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ARZNEISTOFFE

Zanubrutinib|Brukinsa®|86|2021

STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Zanubrutinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Brukinsa®
HERSTELLER

BeiGene Ireland Ltd.

MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2021
DARREICHUNGSFORM

80 mg Hartkapseln

ATC-CODE
L01EL03
ORPHAN DRUG
Nein

Indikationen

Zanubrutinib ist zugelassen zur Monotherapie bei erwachsenen Patienten mit Morbus Waldenström, die vorher mindestens eine Therapie erhalten haben, und zur Erstlinientherapie bei Patienten, die für eine Chemo-Immuntherapie nicht geeignet sind.

Wirkmechanismus

Zanubrutinib ist ein Bruton-Tyrosinkinase(BTK)-Inhibitor, der kovalent im aktiven Zentrum des Enzyms bindet und dessen Aktivität hemmt. Die BTK spielt eine bedeutende Rolle im B-Zell-Rezeptor-Signalweg. Beim Morbus Waldenström ist dieser Signalweg konstant aktiviert, bei mehr als 90 Prozent der Erkrankten durch eine MYD88-Mutation. Die Hemmung des Enzyms und damit der nachfolgenden Signalübertragung unterbricht Signalkaskaden, die für Proliferation, Migration, Chemotaxis und Adhäsion von B-Zellen notwendig sind.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Gesamttagesdosis beträgt 320 mg Zanubrutinib. Die Patienten nehmen somit entweder einmal täglich vier oder zweimal täglich zwei Kapseln mit Wasser ein. Dies können sie mit oder ohne Nahrung tun. Sie dürfen die Kapseln nicht öffnen oder zerkauen.

 

Bei leichter bis mäßiger Leber- oder Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung nötig.

 

Treten hämatologische oder nicht-hämatologische Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 auf, muss die Einnahme unterbrochen und kann gegebenenfalls mit reduzierter Dosis fortgesetzt werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Zanubrutinib wird hauptsächlich über CYP3A metabolisiert. Bei gleichzeitiger Anwendung von mäßigen bis starken CYP3A-Inhibitoren ist die Dosis von Zanubrutinib zu reduzieren, da dessen Blutspiegel deutlich ansteigen kann. Die Patienten sollten außerdem zurückhaltend mit Grapefruits und Bitterorangen sein, die mäßige CYP3A4-Inhibitoren enthalten.

 

Die Gabe von starken CYP3A-Induktoren (wie Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin oder Johanniskraut) und mäßigen Induktoren (wie Bosentan, Efavirenz, Etravirin oder Modafinil) ist zu vermeiden. Schwache Induktoren können mit Vorsicht angewendet werden.

 

CYP3A-Substrate mit enger therapeutischer Breite sollten mit Vorsicht angewendet werden, da Zanubrutinib die Plasmaexposition dieser Arzneimittel verringern kann. Zu diesen gehören beispielsweise Alfentanil, Ciclosporin, Dihydroergotamin, Ergotamin, Fentanyl, Pimozid, Chinidin, Sirolimus und Tacrolimus.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen in Studien zu Zanubrutinib waren Neutropenie, Thrombozytopenie, Infektionen der oberen Atemwege sowie Blutungen/Hämatome. 21 bis 30 Prozent der Patienten berichteten Hautausschlag, Blutergüsse, Anämie, Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems, Durchfall, Pneumonie und Husten. Die häufigsten Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher waren Neutropenie, Pneumonie, Thrombozytopenie und Anämie.

