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ARZNEISTOFFE

Teprotumumab|Tepezza®|51|2026

 
STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Teprotumumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Tepezza®
HERSTELLER

Amgen

ZIELSTRUKTUR
GF-1R-InhibitorenInhibitoren des Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor-Rezeptors 1
MARKTEINFÜHRUNG (D)
03/2026
DARREICHUNGSFORM

500 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

ATC-CODE
L04AG13
ORPHAN DRUG
Nein

Indikationen

Tepezza ist zugelassen zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren endokrinen Orbitopathie (EO) bei Erwachsenen.

Wirkmechanismus

Teprotumumab bindet am Rezeptor für IGF-1R (Insulin-ähnlicher Wachstumsfaktor-Rezeptor 1) und blockiert dessen Aktivierung und Signalgebung. Die Überexpression des IGF-1-Rezeptors in den retrobulbären Fibroblasten und den B- und T-Zellen soll eine zentrale Rolle bei der Orbitopathie spielen. Die IGF-1R-Blockade soll Entzündungen, den Umbau von Muskel- und Fettgewebe sowie die Ausdehnung des Gewebes hinter dem Auge reduzieren.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt initial 10 mg Teprotumumab pro kg Körpergewicht (KG), gefolgt von sieben weiteren Dosen mit 20 mg/kg KG im Abstand von jeweils drei Wochen als intravenöse Infusion. Bei den ersten beiden Infusionen wird die Lösung über mindestens 90 Minuten infundiert. Bei guter Verträglichkeit können die Infusionen 3 bis 8 über jeweils 60 Minuten appliziert werden.

 

Teprotumumab kann schwere Hörschäden hervorrufen, die bei manchen Patienten anhalten können. Liegen bereits Hörschäden vor, können sich diese während oder nach der Therapie mit Teprotumumab verschlechtern. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung von ototoxischen Medikamenten, zum Beispiel Aminoglykosiden, Vancomycin, platinhaltigen Chemotherapeutika oder Schleifendiuretika, da ein potenzielles Risiko für additive hörschädigende Effekte besteht.

 

Ebenso ist auf den Blutzucker zu achten, da unter Teprotumumab eine Hyperglykämie auftreten kann. Die Blutzuckerwerte müssen vor und während der Therapie sowie nach deren Abschluss noch sechs Monate lang überwacht werden.

 

Teprotumumab kann zudem eine Exazerbation einer entzündlichen Darmerkrankung hervorrufen. Dann muss das Absetzen der Therapie erwogen werden. Patienten mit einer entzündlichen Darmerkrankung sind bezüglich eines Erkrankungsschubs zu überwachen. Aus klinischen Studien waren sie ausgeschlossen.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Teprotumumab waren Muskelkrämpfe, Magen-Darm-Probleme, Alopezie, Hyperglykämie, Fatigue und Kopfschmerzen. Zu den wichtigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen zählten Diabetes mellitus (2,6 Prozent), Taubheit (1,3 Prozent) sowie Schallleitungsschwerhörigkeit, einseitige Taubheit, diabetische Ketoazidose, Diarrhö, infusionsassoziierte Reaktionen und entzündliche Darmerkrankung.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Tepezza ist während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Sicherheit von Teprotumumab wurden in vier randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studien geprüft. Es wurde immer nur ein Auge pro Person (Studienauge) untersucht.

 

In die Studien TED01RV, OPTIC und OPTIC-J wurden insgesamt 225 Patienten ab 18 Jahren mit aktiver EO eingeschlossen, von denen 111 Teprotumumab und 114 Placebo erhielten. Der mittlere Zeitraum seit Diagnose betrug 5,7 Monate, das mittlere Exophthalmus-Ausmaß beim jeweiligen Studienauge 22,52 mm und der Clinical Activity Score (CAS), mit dem etwa Entzündungszeichen und Sehbeschwerden erfasst werden, im Mittelwert 5,0.

 

Der primäre Endpunkt der Phase-II-Studie TED01RV war die Responder-Gesamtrate, definiert als Prozentsatz der Teilnehmer mit einer CAS-Reduktion um ≥ 2 Punkte und einer Exophthalmus-Reduktion um ≥ 2 mm beim Studienauge sowie keine Verschlechterung des CAS oder des Exophthalmus beim anderen Auge. Nach 24 Wochen sprachen 69 Prozent der Patienten auf das Verum an und 20 Prozent auf Placebo. Nach 48 Wochen ohne Behandlung blieb der Response in der Teprotumumab-Gruppe bei fast der Hälfte der Patienten erhalten, 38 Prozent hatten ein Rezidiv.

 

In den Phase-III-Studien OPTIC und OPTIC-J war der primäre Endpunkt ebenfalls die Responderrate in Woche 24, definiert als Anteil der Patienten mit einer Exophthalmus-Reduktion um ≥ 2 mm beim Studienauge ohne Verschlechterung beim anderen Auge. In diesen Studien lagen die Responderraten bei 83 und 89 Prozent gegenüber 10 und 11 Prozent unter Placebo. Auch hier gab es einen Langzeiteffekt. In der behandlungsfreien 48-wöchigen Nachbeobachtungszeit trat bei knapp 30 Prozent der Responder ein Rezidiv auf. Von den als Responder bewerteten Patienten behielten 90 Prozent diesen Status bis Woche 72 bei.

 

In der Studie HZNP-TEP-403 wurden 62 Patienten mit chronischer EO ein¬geschlossen und die Veränderung des Exophthalmus nach 24 Wochen untersucht. Unter Verum zeigte sich eine durchschnittliche Reduktion des Exophthalmus von 2,4 mm, verglichen mit 0,9 mm unter Placebo.

Hintergrundinfos

Eine endokrine Orbitopathie (EO) ist eine Autoimmunerkrankung der Orbita (Augenhöhle), die oft mit einer Störung der Schilddrüsenfunktion einhergeht. Bei Betroffenen kommt es zur Entzündung und Volumenvermehrung von Muskeln, Fett- und Bindegewebe um und hinter dem Auge. Die Augäpfel werden zunehmend aus der Augenhöhle gedrängt und treten hervor (Exophthalmus, Proptosis). Die Betroffenen klagen häufig über Trockenheit, Druck- und Fremdkörpergefühl im Auge, Augenschmerzen und das Sehen von Doppelbildern. In schweren Fällen drohen Sehnervenschäden und Sehverlust.

 

Die Erkrankung verläuft in aktiven und inaktiven Phasen. Eine aktive EO erfordert meist eine systemische immunmodulatorische Therapie, zum Beispiel mit Prednisolon oder Immunsuppressiva (off Label). Auch Antikörper gegen am Entzündungsprozess beteiligte Rezeptoren wie Rituximab (Anti-CD20) oder Tocilizumab (Anti-Interleukin-6-Rezeptor) werden eingesetzt.

Besonderheiten

Tepezza ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern. Es darf nicht einfrieren.

 

Tepezza ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

In der Schwangerschaft ist Tepezza kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Teprotumumab und für mindestens sechs Monate nach der letzten Dosis eine effektive Verhütungsmethode anwenden. Aus Vorsichtsgründen soll eine Anwendung während der Stillzeit vermieden werden.

Packshot

Vorläufige Bewertung

Sprunginnovation

Letzte Aktualisierung: 10.04.2026

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