Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Nilotinib|Tasigna®|86|2008

Datenschutz bei der PZ
STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Nilotinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Tasigna®
HERSTELLER

Novartis Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/2008
DARREICHUNGSFORM

150 mg Hartkapseln
200 mg Hartkapseln

Indikationen

Tasigna ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit neu diagnostizierter Philadelphia-Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen Phase sowie in der Zweitlinien-Therapie bei erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom positiver CML in der chronischen und akzelerierten Phase, die auf eine Vorbehandlung mit Imatinib mit einer Resistenz oder Unverträglichkeit reagiert haben.

Wirkmechanismus

Nilotinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor. Das Enzym Abl-Tyrosinkinase wird von Leukämiezellen produziert und führt dazu, dass sich diese unkontrolliert vermehren. Es ist an der Krankheitsentstehung in hohem Maße beteiligt. Nilotinib hemmt die Aktivität dieser Kinase, indem es mit hoher Affinität und Selektivität die ATP-Bindungsstelle blockiert. Dadurch wird die Proliferation der Leukämiezellen gehemmt.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Tagesdosis beträgt zweimal 300 mg Nilotinib bei Patienten mit neu diagnostizierter CML in der chronischen Phase und 400 mg bei Patienten mit CML in der chronischen oder akzelerierten Phase, die auf eine Vorbehandlung mit Imatinib mit einer Resistenz oder Unverträglichkeit reagiert haben. Die Behandlung sollte solange fortgesetzt werden, wie der Patient daraus einen therapeutischen Nutzen zieht. Im Falle von Nebenwirkungen, die das Blutbild beeinträchtigen wie Neutropenie und Thrombozytopenie, muss die Dosis verringert beziehungsweise die Behandlung gegebenenfalls unterbrochen werden. Patienten sollten die zwei Dosen in einem Abstand von zwölf Stunden einnehmen. Zwei Stunden vor und eine Stunde nach Einnahme sollten Patienten nichts essen, da Nahrungsaufnahme die Bioverfügbarkeit von Nilotinib erhöhen kann.

Wichtige Wechselwirkungen

Starke CYP-3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol, Moxifloxacin, Clarithromycin, Telithromycin, Ritonavir sowie Grapefruitsaft können die Serumkonzentration von Nilotonib erhöhen. Die Kombination mit diesen Substanzen ist daher nicht empfehlenswert. Gleiches gilt für CYP-3A4-Induktoren wie Johanniskraut, Carbamazepin, Phenytoin und Rifampicin,  die die Serumkonzentration von Nilotinib senken können. Zudem besitzt Nilotinib eine pH-Wert abhängige Löslichkeit. Stoffe, die die den pH-Wert des Magens erhöhen, wie Antazida, H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer sollten deshalb nicht gleichzeitig mit Nilotinib eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Nilotinib beziehen sich auf das Blutbild. So kann die Zahl der roten und weißen Blutkörperchen (Anämie beziehungsweise Neutropenie) sowie der Blutplättchen (Thrombozytopenie) verringert sein. Zudem zählen Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Ausschlag und Juckreiz, Müdigkeit sowie erhöhte Lipase-Blutspiegel zu den häufigsten Nebenwirkungen unter Nilotinib.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Nilotinib wurde eine Verlängerung des QT-Intervalls beobachtet. Vorsicht geboten ist daher bei Patienten, bei denen eine Verlängerung der QT-Zeit bereits vorliegt beziehungsweise bei Patienten, die Wirkstoffe einnehmen, die die QT-Zeit verlängern. Dazu zählen Antiarrhythmika wie Amiodaron, Chinidin und Sotalol, aber auch andere Wirkstoffe wie Haloperidol, Clarithromycin und Chloroquin.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit von Nilotinib wurde in zwei Studien mit insgesamt 439 CML-Patienten untersucht, die Imatinib nicht vertrugen oder darauf nicht mehr ansprachen.  Eine Studie umfasste 320 Patienten in der chronischen Phase. Als primärer Endpunkt galt die gute zytogenetische Remission, das heißt der Anteil der weißen Blutkörperchen der Patienten, die das Philadelphia-Chromosom enthielten, sank bei knapp der Hälfte der Patienten auf unter 35 Prozent. In eine zweite Studie waren 119 Patienten eingeschlossen, deren Erkrankung in die akzelerierte Phase eingetreten war. Hauptindikator für die Wirksamkeit war der Anteil der Patienten, die eine hämatologische Remission, das heißt einen Rückgang auf die normale Anzahl weißer Blutkörperchen, zeigten. Dieses Ziel erreichten 50 der 119 Patienten (42 Prozent).

Hintergrundinfos

Chronisch myeloische Leukämie: Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist die zweithäufigste Form der chronischen Leukämien. Sie geht mit einer starken Vermehrung von weißen Blutkörperchen, insbesondere von Granulozyten und ihrer Vorstufen im Blut und blutbildenden Knochenmark einher, und ist in der Anfangsphase häufig symptomlos. Die CML verläuft klassischerweise in drei Krankheitsphasen. In der ersten (chronische Phase) expandiert die granulozytäre Zellpopulation, weist aber noch die Fähigkeit zur Differenzierung auf. Die meisten Fälle werden in dieser Phase diagnostiziert. Danach geht die Erkrankung in ein Zwischenstadium, die beschleunigte oder akzelerierte Phase, über. Sie ist zum Beispiel durch zunehmende Blutarmut, Mangel an Blutplättchen und eine zunehmende Milzschwellung gekennzeichnet. Die dritte Phase, die Blastenphase, ist durch massive Vermehrung der Leukozyten charakterisiert. Die Erkrankung ändert ihren Charakter von einem chronischen, eher langsamen Verlauf zu einem Verlauf, der dem einer akuten Leukämie entspricht. Unbehandelt versterben die Patienten meist innerhalb weniger Wochen.

Besonderheiten

Tasigna ist bei Temperaturen nicht über 30 °C zu lagern.
Tasigna ist in der Originalverpackung aufzubewahren, um das Arzneimittel vor Feuchtigkeit zu schützen.
Tasigna ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Nilotinib

Nilotinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

nilotinib_01.wrl

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu zwei Wochen nach Abschluss der Behandlung mit Tasigna eine Schwangerschaft sehr sicher verhüten.

 

In der Schwangerschaft darf Tasigna nur angewendet werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Die werdende Mutter muss dann über mögliche Risiken für das Ungeborene aufgeklärt werden. Da ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden kann, soll Tasigna während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Letzte Aktualisierung: 02.11.2015