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ARZNEISTOFFE

Retifanlimab|Zynyz®|86|2026

 
STOFFGRUPPE
86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
WIRKSTOFF
Retifanlimab
FERTIGARZNEIMITTEL
Zynyz®
HERSTELLER

Incyte

ZIELSTRUKTUR
Checkpoint-Inhibitoren
MARKTEINFÜHRUNG (D)
03/2026
DARREICHUNGSFORM

500 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

ATC-CODE
L01FF10
ORPHAN DRUG
Ja

Indikationen

Zynyz in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel ist zugelassen zur Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem oder inoperablem lokal rezidivierendem Plattenepithelkarzinom des Analkanals (SCAC).

 

Zynyz als Monotherapie ist zugelassen als Erstbehandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem oder rezidivierendem, lokal fortgeschrittenem Merkelzellkarzinom (MCC), das nicht für eine kurative Operation oder Strahlentherapie geeignet ist.

Wirkmechanismus

Retifanlimab ist ein Checkpoint-Inhibitor. Der monoklonale Antikörper bindet an den Programmed-Cell-Death-1-(PD-1-)Rezeptor und verhindert, dass die Liganden PD-L1 und PD-L2 an den Rezeptor binden können. Dadurch wird die von den Tumorzellen induzierte Hemmung der T-Zell-Funktion aufgehoben und die gegen den Tumor gerichtete Aktivität der T-Zellen potenziert.

Anwendungsweise und -hinweise

Retifanlimab wird als intravenöse Infusion über 30 Minuten gegeben. Die empfohlene Dosis beträgt 500 mg alle vier Wochen. Patienten mit SCAC erhalten zunächst über sechs Zyklen zusätzlich Carboplatin/Paclitaxel, bevor Retifanlimab dann als Monotherapie weitergeführt wird. Die Gesamtdauer der Therapie beträgt beim SCAC ein Jahr und beim MCC bis zu zwei Jahre, falls nicht ein Fortschreiten der Erkrankung oder eine inakzeptable Toxizität eine vorzeitige Beendigung der Therapie notwendig machen.

 

Wie von anderen Checkpoint-Inhibitoren bekannt, sind immunbedingte Nebenwirkungen die wichtigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Sie können in jedem Organ oder Gewebe auftreten, auch in mehreren gleichzeitig, sowohl während der Therapie als auch nach dem Absetzen. Immunbedingte Nebenwirkungen können tödlich verlaufen. Es ist daher wichtig, dass der Patient potenzielle Anzeichen erkennt und bei deren Auftreten unverzüglich den Arzt aufsucht. Wichtige Informationen dazu sind in einer Patientenkarte zusammengefasst.

 

Die Anwendung von Retifanlimab kann das Risiko der Abstoßung eines transplantierten Organs erhöhen, weshalb sie bei diesen Patienten besonders abgewogen werden muss.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Retifanlimab waren Ermüdung/Fatigue, Ausschlag, Diarrhö, Anämie, Juckreiz, Gelenkschmerzen, Verstopfung, Übelkeit, Fieber und verminderter Appetit.

 

Bei der Anwendung in Kombination mit Carboplatin/Paclitaxel traten als häufigste Nebenwirkungen Neutropenie, Juckreiz, Ausschlag, Lymphopenie, Hypothyreose und ein Anstieg der Alaninaminotransferase auf.

 

Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren sowohl bei der Anwendung als Monotherapie als auch in Kombination mit Chemotherapie immunbedingte Nebenwirkungen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Retifanlimab beim SCAC wurde in der Phase-III-Studie POD1UM-303/InterAACT-2 nachgewiesen. Von den 308 teilnehmenden Patienten erhielt die Hälfte Carboplatin/Paclitaxel plus Retifanlimab und die andere Hälfte die Chemotherapie plus Placebo. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS), der wichtigste sekundäre Endpunkt das Gesamtüberleben (OS). Mit einem medianen PFS von 9,3 versus 7,4 Monaten und einem medianen OS von 32,8 versus 22,2 Monaten konnte in beiden Kategorien eine Überlegenheit für Carboplatin/Paclitaxel plus Retifanlimab gegenüber der alleinigen Chemotherapie nachgewiesen werden.

 

Beim MCC wurde Retifanlimab in der offenen, einarmigen Studie POD1UM-201 mit 101 Patienten untersucht. In dieser Studie lag die objektive Ansprechrate bei 53,5 Prozent und die Dauer des Ansprechens median bei 25,3 Monaten

Hintergrundinfos

Das Analkarzinom ist mit einer Inzidenz von 1 bis 2 pro 100.000 ein relativ seltener Tumor. Eine Infektion mit Hochrisikotypen des Humanen Papillomavirus (HPV), insbesondere HPV 16, ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung dieser Tumorart. Mehr als 90 Prozent der Patienten mit einem Analkarzinom leiden an einem Plattenepithelkarzinom des Analkanals (SCAC). Die Therapie besteht abhängig von der Lokalisation und dem Stadium der Erkrankung aus einer Operation, Radiotherapie und/oder einer Radiochemotherapie.

 

Das Merkelzellkarzinom (MCC) ist ein seltener, bösartiger Hauttumor, der bevorzugt im Kopf-/Halsbereich an Stellen auftritt, die viel dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Der Tumor hat eine rötlich-violette Färbung sowie eine kugelige Form mit glatter, glänzender Oberfläche und zeigt meist ein schnelles Wachstum. Die Inzidenz beträgt etwa 0,2 bis 0,3 pro 100.000. Das mittlere Alter bei Diagnosestellung beträgt circa 75 Jahre.

Besonderheiten

Zynyz ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) und vor Licht geschützt (Originalverpackung) zu lagern. Es darf nicht einfrieren.

 

Zynyz ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

In der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird die Anwendung nicht empfohlen. Für die kurze Dauer, in der IgG in der Stillzeit in die Muttermilch übergehen, muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Retifanlimab verzichtet werden soll.

Vorläufige Bewertung

Schrittinnovation

Letzte Aktualisierung: 10.04.2026

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