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ARZNEISTOFFE

Trastuzumab Emtansin|Kadcyla®|86|2014

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Trastuzumab Emtansin
FERTIGARZNEIMITTEL
Kadcyla®
HERSTELLER

Roche

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/2014
DARREICHUNGSFORM

100 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats

160 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats

Indikationen

Kadcyla ist als Einzelsubstanz zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit HER2-positivem, inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die zuvor Trastuzumab und ein Taxan einzeln oder in Kombination erhalten haben, zugelassen.

Wirkmechanismus

Trastuzumab Emtansin (T-DM1) vereint die Wirkmechanismen von Trastuzumab und Emtansin (DM1). Der Antikörper blockiert selektiv die HER2-vermittelte intrazelluläre Signalkaskade und induziert eine Antikörper-abhängige zellvermittelte Zytotoxizität. DM1 bindet in der Tumorzelle an Tubulin und löst letztlich die Apoptose aus.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Trastuzumab Emtansin beträgt 3,6 mg/kg Körpergewicht als intravenöse Infusion alle drei Wochen. Die Initialdosis soll über 90 Minuten hinweg infundiert werden. Wenn der Patient dies verträgt, können die weiteren Dosen als 30-minütige Infusion gegeben werden. Arzneimittel zur Behandlung allergisch-anaphylaktischer Reaktionen sowie eine Notfallausrüstung sollten immer bereitstehen.

Wichtige Wechselwirkungen

In-vitro-Studien zeigten, dass Emtansin hauptsächlich über CYP3A4 und in geringem Maß über CYP3A5 verstoffwechselt wird. Auch wenn es keine formalen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen gibt, sollte die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4-Hemmer (Beispiele: Ketoconazol, Clarithromycin, Atazanavir, Indinavir, Ritonavir, Telithromycin und Voriconazol) mit Trastuzumab Emtansin vermieden werden.

Nebenwirkungen

Die Rate an unerwünschten Ereignissen war in der Phase-III-Studie zu Trastuzumab Emtansin (T-DM1) in beiden Gruppen hoch. Mehr als 10 Prozent der Frauen brachen die Capecitabin-Lapatinib-Therapie wegen Nebenwirkungen ab; in der T-DM1-Gruppe waren es knapp 6 Prozent. Während Diarrhö und Hand-Fuß-Syndrom unter der Chemotherapie am häufigsten waren, fiel der Anstieg der Transaminasen AST und ALT unter T-DM1 auf.

 

Laut Fachinformation wurde die Sicherheit des Konjugats insgesamt bei 884 Brustkrebspatienten in Studien untersucht. Die häufigsten Nebenwirkungen (meist Schweregrad 1 oder 2) waren Blutungen einschließlich Nasenbluten, erhöhte Transaminasen, Fatigue, Muskel- und Skelettschmerzen sowie Kopfschmerzen. Die häufigsten Grad-3- oder -4-Nebenwirkungen waren Thrombozytopenie, Fatigue, erhöhte Transaminasen, Anämie, Hypokaliämie, Muskel- und Skelettschmerzen sowie Neutropenie.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Sicherheit und Wirksamkeit von T-DM1 wurden in der randomisierten Phase-III-Studie EMILIA im Vergleich zur Kombination Capecitabin plus Lapatinib untersucht. An der Studie nahmen 991 Patienten mit HER2-positivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom teil. Alle waren mit Trastuzumab und einem Taxan vorbehandelt. Primäre Wirksamkeitsendpunkte waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben. Hier war Trastuzumab Emtansin (T-DM1) der Chemotherapie signifikant überlegen. Das progressionsfreie Überleben war deutlich länger (9,6 versus 6,4 Monate), ebenso das Gesamtüberleben (30,9 versus 25,1 Monate). Die objektive Ansprechrate (sekundärer Endpunkt) lag bei den Patientinnen unter T-DM1 bei 43,6 Prozent im Vergleich zu 30,8 Prozent unter der Kombitherapie.

 

In einer randomisierten offenen Phase-II-Studie wurde die Wirkung von Kadcyla im Vergleich zu Trastuzumab plus Docetaxel bei 137 Patienten mit HER2-positivem fortgeschrittenem Brustkrebs untersucht, die noch keine Chemotherapie zur Behandlung einer metastasierten Erkrankung erhalten hatten. Primärer Endpunkt war das PFS. Im Arm mit Trastuzumab plus Docetaxel betrug es median 9,2 Monate im Vergleich zu 14,2 Monate unter T-DM1.

Hintergrundinfos

Trastuzumab Emtansin (T-DM1) ist das erste Antikörper-Wirkstoff-Konjugat in der Brustkrebs-Therapie. Es setzt sich zusammen aus dem monoklonalen Anti-HER2-IgG1-Antikörper Trastuzumab (Herceptin®) und dem Maytansin-Derivat DM1, das in vitro 20- bis 200-mal zytotoxischer wirkt als Taxane und Vinca-Alkaloide. Die Moleküle sind kovalent verbunden über den stabilen Thioether-Linker MCC. Die MCC-Brücke soll die systemische Freisetzung von DM1 verhindern und die zielgerichtete Abgabe verstärken. Dass das Konzept funktioniert, zeigten sehr niedrige Spiegel von freiem DM1 im Plasma.

 

Der Namensbestandteil »Emtansin« bezeichnet den MCC-DM1-Komplex. An jedes Molekül Trastuzumab sind durchschnittlich 3,5 DM1-Moleküle konjugiert. Durch diese Bindung erreicht das Zytostatikum selektiv Tumorzellen, die HER2-Rezeptoren überexprimieren. Nach Bindung von Trastuzumab an HER2-Rezeptoren wird das Konjugat in die Zelle aufgenommen und dort lysosomal abgebaut. Dabei werden zytotoxische Katabolite, hauptsächlich Lysin-MCC-DM1, freigesetzt.

 

Trastuzumab Emtansin wurde mit dem PZ-Innovationspreis 2014 ausgezeichnet.

Besonderheiten

Kadcyla ist bei 2–8°C (Kühlschrank) zu lagern.

Kadcyla sollte nach dem Anfertigen der Lösung sofort verwendet werden. Zubereitete Lösungen können bei 2–8 °C (Kühlschrank) 24 Stunden aufbewahrt werden, wenn die Anfertigung unter aseptischen Bedingungen durchgeführt wurde. Danach muss die Lösung verworfen werden. Dies gilt auch für die verdünnte Lösung.

Kadcyla ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und ein halbes Jahr lang nach Abschluss der Therapie sicher verhüten. Dies gilt auch für männliche Patienten und ihre Partnerinnen.

 

In der Stillzeit soll Trastuzumab Emtansin nicht angewendet werden. Frauen können sieben Monate nach Abschluss der Behandlung mit dem Stillen beginnen.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 12.08.2016

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