 

Die Therapie mit Zanubrutinib kann das Risiko für schwere bakterielle, virale oder fungale Infektionen, Zytopenien vom Grad 3 oder 4 (einmal monatlich Kontrolle des Blutbilds), neue Malignome wie Hautkrebs (Sonnenschutz!) sowie Vorhofflimmern und -flattern (vor allem bei Patienten mit kardialen Risikofaktoren, Hypertonie und akuten Infektionen) erhöhen. Bei Patienten, die Thrombozytenaggregationshemmer oder Antikoagulanzien erhalten, wurde ein erhöhtes Risiko für Blutungen beobachtet.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Brukinsa ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Sicherheit und Wirksamkeit von Zanubrutinib wurden in einer dreiarmigen randomisierten Studie im Vergleich zu Ibrutinib bei BTK-Inhibitor-naiven erwachsenen Patienten mit Morbus Waldenström beurteilt (ASPEN-Studie). Eingeschlossen waren 201 Patienten mit MYD88 Mutation, die entweder täglich 320 mg Zanubrutinib oder 420 mg Ibrutinib bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptablen Toxizität bekamen. In einem dritten Studienarm erhielten 28 Patienten mit MYD88-Wildtyp 320 mg Zanubrutinib. Primärer Endpunkt war das komplette und das sehr gute partielle Ansprechen (VGPR). Die mediane Nachbeobachtungsdauer betrug 19,4 Monate.

 

Von den rezidivierten/refraktären Patienten erreichten unter Ibrutinib 19,8 und unter Zanubrutinib 28,9 Prozent ein VGPR. Der Unterschied war nicht signifikant. Es gab kein komplettes Ansprechen. Bei den Patienten mit MYD88-Wildtyp lag die VGPR-Rate bei fast 27 Prozent. Nach 18 Monaten waren 84 bis 85 Prozent der Patienten progressionsfrei. Bei einer weiteren Nachbeobachtung über 30 Monate betrug das progressionsfreie Überleben 77,6 versus 84,9 Prozent (Ibrutinib versus Zanubrutinib).

 

Das Sicherheitsprofil von Zanubrutinib war günstiger als das von Ibrutinib. So war das Risiko für Vorhofflimmern geringer; ebenso traten Blutungen, Diarrhö, periphere Ödeme, Muskelkrämpfe und Lungenentzündung seltener auf. Dies galt auch für Nebenwirkungen, die zum Therapieabbruch oder zu Unterbrechungen führten. Trotz einer höheren Neutropenie-Rate unter Zanubrutinib war die Rate an schweren Infektionen in beiden Studienarmen vergleichbar.

Hintergrundinfos

Morbus Waldenström oder Waldenströms Makroglobulinämie ist eine Erkrankung der B-Lymphozyten, die in der Regel langsam chronisch voranschreitet. Die entarteten B-Zellen produzieren große Mengen Immunglobulin M (IgM) und infiltrieren das Knochenmark. Die klinische Symptomatik wird vor allem bestimmt durch die Verdrängung der normalen Hämatopoese und durch die Hypersekretion von IgM.

 

Die seltene Erkrankung macht 1 bis 3 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome aus. Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen, wobei vor allem ältere Menschen betroffen sind. Bis zu 30 Prozent der Patienten haben bei Diagnose keine Symptome und werden engmaschig überwacht. Die Rate der Progression zur symptomatischen Erkrankung beträgt 12 Prozent pro Jahr.

 

Wesentliche Therapieziele sind die Reduktion der Tumorlast und die Kontrolle der Symptome. Nur selten wird eine komplette Remission erreicht. Goldstandard in der Induktionstherapie für fitte Patienten sind Rituximab-basierte Therapien, kombiniert mit Chemotherapeutika, meist Bendamustin oder Dexamethason/Cyclophosphamid, oder auch mit Bortezomib. Eine Alternative bietet die Monotherapie mit den BTK-Inhibitoren Ibrutinib oder Zanubrutinib.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Brukinsa sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Brukinsa ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Zanubrutinib

Zanubrutinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

zanubrutinib.wrl

Weitere Hinweise

Frauen müssen unter Zanubrutinib-Einnahme und bis zu einem Monat nach Behandlungsende hochwirksame Verhütungsmethoden anwenden. Da nicht bekannt ist, ob Zanubrutinib die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva verringert, müssen Frauen, die hormonell verhüten, zusätzlich eine Barrieremethode anwenden. In der Schwangerschaft ist es kontraindiziert. Das Stillen soll unter der Therapie mit Zanubrutinib unterbrochen werden.

Vorläufige Bewertung

Schrittinnovation

Letzte Aktualisierung: 05.01.2022

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