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ARZNEISTOFFE

Capecitabin|Xeloda®|86|2001

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STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Capecitabin
FERTIGARZNEIMITTEL
Xeloda®
HERSTELLER

Roche

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2001
DARREICHUNGSFORM

150 mg Filmtabletten

500 mg Filmtabletten

Indikationen

Xeloda ist zugelassen zur Firstline-Therapie von metastasierten Dickdarmtumoren sowie zur adjuvanten Behandlung von Patienten nach Operation eines Kolorektalkarzinoms im Stadium III. Darüber hinaus ist es mit einem platinhaltigen Anwendungsschema zugelassen zur Firstline-Therapie des fortgeschrittenen Magenkarzinoms. In Kombination mit Docetaxel ist es zugelassen zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom nach Versagen einer zytostatischen Chemotherapie, die Anthracyclin enthalten haben sollte, sowie als Monotherapie bei Patienten mit  lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom, bei denen eine Therapie mit Taxanen und Anthracyclinen versagt hat oder eine weitere Anthracyclinbehandlung nicht angezeigt ist.

Wirkmechanismus

Capecitabin, ein Fluoropyrimidin-Carbamat, ist ein Prodrug, das nach der Resorption in drei Schritten zum zytotoxischen 5-Fluorouracil (5-FU) aktiviert wird. Den letzten Schritt katalysiert die Thymidinphosphorylase, die in hoher Konzentration in Tumorzellen vorliegt.

 

Die Enzymaktivität ist im kolorektalen Tumorgewebe etwa viermal so hoch wie im angrenzenden gesunden Gewebe. In einer Studie lag die 5-FU-Konzentration im Krebsgewebe bei 19 Patienten mit kolorektalem Karzinom etwa 3,2-fach höher als im gesunden Kolongewebe. 5-FU stört als Antimetabolit sowohl die Synthese von DNA als auch von RNA und Proteinen. Der Wirkstoff wird weiter zu inaktiven Metaboliten abgebaut und renal eliminiert.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Capecitabin richtet sich nach der Indikation, die Berechnung erfolgt anhand der Körperoberfläche. Sie liegt in den Monotherapien und in der Kombinationstherapie mit Docetaxel zur Behandlung des Mammakarzinoms bei zweimal täglich 1250 mg/m2KO über 14 Tage, gefolgt von einer siebentägigen Therapiepause. In der adjuvanten Behandlung von Patienten mit Kolorektalkarzinom Stufe III wird eine Behandlungsdauer von sechs Monaten empfohlen.

 

In der Kombinationstherapie von Kolon-, Kolorektal- und Magenkarzinomen beträgt die empfohlene Dosis zweimal täglich 800–1000 mg/m2 KO, die ebenfalls 14 Tage lang verabreicht werden, gefolgt von einer siebentägigen Therapiepause. Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt auch hier sechs Monate.

 

Die Einnahme sollte 30 Minuten nach einer Mahlzeit erfolgen. Gegebenenfalls kommen antiemetische Prämedikationen zum Einsatz. Mitunter ist eine Dosisanpassung im Verlauf der Behandlung erforderlich.

Wichtige Wechselwirkungen

Außer mit Warfarin wurden keine Wechselwirkungsstudien zu Capecitabin durchgeführt. Bei gleichzeitiger Anwendung mit CYP2C9-Substraten wie Phenytoin ist Vorsicht geboten. Patienten, die eine Antikoagulation mit Cumarinderivaten erhalten, sollten hinsichtlich des INR überwacht werden.

 

Folinsäure kann die Toxizität von Capecitabin erhöhen. Möglicherweise trifft dies auch auf Folsäure zu.

 

Sorivudin kann die Dehydropyrimidin-Dehydrogenase hemmen, was zu einer erhöhten und potenziell tödlichen Fluoropyrimidin-Toxizität führt. Die Kombination ist daher kontraindiziert. Das gilt auch für chemische Verwandte des Sorivudins.

 

Allopurinol kann die Wirksamkeit von 5-FU vermindern. Daher sollten Capecitabin und Allopurinol nicht zusammen gegeben werden.

 

Eine Strahlentherapie kann die Verträglichkeit von Capecitabin vermindern.

Nebenwirkungen

Allerdings vertrugen die Patienten Capecitabin besser und mussten deutlich seltener wegen schwerer Nebenwirkungen ins Krankenhaus (11,6 versus 18 Prozent). Insgesamt traten Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und vor allem Stomatitis seltener auf. Dennoch reagierten 13 Prozent der Patienten unter Capecitabin und 12 Prozent unter 5-FU/Folinsäure mit schweren Diarrhöen. Deutlich häufiger kam es bei der peroralen Medikation zum Hand-Fuß-Syndrom (palmoplantare Erythrodysästhesie), über das die Hälfte der Patienten klagte. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühl, Kribbeln und Missempfindungen bis zu starken Schmerzen, Geschwür- und Blasenbildung an Händen oder Füßen. Capecitabin wird zweimal täglich, morgens und abends, innerhalb von 30 Minuten nach einer Mahlzeit eingenommen. Je nach Dosierung - empfohlen werden 2500 mg/m² täglich - muss der Patient jeweils drei bis sieben Tabletten schlucken. Bei schweren Nebenwirkungen, zum Beispiel Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Entzündungen der Mundschleimhaut oder Hand-Fuß-Syndrom, muss die Therapie unterbrochen oder die Dosis reduziert werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht gegeben werden darf Capecitabin bei Patienten mit schwerwiegenden und unerwarteten Reaktionen bei einer Vorbehandlung mit Fluoropyrimidinen, bei Patienten mit vollständig fehlender Dihydropyrimidin-Dehydrogenase-(DPD)-Aktivität, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei schwerer Leukopenie, Neutropenie oder Thrombozytopenie, schwerer Leber- und/oder Nierenfunktionsstörung, Behandlung mit Sorivudin oder chemisch verwandten Arzneistoffen sowie wenn in einer Kombinationstherapie eines der verwendeten Arzneimittel kontraindiziert ist.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In zwei randomisierten Phase-III-Studien wurde Capecitabin mit der Kombination von 5-FU und Folinsäure verglichen. 603 Patienten erhielten Capecitabin 1250 mg/m² zweimal täglich peroral über 14 Tage, gefolgt von einer Woche Pause. 604 Patienten bekamen intravenös 20 mg/m²/Tag Folinsäure plus 425 mg/m² 5-FU (Mayo-Regime) an den Tagen eins bis fünf, alle 28 Tage. Deutlich mehr Patienten erlebten mit der peroralen Therapie eine komplette oder partielle Remission (25,7 versus 16,7 Prozent). Die mittlere Zeit bis zum Fortschreiten des Tumorwachstums (4,6 versus 4,7 Monate) und die Gesamtüberlebenszeit (12,9 Monate) unterschieden sich jedoch nicht.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Xeloda sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Xeloda ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Capecitabin

Capecitabin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

capecitabin.wrl

Weitere Hinweise

In Schwangerschaft und Stillzeit ist Capecitabin kontraindiziert.

Letzte Aktualisierung: 07.04.2017