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ARZNEISTOFFE

Alectinib|Alecensa®|86|2017

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Alectinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Alecensa®
HERSTELLER

Roche

MARKTEINFÜHRUNG (D)
05/2017
DARREICHUNGSFORM

150 mg Hartkapseln

Indikationen

Alecensa ist zugelassen als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit ALK-positivem nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC), wenn die Erkrankung fortgeschritten ist und die Patienten zuvor bereits mit Crizotinib behandelt wurden. Für die First-Line-Behandlung ist das neue Präparat vorerst nicht zugelassen.

 

Die anaplastische Lymphomkinase (ALK) ist eine Rezeptor-Tyrosinkinase, die zur Familie der Insulin-Rezeptoren gehört und unter physiologischen Bedingungen eine Rolle bei der Entwicklung von Zellen des ZNS spielt. Bei circa 3 bis 5 Prozent der Patienten mit einem nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) wird aufgrund einer Genumlagerung ALK übermäßig aktiviert. Hieraus resultiert eine starke Induktion nachgeschalteter Signalwege, die Zellproliferation und -überleben steuern.

Wirkmechanismus

Der Tyrosinkinasehemmer Alectinib bindet an die ATP-Bindungsstelle der anaplastischen Lymphomkinase  (ALK) und verhindert damit die Bindung von ATP. Dadurch werden die Autophosphorylierung der ALK-Kinase-Domäne und die nachfolgenden zellulären Signalkaskaden unterbunden. Der überaktivierte Signalweg für das Zellüberleben wird blockiert, sodass es wieder zu vermehrtem programmiertem Zelltod kommt. Zudem wird die Proliferation der Tumorzellen gehemmt.

Anwendungsweise und -hinweise

Vor Beginn einer Therapie mit Alectinib muss ein ALK-positiver Status des nicht kleinzelligen Bronchialkarzinoms nachgewiesen sein.

 

Die empfohlene Dosierung beträgt vier Kapseln à 150 mg Alectinib zweimal täglich, die die Patienten zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen sollten. Wenn eine geplante Dosis versäumt wurde, können die Patienten diese Dosis nachholen, es sei denn, die nächste ist innerhalb der kommenden sechs Stunden einzunehmen. Bei Auftreten von Nebenwirkungen kann der Arzt die Dosis reduzieren oder die Behandlung vorübergehend aussetzen.

 

Die Anwendung von Alecensa bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Leberfunktionsstörung wird nicht empfohlen. Vor Behandlungsbeginn und unter Therapie mit Alectinib sollte der Arzt regelmäßig die Leberfunktion des Patienten überprüfen. Grundsätzlich sind Patienten auch hinsichtlich pulmonaler Symptome, die auf eine Pneumonie hinweisen, zu überwachen.

 

Apotheker können bei der Abgabe von Alecensa den Hinweis geben, während der Anwendung und noch mindestens sieben Tage danach auf längere Sonnenbäder zu verzichten und eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor aufzutragen, da unter dem neuen Kinasehemmer über Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht berichtet wurde.

Wichtige Wechselwirkungen

Laut Fachinformation wird bei Patienten, die gleichzeitig starke CYP3A-Induktoren oder -Inhibitoren einnehmen, eine angemessene Überwachung empfohlen. Im Unterschied zu den ALK-Hemmern Crizotinib und Ceritinib ist Alectinib kein Substrat des P-Glykoprotein-Effluxtransporters der Blut-Hirn-Schranke und wird daher nicht aktiv aus dem ZNS ausgeschleust. Dies ist möglicherweise der Grund für die höhere Wirksamkeit von Alectinib bei Hirnmetastasen.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten registrierten Nebenwirkungen in Studien zu Alectinib waren Obstipation (36 Prozent), Ödeme (34 Prozent), Myalgien (31 Prozent) und Übelkeit (22 Prozent). Wegen der möglichen Myalgie sollten Patienten den Hinweis bekommen, über unerklärliche Muskelschmerzen, Druckempfindlichkeit oder Schwächegefühl zu berichten.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Alecensa basiert auf den Ergebnissen von zwei offenen und einarmigen Phase-II-Studien zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit von Alectinib bei Patienten mit ALK-positivem nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom und Krankheitsprogression unter Crizotinib. Die Patienten erhielten zweimal täglich 600 mg Alectinib. Für die gepoolte Analyse der beiden Studien wurden die Daten von insgesamt 189 Patienten ausgewertet. 23 Prozent wurden zuvor ausschließlich mit Crizotinib behandelt, der Rest hatte zusätzlich auch eine Chemotherapie vorab erhalten. 60 Prozent der Patienten wiesen zu Studienbeginn ZNS-Metastasen auf.Die Gesamtansprechrate betrug 51 Prozent, die mediane Dauer des Ansprechens knapp 15 Monate und das mediane progressionsfreie Überleben 8,3 Monate. Hervorzuheben ist, dass die intrakranielle Ansprechrate bei Patienten mit Hirnmetastasen bei 64 Prozent lag. 22 Prozent der Patienten erreichten dabei eine Komplettremission der Hirnmetastasen.

Besonderheiten

Alecensa ist in der Originalverpackung aufzubewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

Alecensa ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Alectinib

Alectinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Alectinib.wrl

Weitere Hinweise

Patientinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Alecensa und für mindestens drei Monate nach der letzten Dosis hoch wirksame Verhütungsmethoden anwenden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Aufgrund seines Wirkmechanismus kann Alectinib bei Verabreichung an Schwangere den Fetus schädigen. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Patientinnen, die während der Anwendung oder bis zu drei Monate nach der letzten Dosis von Alecensa schwanger werden, müssen ihren Arzt kontaktieren und auf die potenzielle Schädigung des Fetus hingewiesen werden. Ferner ist nicht bekannt, ob Alectinib und seine Metabolite in die Muttermilch übertreten. Ein Risiko für das Kind lässt sich nicht ausschließen. Während der Behandlung mit Alecensa sollten Frauen deshalb nicht stillen.

Packshot

Vorläufige Bewertung

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Letzte Aktualisierung: 01.06.2017