RAPNO-LGG-Kriterien. Basierend auf den RAPNO-LGG-Kriterien lag die mediane Zeit bis zum Ansprechen bei 5,4 Monaten, bei einer medianen Ansprechdauer von 18,0 Monaten.
Pädiatrische niedriggradige Gliome (pLGG) gehören zu den häufigsten Hirntumoren im Kindesalter. Sie werden als gutartig betrachtet und die betroffenen Kinder haben eine sehr gute Langzeitprognose. Dennoch ist der Tumor mit einer erheblichen lebenslangen Belastung verbunden. Er führt häufig zu schweren körperlichen und neurologischen Beeinträchtigungen, darunter Sehverlust, Sprachstörungen und motorische Dysfunktionen, die die schulische Entwicklung, Selbstständigkeit und Lebensqualität langfristig und deutlich beeinträchtigen können.
Der Mehrheit der pLGG liegen aktivierende Veränderungen im MAPK-Signalweg zugrunde. Zu den wichtigsten Treibern gehören BRAF-Alterationen, insbesondere BRAF-Fusionen und BRAF-V600-Mutationen. Diese Veränderungen führen zu einer konstitutiven Aktivierung des Signalwegs und fördern Zellproliferation und Zellüberleben.
Bei der Lagerung von Ojemda sind keine besonderen Bedingungen zu berücksichtigen.
Ojemda ist verschreibungspflichtig.
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Therapie und für 28 Tage nach der letzten Dosis eine wirksame nicht hormonelle Verhütungsmethode verwenden. Während der Behandlung und für zwei Wochen nach der letzten Dosis soll nicht gestillt werden.
Männliche Patienten mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für zwei Wochen nach der letzten Dosis wirksam verhüten.
Schrittinnovation
Letzte Aktualisierung: 05.06.2026