Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Nelarabin|Atriance®|86|2007

Datenschutz bei der PZ
STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Nelarabin
FERTIGARZNEIMITTEL
Atriance®
HERSTELLER

Novartis

MARKTEINFÜHRUNG (D)
11/2007
DARREICHUNGSFORM

5 mg/ml Infusionslösung

Indikationen

Atriance ist für Patienten mit akuter lymphoblastischer T-Zell-Leukämie (T-ALL) und mit lymphoblastischem T-Zell-Lymphom (T-LBL) zugelassen, deren Erkrankung auf mindestens zwei Chemotherapieschemata nicht oder nur vorübergehend angesprochen hat oder rezidiviert ist.

Wirkmechanismus

Das Purinanalogon Nelarabin gehört zur Gruppe der Antimetaboliten und ist eine Vorstufe des Desoxyguanosin-Analogons ara-G (Guanosin-Arabinosid). In vivo wird es rasch zu ara-G demethyliert und dann in mehreren Schritten zum aktiven Triphosphat ara-GTP umgewandelt. Dieses kumuliert in leukämischen Blasten, wird in die DNA eingebaut und hemmt in der Folge die DNA-Synthese. Dies führt zum programmierten Zelltod.

Anwendungsweise und -hinweise

Atriance wird intravenös infundiert. Erwachsene bekommen meistens 1500 mg/m2 Körperoberfläche an den Tagen 1, 3 und 5 alle 21 Tage. Für Kinder und Jugendliche unter 21 Jahren werden 650 mg/m2 an fünf Folgetagen alle 21 Tage empfohlen. Das Blutbild muss regelmäßig kontrolliert werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Nelarabin und ara-G hemmem in vitro keine relevanten Cytochrom-P-450-Isoenzyme.
Die gleichzeitige Anwendung von Adenosindeaminase-Inhibitoren wie Pentostatin wird nicht empfohlen.

Nebenwirkungen

Die Liste der Nebenwirkungen von Nelarabin ist lang. Am häufigsten sind Müdigkeit, Magen-Darm-Störungen, hämatologische und zentralnervöse Störungen, Atemwegserkrankungen und Fieber. Die Neurotoxizität ist die dosislimitierende Nebenwirkung.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Datenlage zu Nelarabin ist dünn und die Wirkung begrenzt. In zwei offenen Studien mit 39 Erwachsenen sowie 151 Kindern und Jugendlichen lagen die kompletten Ansprechraten bei 21 und 23 Prozent, wenn man die Patienten betrachtete, die zuvor zwei oder mehr Chemotherapien erhalten hatten. Komplettes Ansprechen bedeutet nicht unbedingt Heilung. Dennoch ermöglicht das Arzneimittel einigen Patienten, später eine Knochenmarktransplantation zu bekommen, die wiederum die Überlebenschance deutlich erhöht. Das mediane Gesamtüberleben lag in den Studien bei rund 20 sowie 13 Wochen. Nach einem Jahr lebten noch 29 sowie 14 Prozent der Patienten.

Hintergrundinfos

T-ALL und T-LBL: Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist eine Krebserkrankung der weißen Blutkörperchen. Es handelt sich um eine seltene, schwer zu behandelnde Erkrankung, die bei Kindern häufiger auftritt als bei Erwachsenen. 23 Prozent der Krebsdiagnosen bei Kindern unter 15 Jahre entfallen darauf. Bei einer Unterform, der T-ALL, sind die T-Zellen, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, betroffen. In Europa gibt es pro Jahr nur einige hundert Patienten mit einer rezidivierten, also nach Behandlung erneut aufgetretenen T-ALL.

 

Das lymphoblastische Lymphom (LBL) ist eine Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, einer Krebserkrankung des lymphatischen Systems. Auch dieses ist bei Kindern häufiger. Bei der Untergruppe der T-LBL geht die Erkrankung wiederum von den T-Zellen aus.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Atriance sind keine speziellen Bedingungen einzuhalten.
Atriance ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Nelarabin

Nelarabin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

nelarabin.wrl

Weitere Hinweise

Männer und Frauen müssen während und mindestens drei Monate nach Abschluss der Behandlung mit Atriance eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Während der Schwangerschaft und Stillzeit darf Atriance nicht angewendet werden.

Letzte Aktualisierung: 27.11.2015