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ARZNEISTOFFE

Ixazomib|Ninlaro®|86|2017

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Ixazomib
FERTIGARZNEIMITTEL
Ninlaro®
HERSTELLER

Takeda

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/2017
DARREICHUNGSFORM

2,3 mg Hartkapseln

3 mg Hartkapseln

4 mg Hartkapseln

Indikationen

Ninlaro ist zugelassen zur Behandlung von vorbehandelten erwachsenen Patienten mit multiplem Myelom. Es wird dabei stets mit Lenalidomid (Revlimid®) und Dexamethason kombiniert.

Wirkmechanismus

Ixazomib ist ein Proteasom-Inhibitor und der erste oral verfügbare Wirkstoff dieser Klasse.

 

Ixazomib bindet selektiv und reversibel an die β-5-Untereinheit des 20S-Proteasoms und verhindert so, dass dieser Komplex nicht mehr benötigte oder auch fehlerhafte Proteine abbaut. In Tumorzellen kommt es dadurch zur Apoptose, wobei sich die zytotoxischen Wirkungen von Ixazomib und Lenalidomid auf Myelomzellen offenbar gegenseitig verstärken.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Therapie mit Ninlaro erfolgt in einem 28-Tage-Schema. Die Patienten nehmen an den Tagen 1, 8 und 15 jeweils eine Kapsel Ixazomib ein; Lenalidomid und Dexamethason folgen anderen Einnahmerhythmen.

 

Die empfohlene Dosis Ixazomib beträgt 4 mg wöchentlich, die niedriger dosierten Kapseln sind für Patienten mit mäßiger oder schwerer Leberfunktionsstörung oder schwerer Nierenfunktionsstörung bestimmt. Auch einige Nebenwirkungen, zum Beispiel Veränderungen des Blutbilds oder Hautausschlag, können eine Dosisreduktion erforderlich machen. Genaue Anweisungen dazu enthält die Fachinformation. Fettreiche Nahrung behindert die Resorption von Ixazomib. Deshalb soll die Kapsel an den Einnahmetagen spätestens eine Stunde vor oder frühestens zwei Stunden nach einer Mahlzeit geschluckt werden, und zwar möglichst immer zur gleichen Tageszeit. Die Kapsel ist als Ganzes mit Wasser einzunehmen, sie darf nicht zerkaut, geöffnet oder zerbrochen werden.

 

Bei Erbrechen nach der Einnahme soll diese nicht wiederholt, sondern erst beim nächsten geplanten Zeitpunkt fortgesetzt werden. Eine vergessene oder verpasste Dosis soll nur dann nachgeholt werden, wenn der Zeitraum bis zur nächsten geplanten Einnahme mehr als 72 Stunden beträgt.

 

Die Therapie wird so lange fortgesetzt, bis es zur Krankheitsprogression kommt oder eine inakzeptable Toxizität auftritt. Begleitend sollten eine Thromboseprophylaxe erfolgen sowie unter Umständen Virustatika gegeben werden, um der Reaktivierung einer Herpes-zoster-Infektion vorzubeugen.

 

Die Blutwerte müssen regelmäßig, mindestens einmal monatlich kontrolliert werden. Ein neuer Behandlungszyklus darf nur begonnen werden, wenn die Neutrophilen- und Thrombozytenzahlen über bestimmten Grenzwerten liegen und andere Toxizitäten sich nach dem Ermessen des Arztes auf den Zustand zu Behandlungsbeginn oder höchstens den Schweregrad 1 erholt haben.

Wichtige Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A4-Induktoren kann die Wirksamkeit von Ixazomib reduziert sein und muss deshalb engmaschig überwacht werden. Inhibitoren von CYP3A4 oder anderen CYP-Isoenzymen haben dagegen kaum Einfluss auf die Bioverfügbarkeit von Ixazomib. Ixazomib selbst führt zu keiner Induktion oder Inhibition von CYP-Enzymen.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen, die im Rahmen von Studien im Ixazomib-Arm vermehrt auftraten, waren Diarrhö, Verstopfung, Thrombozytopenie, periphere Neuropathie, Übelkeit, periphere Ödeme, Erbrechen und Rückenschmerzen. Insgesamt war aber die Lebensqualität, bestimmt anhand diverser Scores, in beiden Behandlungsarmen ähnlich.

Als Nebenwirkungen, auf die besonders zu achten ist, nennt die Fachinformation Thrombozytopenie, gastrointestinale Toxizitäten, periphere Neuropathie, peripheres Ödem, Hautreaktionen, Hepatotoxizität und das posteriore reversible Enzephalopathie-Syndrom (PRES). Dabei handelt es sich um eine seltene reversible neurologische Störung, die sich mit epileptischen Anfällen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Bewusstseinsveränderungen und Sehstörungen äußern kann. Bei einem PRES ist die Ixazomib-Therapie abzubrechen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Als Beleg der Wirksamkeit und Sicherheit von Ninlaro diente die randomisierte, doppelblinde, multizentrische Phase-III-Studie C16010. Darin erhielten 722 mindestens einmal vorbehandelte Patienten mit rezidivierter und/oder refraktärer Erkrankung Lenalidomid/Dexamethason plus entweder Ixazomib oder Placebo. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug im Ixazomib-Arm 20,6 Monate und war damit knapp sechs Monate länger als im Vergleichsarm (14,7 Monate). Auf die Ixazomib-haltige Kombinationstherapie sprachen insgesamt 78,3 Prozent der Patienten an, auf die Ixazomib-freie 71,5 Prozent.

Besonderheiten

Ninlaro ist bei Temperaturen nicht über 30 °C zu lagern und darf nicht einfrieren.

Ninlaro ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Ixazomib

Ixazomib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Ixazomib.wrl

Weitere Hinweise

Frauen dürfen während der Behandlung mit Ixazomib keinesfalls schwanger werden. Darauf weist die Fachinformation sogar dreimal hin. Die Nachdrücklichkeit ist verständlich, denn nicht nur Ixazomib selbst, sondern auch sein Kombinationspartner, der Thalidomid-Abkömmling Lenalidomid, stellt eine Gefahr für den Fetus dar. Deshalb müssen Frauen und Männer im reproduktiven Alter während der Therapie und bis 90 Tage danach sicher verhüten. Auf die Pille allein dürfen sie sich dabei nicht verlassen, sondern müssen zusätzlich eine Barrieremethode anwenden. Auch das Stillen ist für die Dauer der Therapie untersagt.

Packshot

Vorläufige Bewertung

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Letzte Aktualisierung: 30.04.2019