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ARZNEISTOFFE

Ponatinib|Iclusig®|86|2013

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Ponatinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Iclusig®
HERSTELLER

Incyte

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2013
DARREICHUNGSFORM

15 mg Filmtabletten

45 mg Filmtabletten

Indikationen

Iclusig ist indiziert bei erwachsenen Patienten mit chronisch-myeloischer Leukämie (CML) in der chronischen Phase, akzelerierten Phase oder Blastenkrise, die behandlungsresistent gegenüber Dasatinib beziehungsweise Nilotinib sind, die diese beiden Wirkstoffe nicht vertragen und bei denen eine anschließende Behandlung mit Imatinib klinisch nicht geeignet ist, oder bei denen eine sogenannte T315I-Mutation vorliegt. Zudem ist Ponatinib zugelassen bei Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver akuter Lymphoblastenleukämie (Ph+ ALL), die behandlungsresistent gegenüber Dasatinib sind, die Dasatinib nicht vertragen und bei denen eine anschließende Behandlung mit Imatinib klinisch nicht geeignet ist, oder bei denen eine T315I-Mutation vorliegt.

Wirkmechanismus

Der Tyrosinkinase-Inhibitor Ponatinib hemmt die pathologisch veränderte Bcr-Abl-Kinase. Dadurch werden Wachstum und Ausbreitung der Leukämiezellen gedrosselt.

Anwendungsweise und -hinweise

Es wird eine tägliche orale Dosis von 45 mg Ponatinib empfohlen. Die Behandlung sollte fortgesetzt werden, solange der Patient keine Anzeichen einer Krankheitsprogression oder inakzeptablen Toxizität zeigt.

Wichtige Wechselwirkungen

Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Ponatinib zusammen mit mittelstarken und starken CYP3A4-Inhibitoren beziehungsweise -Induktoren. Gleiches gilt bei der gleichzeitigen Anwendung von Ponatinib mit Arzneimitteln, die den pH-Wert im Magen erhöhen, zum Beispiel Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker oder Antacida, da diese die Löslichkeit von Ponatinib herabsetzen und dadurch dessen Bioverfügbarkeit beeinträchtigen können. In der Fachinformation werden ferner einige Wirkstoffe genannt, deren Serumkonzentration durch Ponatinib verändert werden kann. Dazu zählen Digoxin, Dabigatran, Colchicin, Pravastatin, Methotrexat, Rosuvastatin und Sulfasalazin.

Nebenwirkungen

Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen im Rahmen der Zulassungsstudien zu Iclusig waren Pankreatitis (5 Prozent), Bauchschmerzen (4 Prozent), Pyrexie (3 Prozent), Anämie (3 Prozent), febrile Neutropenie (3 Prozent), Thrombozytopenie (3 Prozent), Myokardinfarkt (3 Prozent), Durchfall (2 Prozent), erhöhte Lipasewerte (1 Prozent), verminderte Neutrophilenzahl (1 Prozent) und Panzytopenie (1 Prozent). Die insgesamt häufigsten Nebenwirkungen (≥ 20 Prozent) waren eine verminderte Thrombozytenzahl, Hautausschlag, Trockenheit der Haut und Bauchschmerzen. Die europäische Zulassungsagentur EMA kommt in Bezug auf die Sicherheit zu dem Schluss, dass die Nebenwirkungen von Ponatinib weitgehend den Nebenwirkungen anderer Tyrosinkinase-Hemmer ähneln und in den meisten Fällen mit einer Dosisreduktion oder einer Dosisverzögerung beherrschbar sind.

 

Da die Behandlung mit Ponatinib mit schweren Thrombozytopenien, Neutropenien und Anämien assoziiert ist, ist es wichtig, dass der Arzt in den ersten drei Monaten alle zwei Wochen ein großes Blutbild anfertigen lässt, um eine mögliche Schädigung des Knochenmarks schnell zu erkennen. Im weiteren Verlauf der Behandlung sollte in monatlichen Abständen oder wenn dies klinisch indiziert erscheint ein Blutbild erstellt werden.

 

Darüber hinaus sind unter Ponatinib in regelmäßigen Abständen die Serumlipase-Werte zu kontrollieren, da der Wirkstoff mit dem Auftreten einer Pankreatitis assoziiert ist. Auch Leberfunktionstests können notwendig sein. Generell gilt, dass Patienten mit Leberfunktionseinschränkungen jeglicher Ausprägung nur unter Vorsicht mit Ponatinib behandelt werden sollten. Bei Nierenfunktionsstörungen sieht es anders aus. Vorsicht ist nur geboten bei Patienten mit einer Creatinin-Clearance von weniger als 50 ml/min oder terminalem Nierenversagen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Ponatinib wurde in einer offenen, einarmigen Multicenterstudie mit rund 450 Patienten mit CML oder Ph+ ALL untersucht, welche die Behandlung mit Dasatinib oder Nilotinib nicht vertrugen beziehungsweise behandlungsresistent waren oder eine T315I-Mutation aufwiesen. Alle Patienten erhielten einmal täglich 45 mg Ponatinib. Zur Behandlung von Toxizitäten waren Dosisanpassungen auf 30 mg oder 15 mg einmal täglich erlaubt. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt bei CML-Patienten in der chronischen Phase war ein »gutes zytogenetisches Ansprechen«, was ein komplettes und partielles zytogenetisches Ansprechen beinhaltete. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt bei CML-Patienten der akzelerierten Phase und der Blastenkrise sowie bei Ph+ ALL-Patienten war ein gutes hämatologisches Ansprechen, definiert entweder als komplettes hämatologisches Ansprechen oder fehlende Anzeichen einer Leukämie. Die Studie ergab, dass die Ponatinib-Behandlung in allen Patientengruppen zu klinisch relevanten Ansprechraten führte. 54 Prozent der CML-Patienten in der chronischen Phase zeigten ein gutes zytogenetisches Ansprechen. 58 beziehungsweise 31 Prozent der CML-Patienten in der akzelerierten Phase beziehungsweise in der Blastenkrise zeigten ein gutes hämatologisches Ansprechen. Bei den Patienten mit Ph+ ALL waren es 41 Prozent. Zum Zeitpunkt der Auswertung waren die Patienten mindestens sechs Monate nachbeobachtet worden, die mediane Nachbeobachtungszeit betrug zehn Monate.

Besonderheiten

Iclusig ist im Originalbehältnis aufzubewahren, um das Arzneimittel vor Licht zu schützen.
Iclusig ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Ponatinib

Ponatinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Ponatinib.wrl

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Ponatinib nicht schwanger werden. Männer sollten dazu angehalten werden, während der Behandlung kein Kind zu zeugen. Während der Schwangerschaft sollte der Tyrosinkinase-Inhibitor nur dann angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist. Das Stillen sollten Frauen während der Behandlung mit Ponatinib unterbrechen.

Letzte Aktualisierung: 14.10.2016

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