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ARZNEISTOFFE

Trabectedin|Yondelis|86|2007

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Trabectedin
FERTIGARZNEIMITTEL
Yondelis
HERSTELLER

Pharma Mar S.A.

MARKTEINFÜHRUNG (D)
10/2007
DARREICHUNGSFORM

0,25 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats
1 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats

Indikationen

Yondelis ist indiziert zur Second-Line-Therapie bei erwachsenen Patienten mit  Weichteilsarkomen, wenn die Standardtherapie mit Anthrazyklinen und Ifosfamid versagt beziehungsweise bei Patienten, für die diese Mittel sich nicht eignen.

 

In Kombination mit pegyliertem liposomalem Doxorubicin (PLD) ist Yondelis außerdem zur Behandlung von Patientinnen mit einem platinsensiblen Ovarialkarzinom zugelassen.

Wirkmechanismus

Trabectedin ist die synthetische Version eines Stoffes, den Forscher ursprünglich aus einer Seescheide (Ecteinascidia turbinata), einem zu den Manteltieren zählenden Meerestier, gewonnen haben. Der Wirkstoff bindet im Zellkern an die kleine Furche der DNA, sodass die Helix der großen Furche nachgibt. Diese Bindung triggert eine Kaskade von Ereignissen, die verschiedene Transkriptionsfaktoren, DNA-Bindungsproteine sowie DNA-Reparatur-Reaktionswege betreffen. Daraus resultiert eine Störung des Zellzyklus, was zum Absterben der Zelle führt.

Anwendungsweise und -hinweise

Für die Behandlung des Weichteilsarkoms beträgt die empfohlene Dosis 1,5 mg Trabectedin pro m2 Körperoberfläche. Das Arzneimittel wird alle drei Wochen als intravenöse Infusion über 24 Stunden appliziert.

 

Für die Behandlung des Ovarialkarzinoms beträgt die empfohlene Dosis 1,1 mg Trabectedin pro m2 Körperoberfläche. Das Arzneimittel wird alle drei Wochen als intravenöse Infusion über 3 Stunden unmittelbar nach PLD appliziert.

 

Um Erbrechen vorzubeugen und die Leber zu schonen, sollte 30 Minuten vor jeder Trabectedin-Infusion ein Corticosteroid, zum Beispiel 20 mg Dexamethason, infundiert werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Trabectedin wird vorwiegend über CYP-3A4 metabolisiert. Veränderte Plasmaspiegel bei gleichzeitiger Gabe starker CYP-3A4-Hemmer oder -Induktoren gelten daher als wahrscheinlich. Die Kombination mit CYP-3A4-Hemmern wie Ketoconazol, Ritonavir oder Aprepitant sowie mit CYP-3A4-Induktoren wie Rifampicin, Phenobarbital oder Johanniskraut sollte daher vermieden werden.

 

Trabectedin ist Substrat des Transporters P-gp. P-gp-Inhibitoren wie Cyclosporin oder Verapamil können die Verteilung und Elimination von Trabectedin verändern. Die Relevanz der Wechselwirkung (toxische Wirkung auf das Zentralnervensystem) ist allerdings bisher nicht gesichert. Die Kombination mit P-pg-Inhibitoren sollte daher unter Vorsicht erfolgen.

Nebenwirkungen

Bei mehr als 90 Prozent der Patienten ist davon auszugehen, dass Nebenwirkungen auftreten, bei etwa 40 Prozent vom Schweregrad 3 oder 4. Am Häufigsten kommt es unter Trabectedin zu Übelkeit, Erbrechen, Fatigue, Appetitlosigkeit, Neutropenie und erhöhten Spiegeln von Leberenzymen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit schweren oder unkontrollierten Infektionen, in der Stillzeit und in Kombination mit einer Gelbfiebervakzine darf Trabectidin nicht angewendet werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Es konnte gezeigt werden, dass Trabectedin eine antiproliferative Wirkung gegen eine Reihe humaner Tumorzelllinien und experimentelle Tumoren einschließlich Malignome wie Sarkom besitzt. Untersucht wurden seine Wirksamkeit und Sicherheit in einer randomisierten Studie mit 266 Patienten mit Liposarkom (von Fettzellen ausgehendes Sarkom) oder Leiomyosarkom (von Zellen der glatten beziehungsweise unwillkürlichen Muskulatur ausgehendes Sarkom), deren Erkrankung trotz Behandlung mit Anthrazyklinen und Ifosamid progredient verlief oder rezidivierte. In der Studie wurden zwei Dosierungsschemata verglichen: Eine Gruppe erhielt alle drei Wochen eine 24-stündige intravenöse Infusion in einer Dosis von 1,5 mg pro Quadratmeter Körperoberfläche. Die andere Gruppe erhielt dreimal pro Monat eine dreistündige Infusion mit der Dosis 0,58 mg pro Quadratmeter Körperoberfläche. Die einmalige Gabe alle drei Wochen war dem alternativen Dosierungsschema überlegen und wird demnach als Dosis empfohlen: Während es in der ersten Gruppe bis zur Progression der Erkrankung durchschnittlich 3,7 Monate dauerte, waren es in der zweiten Gruppe nur 2,3 Monate. Im Hinblick auf das mediane Gesamtüberleben (OS) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Mehr als 60 Prozent der Patienten der ersten Gruppe lebte noch nach einem Jahr. Im Mittel überlebten die Patienten knapp 14 Monate.

Besonderheiten

Yondelis ist im Kühlschrank (2–8 °C) zu lagern.
Nach der Zubereitung ist das Arzneimittel bei 25 °C für 30 Stunden chemisch und physikalisch stabil.
Yondelis ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Trabectedin

Trabectedin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

trabectedin.wrl

Weitere Hinweise

Gebärfähige Frauen müssen während der Behandlung mit Trabectedin und drei Monate nach deren Abschluss eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten. Während einer Schwangerschaft sollte Trabectedin nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist unbedingt erforderlich. Das Stillen ist während der Behandlung mit Trabectedin und bis drei Monate nach deren Abschluss kontraindiziert.

Letzte Aktualisierung: 30.11.2015