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ARZNEISTOFFE

Lenvatinib|Lenvima®|86|2015

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Lenvatinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Lenvima®
HERSTELLER

Eisai

MARKTEINFÜHRUNG (D)
07/2015
DARREICHUNGSFORM

4 mg Hartkapseln

10 mg Hartkapseln

Indikationen

Lenvima ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit progressivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem differenzierten (papillärem/follikulärem/Hürthle-Zell-)Schilddrüsenkarzinom (DTC), das nicht auf eine Radioiodtherapie (RAI) angesprochen hat.

Wirkmechanismus

Lenvatinib ist ein Multikinase-Inhibitor. Es hemmt selektiv die Kinaseaktivitäten der Rezeptoren des vaskulären Endothelwachstumsfaktors VEGFR 1 bis 3, des Fibroblasten-Wachstumsfaktors FGFR 1 bis 4 sowie des Blutplättchen-Wachstumsfaktors PDGFRα, KIT und RET.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von 24 mg Lenvatinib soll einmal täglich jeweils zur gleichen Tageszeit mit einer Mahlzeit oder unabhängig davon eingenommen werden. Die Kapseln sollen unzerkaut und mit etwas Wasser geschluckt werden. Pflegekräfte sollten die Kapseln nicht öffnen, um den Kontakt mit dem Kapselinhalt zu vermeiden. Hat der Patient eine Dosis vergessen, soll diese innerhalb von zwölf Stunden nachgeholt werden, danach ist bis zum nächsten regulären Einnahmezeitpunkt zu warten und die vergessene Dosis auszulassen. Die Behandlung mit Lenvatinib soll so lange fortgesetzt werden, wie ein klinischer Nutzen zu beobachten ist oder bis eine nicht akzeptable Toxizität auftritt.

 

Ältere Patienten ab 75 Jahren, mit asiatischer Abstammung oder mit einem Körpergewicht unter 60 kg scheinen Lenvatinib schlechter zu vertragen als andere. Dennoch soll auch bei ihnen die Behandlung mit 24 mg täglich begonnen und die Dosis gegebenenfalls angepasst werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Lenvatinib ist ein Substrat für P-GP und BCRP, hemmt diese Transportproteine aber nur minimal. Der Metabolismus findet überwiegend über CYP3A4, aber auch über andere Stoffwechselwege statt. Induktion oder Inhibition von CYP3A4 wirken sich daher nur sehr wenig auf den Wirkstoffspiegel aus. Eine Hemmung von CYP3A4 durch Lenvatinib kann nicht ausgeschlossen werden, was bei gleichzeitiger Einnahme von Substraten dieses Enzyms mit enger therapeutischer Breite berücksichtigt werden muss. Möglicherweise kann Lenvatinib die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva herabsetzen.

Nebenwirkungen

In Studien kam es unter Lenvatinib sehr häufig, also bei mindestens einem von zehn Patienten unter anderem zu Harnwegsinfektionen, Thrombozytopenie, Insomnie, Schwindel, Kopfschmerz gastrointestinalen Beschwerden, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Hand-Fuß-Syndrom, Muskel- und Knochenschmerzen und Proteinurie.

 

Lenvatinib kann – in der Regel innerhalb einiger Wochen – Bluthochdruck auslösen. Der Grund dafür ist vermutlich die Hemmung von VEGFR 2 in den Endothelzellen der Blutgefäße. Daher sollte der Blutdruck von Patienten mit bekannter Hypertonie vor dem Therapiestart gut eingestellt sein. Bei allen Patienten ist der Blutdruck nach der ersten Behandlungswoche, anschließend in den ersten zwei Monaten alle zwei Wochen und dann monatlich zu kontrollieren. Steigt er auf Werte ab 140 mmHg systolisch oder ab 90 mmHg diastolisch, soll eine antihypertensive Therapie begonnen und die Einnahme von Lenvatinib dabei fortgesetzt werden. Weiter steigende Blutdruckwerte können eine Intensivierung der antihypertensiven Therapie, ein vorübergehendes Absetzen oder eine Dosisreduktion von Lenvatinib erforderlich machen.

 

Dies kann auch aufgrund anderer möglicher Nebenwirkungen notwendig werden: Proteinurie, Nierenfunktionsstörung, Herzinsuffizienz, Blutungen, gastrointestinale Perforationen oder Fisteln sowie das posteriore reversible Enzephalopathiesyndrom (PRES). Dabei handelt es sich um eine neurologische Störung, die mit Kopfschmerzen, Krampfanfällen, Verwirrtheit, Lethargie und Sehstörungen bis hin zur Blindheit einhergehen kann. Aufgrund der potenziellen Hepatotoxizität müssen die Leberfunktionswerte vor dem Start einer Therapie mit Lenvatinib, in den ersten zwei Monaten in 14-tägigem Abstand und danach monatlich kontrolliert werden. Bei auffälligen Werten ist die Behandlung zu unterbrechen, abzusetzen beziehungsweise in ihrer Dosis zu reduzieren.

 

Aufgrund der möglichen Gefahr von arteriellen Thromboembolien wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sollte Lenvatinib bei Patienten, die innerhalb der vergangenen sechs Monate ein solches Ereignis erlitten haben, mit Vorsicht angewendet werden. Zudem sollten bei allen Patienten regelmäßige EKG-Kontrollen erfolgen und die Elektrolytwerte überwacht werden, da eine Verlängerung der QT-Zeit unter Lenvatinib in Studien häufiger vorkam als unter Placebo. Lenvatinib stört die exogene Schilddrüsensuppression. Bei Patienten unter Schilddrüsenhormontherapie muss daher der TSH-Spiegel regelmäßig kontrolliert und die Hormondosis angepasst werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Lenvima ist während der Stillzeit und bei Kindern unter zwei Jahren kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Ausschlaggebend für die Zulassung von Lenvima war die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte SELECT-Studie mit 392 Teilnehmern. Darin verlängerte Lenvatinib das mediane progressionsfreie Überleben signifikant von 3,6 auf 18,3 Monate. Sekundäre Endpunkte waren die Gesamtansprechrate und das Gesamtüberleben. Die Analyse von Letzterem wurde durch die Tatsache verfälscht, dass Patienten aus dem Placebo-Arm bei Fortschreiten der Erkrankung auf Wunsch mit Lenvatinib weiterbehandelt werden konnten. Das mediane Gesamtüberleben ist noch nicht erreicht. Die objektive Ansprechrate war mit 4 versus 0 kompletten Remissionen und 165 versus 2 partiellen Remissionen (63,2 Prozent versus 1,5 Prozent) unter Lenvatinib signifikant höher als unter Placebo.

Besonderheiten

Lenvima ist bei Temperaturen nicht über 25 °C sowie im Originalblister aufzubewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

Lenvima ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Lenvatinib

Lenvatinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Lenvatinib.wrl

Weitere Hinweise

Gebärfähige Frauen sollten während der Behandlung mit Lenvima und bis mindestens einen Monat danach möglichst nicht schwanger werden. Um das zu verhindern, sollten sie eine Barrieremethode anwenden. In der Schwangerschaft darf Lenvatinib nicht angewendet werden, wenn es nicht eindeutig erforderlich ist. Bei der Entscheidung für oder gegen die Behandlung ist der Nutzen für die Mutter gegen das Risiko für das Kind sorgfältig abzuwägen. Während der Behandlung mit Lenvima ist das Stillen kontraindiziert.

Letzte Aktualisierung: 29.04.2016