Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Carfilzomib|Kyprolis®|86|2015

STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Carfilzomib
FERTIGARZNEIMITTEL
Kyprolis®
HERSTELLER

Amgen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2015
DARREICHUNGSFORM

60 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung 

Indikationen

Kyprolis ist in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit multiplem Myelom indiziert, die mindestens eine vorangegangene Therapie erhalten haben.

Wirkmechanismus

Carfilzomib ist der erste irreversible Proteasominhibitor, der in der EU als Kombinationstherapie für das rezidivierte multiple Myelom zugelassen worden ist.

Proteasomen spielen bei Zellfunktion und -wachstum eine wichtige Rolle, indem sie beschädigte oder nicht mehr benötigte Proteine abbauen. Carfilzomib blockiert Proteasomen, was zu einer gesteigerten Ansammlung von Proteinen innerhalb der Zelle führt. In einigen Zellen kann Carfilzomib den Zelltod hervorrufen, insbesondere bei Myelomzellen, weil bei diesen die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine größere Zahl an anormalen Proteinen enthalten, größer ist. Die irreversible Bindung durch Carfilzomib zeigt zudem eine anhaltende Hemmung der anvisierten Zielstrukturen.

 

Anwendungsweise und -hinweise

Kyprolis wird als zehnminütige intravenöse Infusion an jeweils zwei aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche über drei Wochen (Tage 1, 2, 8, 9, 15 und 16) gefolgt von einer zwölftägigen Pause (Tage 17 bis 28) angewendet. Jede Periode von 28 Tagen entspricht einem Behandlungszyklus.

 

Kyprolis wird mit einer Anfangsdosis von 20 mg/m2 (maximale Dosis von 44 mg) in Zyklus 1 an den Tagen 1 und 2 angewendet. Sofern dies toleriert wird, sollte die Dosis an Tag 8 von Zyklus 1 auf 27 mg/m2 (maximale Dosis von 60 mg) erhöht werden.

 

Die Behandlung kann bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten von unzumutbaren Toxizitäten fortgeführt werden. Eine über 18 Zyklen hinausgehende Behandlung mit Kyprolis in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason sollte auf Basis einer individuellen Nutzen-Risiko-Bewertung erfolgen, da die Daten zur Verträglichkeit und Toxizität über mehr als 18 Zyklen hinaus limitiert sind.

 

Wenn sich die Erkrankung verschlechtert oder beim Patienten schwere Nebenwirkungen, zum Beispiel hämatologische Toxizitäten, auftreten, muss die Behandlung unter Umständen abgesetzt oder die Dosis reduziert werden. Nähere Informationen dazu finden sich in der Fachinformation von Kyprolis.

 

Eine antivirale Prophylaxe sollte erwogen werden, um das Risiko einer Herpes-zoster-Reaktivierung zu senken. Zudem wird eine Thromboseprophylaxe empfohlen. Diese sollte auf einer Beurteilung der zugrunde liegenden Risiken und des klinischen Status des Patienten beruhen.

 

Vor Anwendung der Dosis in Zyklus 1 ist insbesondere für Patienten mit einem hohen Risiko für ein Tumorlyse-Syndrom oder einer renalen Toxizität eine ausreichende Hydratation notwendig.

Wichtige Wechselwirkungen

Carfilzomib wird primär über Peptidasen- und Epoxid-Hydrolase-Aktivitäten metabolisiert. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass das pharmakokinetische Profil von Carfilzomib durch die begleitende Anwendung von Cytochrom P450-Inhibitoren und -Induktoren beeinflusst wird.

 

Carfilzomib ist wahrscheinlich kein Induktor von CYP3A4. Es ist allerdings nicht bekannt, ob es in therapeutischen Konzentrationen ein Induktor von CYP1A2, 2C8, 2C9, 2C19 und 2B6 ist. Vorsicht ist deshalb bei der Anwendung von Carfilzomib in Kombination mit Arzneimitteln, die Substrate dieser Enzyme sind, geboten. Zu diesen zählen auch orale Kontrazeptiva. Wirkungsvolle Maßnahmen zur Vermeidung einer Schwangerschaft sollten daher ergriffen werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Carfilzomib waren Anämie, Fatigue, Diarrhö, Thrombozytopenie, Übelkeit, Pyrexie, Dyspnoe, Infektion der Atemwege, Husten und periphere Ödeme. Sie traten bei mehr als 20 Prozent der Patienten auf.

 

Schwerwiegendste Nebenwirkungen waren kardiale Toxizität, Lungentoxizität, pulmonale Hypertonie, Dyspnoe, Hypertonie einschließlich hypertensiver Krisen, akutes Nierenversagen, Tumorlyse-Syndrom, Infusionsreaktionen, Thrombozytopenie sowie Lebertoxizität und Fälle von thrombotischer Mikroangiopathie, einschließlich thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura und hämolytisch-urämischem Syndrom (TTP/HUS).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Carfilzomib ist in der Stillzeit kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Kyprolis wurde in einer Hauptstudie mit 792 Patienten mit multiplem Myelom untersucht, deren Erkrankung sich nach einer vorangegangenen Behandlung verschlechtert hatte. In der Studie wurde Kyprolis in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason mit einer Kombination aus Lenalidomid und Dexamethason verglichen. In der Studie wurde gezeigt, dass die Dreierkombination das progressionsfreie Überleben verlängerte. Patienten in diesem Studienarm lebten im Durchschnitt 26,3 Monate ohne eine Verschlechterung ihrer Erkrankung. Unter der Lenalidomid-Dexamethason-Kombination betrug das progressionsfreie Überleben dagegen 17,6 Monate.

Hintergrundinfos

Das multiple Myelom ist ein unheilbarer Blutkrebs, der durch ein wiederkehrendes Muster an
Remissionen und Rezidiven geprägt ist. In Deutschland werden jährlich mehr als 6000 Neuerkrankungen festgestellt. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei nur 45 Prozent.

Besonderheiten

Kyprolis ist im Kühlschrank zwischen 2 und 8 °C zu lagern.

Kyprolis ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Carfilzomib

Carfilzomib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Carfilzomib.wrl

Weitere Hinweise

Aufgrund des Wirkmechanismus und den Befunden bei Tieren ist davon auszugehen, dass Carfilzomib dem Fötus Schaden zufügt, wenn es bei einer Schwangeren angewendet wird. Kyprolis sollte daher nicht während einer Schwangerschaft angewendet werden, es sei denn, der mögliche Nutzen überwiegt das mögliche Risiko für den Fötus. Das Stillen ist während und für mindestens zwei Tage nach der Behandlung mit Kyprolis als Vorsichtsmaßnahme kontraindiziert.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 12.04.2016

Mehr aus Stoffgruppe 86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva