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ARZNEISTOFFE

Daratumumab|Darzalex®|86|2016

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Daratumumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Darzalex®
HERSTELLER

Janssen-Cilag

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2016
DARREICHUNGSFORM

20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Darzalex ist zugelassen für die Behandlung des Multiplen Myeloms. Es darf als Monotherapie bei Erwachsenen angewendet werden, deren Erkrankung nach einer Behandlung mit einem Proteasom-Inhibitor und einem Immunmodulator weiter fortschreitet.

Wirkmechanismus

Angriffsziel von Daratumumab ist das Protein CD38, das auf der Oberfläche von Myelomzellen über alle Tumorstadien hinweg überexprimiert wird. CD38 ist an zahlreichen Prozessen wie der Zelladhäsion und Signalweiterleitung beteiligt, die für die Proliferation und das Überleben maligner Zellen wichtig sind. Hingegen wurde auf hämatopoetischen Stammzellen eine verhältnismäßig geringe bis keine Expression von CD38 festgestellt. Daratumumab bindet an CD38 und induziert durch direkte und indirekte Mechanismen den Tumorzelltod.

Anwendungsweise und -hinweise

Darzalex wird intravenös verabreicht. Die empfohlene Dosis beträgt 16 mg/kg KG, die in den ersten acht Wochen einmal pro Woche gegeben wird. Ab Woche 9 wird es alle zwei Wochen und ab Woche 25 alle vier Wochen verabreicht. Die Behandlung wird so lange fortgesetzt, wie der Patient einen Nutzen davon hat.

Wichtige Wechselwirkungen

Anti-CD38-Antikörper wie Daratumumab können bei bestimmten Blutuntersuchungen, zum Beispiel beim indirekten Coombs-Test, falsch positive Resultate generieren. Hintergrund ist, dass CD38 auch schwach auf Erythrozyten exprimiert wird. Dieses Phänomen kann bis zu sechs Monate nach der letzten Daratumumab-Infusion auftreten.

Nebenwirkungen

Knapp die Hälfte der in Studien mit Daratumumab behandelten Patienten (48 Prozent) berichtete über infusionsbedingte Reaktionen, die vor allem bei der ersten Infusion auftraten (95 Prozent). Sie äußerten sich als verstopfte Nase, Reizungen des Hals- und Rachenraums, Larynxödem, Husten, Dyspnoe, Frösteln und Übelkeit. Zur ihrer Vermeidung sollen die Patienten vorab eine Prämedikation mit Antihistaminika, Antipyretika und Corticoiden erhalten. Beim Auftreten infusionsbedingter Reaktionen jeglichen Schweregrades soll die Infusion unterbrochen und bei potenzieller Fortführung der Therapie die Infusionsgeschwindigkeit gesenkt werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Darzalex basiert auf der offenen Phase-I/II-Studie GEN5012 und der offenen Phase-II-Studie SIRIUS. An diesen nahmen insgesamt 148 Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplem Myelom teil, die bereits mehrere Vortherapien erhalten hatten und deren Erkrankung bei der Aufnahme in die jeweilige Studie progredient war. Die Probanden erhielten Daratumumab als Monotherapie jeweils in einer Dosierung von 16 mg/kg KG. Die kombinierte Analyse beider Studien ergab eine Gesamtansprechrate von 31 Prozent, wobei 8,8 Prozent der Patienten sehr gut ansprachen. Vier Patienten erreichten ein komplettes Ansprechen und drei Patienten ein stringentes komplettes Ansprechen. 83 Prozent der Patienten erreichten ein Nicht-Fortschreiten der Erkrankung (Stable Disease) oder besser. Das geschätzte durchschnittliche Gesamtüberleben betrug 20,1 Monate nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 20,7 Monaten.

Besonderheiten

Darzalex ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie vor Licht geschützt (Originalverpackung) zu lagern; es darf nicht einfrieren.

Darzalex ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis drei Monate nach Ende der Behandlung zuverlässig verhüten. Schwangere dürfen den neuen Antikörper nicht erhalten, es sei denn, der Nutzen für die Frau überwiegt die Risiken für den Fetus. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Daratumumab zu unterbrechen ist. Dabei sind sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.

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Letzte Aktualisierung: 11.07.2016