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ARZNEISTOFFE

Sunitinib|Sutent®|86|2006

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Sunitinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Sutent®
HERSTELLER

Pfizer

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2006
DARREICHUNGSFORM

12,5 mg Hartkapseln
25 mg Hartkapseln
37,5 mg Hartkapseln
50 mg Hartkapseln

Indikationen

Sutent ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Patienten mit nicht resizierbaren und/oder metastasierten malignen gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), wenn eine Behandlung mit Imatinib nicht erfolgreich war. Außerdem ist es zugelassen bei erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem und/oder metastasiertem Nierenzellkarzinom (mRCC) sowie bei erwachsenen Patienten mit nicht resizierbaren oder metastasierten, gut differenzierten pankreatischen neuroendokrinen Tumoren (pNET) mit Krankheitsprogression.

Wirkmechanismus

Sunitinib blockiert mehrere Tyrosinkinasen, wodurch sich zwei wesentliche Wirkmechanismen ergeben: Zum einen verhindert es die nötige Blutversorgung des Tumors, indem es die Rezeptoren für VEGF (vascular endothelial growth factor) und PDGF (platelet derived growth factor) an Endothelzellen und Perizyten der Blutgefäße hemmt. Diese Wachstumsfaktoren können nun die für den Tumor essenzielle vermehrte Angiogenese nicht mehr anregen. Zum anderen bringt Sunitinib das Tumorwachstum zum Erliegen, da es auch PDGF- und KIT-Rezeptoren im Tumor selbst blockiert. So unterdrückt es eine Signalkaskade, die zur verstärkten Zellteilung im Tumor führt.

Anwendungsweise und -hinweise

In der Regel nehmen Patienten mit GIST oder mRCC vier Wochen lang einmal täglich 50 mg Sunitinib ein, worauf eine zweiwöchige Therapiepause folgt (4/2-Schema). Bei pNET beträgt die empfohlene Dosierung 37,5 mg täglich ohne geplante Therapiepause. Die Patienten können Sutent mit oder ohne Nahrung einnehmen.

 

Je nach Verträglichkeit und der individuellen Sicherheit kann die Dosis in 12,5-mg-Schritten variiert werden (mögliche Dosierung: 37,5 bis 87,5 mg täglich). Dies kann auch bei gleichzeitiger Gabe stark wirksamer CYP3A4-Induktoren oder -Hemmern notwendig sein, da Sunitinib über dieses Cytochrom-P450-Isoenzym metabolisiert wird.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Gabe von Sunitinib zusammen mit starken CYP3A4-Hemmern, wie etwa Ritonavir, Erythromycin oder Grapefruitsaft, kann möglicherweise die Konzentration von Sunitinib erhöhen. Die gleichzeitige Gabe von Sunitinib zusammen mit starken CYP3A4-Induktoren, wie etwa Dexamethason, Carbamazepin oder Johanniskraut, kann möglicherweise die Konzentration von Sunitinib vermindern.

Nebenwirkungen

Als unerwünschte Arzneimittelwirkungen trat in den Studien zu Sunitinib bei jedem zweiten Patienten eine Fatigue auf, jeder dritte litt an Diarrhö. Neben anderen gastrointestinalen Beschwerden kam es häufig auch zu einem Fuß-Hand-Syndrom. Zudem sollten Patienten darauf hingewiesen werden, dass sich die Haut gelblich verfärben kann und eine Depigmentierung der Haare möglich ist. Als seltene schwere Nebenwirkungen gelten eine schwere Hypertonie oder eine Thrombozytopenie mit erhöhter Blutungsneigung (häufig: Nasenbluten).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Sunitinib wurde in Studien zwar untersucht, zum Zeitpunkt der Zulassung lagen aber noch nicht alle Ergebnisse zu den gewählten Endpunkten vor. Die europäische Arzneimittelagentur hatte den Arzneistoff unter besonderen Bedingungen zugelassen und wird neue Informationen jährlich neu bewerten. Grund für dieses Vorgehen waren die guten Behandlungsergebnisse. So konnte Sunitinib in einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie mit GIST-Patienten die Anzahl der Todesfälle in den ersten fünf Jahren nahezu halbieren, weshalb die Studie vorzeitig entblindet wurde. Zuvor erhielten 312 Patienten, die Imatinib nicht vertrugen oder eine Progression aufwiesen, im Verhältnis 2:1 entweder 50 mg Sunitinib oder Placebo im 4/2-Schema. Unter Verum war die mittlere Zeit bis zur Progression mit 28,9 Wochen signifikant länger als unter Placebo (5,1 Wochen). Das Gesamtüberleben betrug 86 Prozent im Sunitinib-Arm gegenüber 75 Prozent im Placebo-Arm.

 

Zum Einsatz bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom liefen zwei open-label Phase-II-Studien, in denen insgesamt 168 Patienten den Wirkstoff im 4/2-Schema erhielten, nachdem eine Zytokin-basierte Immuntherapie versagt oder schwere Nebenwirkungen verursacht hatte. Primärer Endpunkt war jeweils das objektive Ansprechen, das sich aus kompletter und partieller Remission zusammensetzt. Diese Zielmarke erreichten in der ersten Studie 40 Prozent von 63 Patienten, in der zweiten 34 Prozent von 105 Studienteilnehmern. Die mittlere Zeit bis zur Progression betrug 8,7 beziehungsweise 8,3 Monate.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Sutent sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.
Sutent ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Sunitinib

Sunitinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

sunitinib.wrl

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft darf Sutent nicht angewendet werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich. Frauen im gebärfähigen Alter, die mit Sutent behandelt werden, müssen eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten. Frauen, die mit Sutent behandelt werden, dürfen nicht stillen. Es besteht die Möglichkeit, dass sich eine Behandlung mit Sutent auf die männliche und weibliche Fertilität auswirkt.

Letzte Aktualisierung: 19.02.2016