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ARZNEISTOFFE

Histamindihydrochlorid|Ceplene®|51|2010

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Histamindihydrochlorid
FERTIGARZNEIMITTEL
Ceplene®
HERSTELLER

MEDA Pharm

MARKTEINFÜHRUNG (D)
05/2010
DARREICHUNGSFORM

0,5 mg/0,5 ml Injektionslösung

Indikationen

Histamindihydrochlorid ist zugelassen zur Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), die gleichzeitig mit Interleukin(IL)-2 behandelt werden.

 

Eine AML entsteht durch eine bösartige Veränderung der Vorläuferzellen der Granulozyten und Monozyten, also eines Teils der weißen Blutkörperchen. Die Reifung zu funktionstüchtigen Granulozyten oder Monozyten ist unterbrochen.

Wirkmechanismus

Die Kombination von Histamindihydrochlorid und Interleukin(IL)-2 hat das Ziel, die immunvermittelte Zerstörung restlicher myeloischer Leukämiezellen zu induzieren und dadurch ein Rezidiv der Leukämie zu verhindern. Dabei hat Histamindihydrochlorid die Aufgabe, Lymphozyten zu schützen, und zwar insbesondere NK-Zellen und T-Zellen, die für die immunvermittelte Zerstörung restlicher Leukämiezellen verantwortlich sind. IL-2 hat die Aufgabe, die Funktionen von NK-Zellen und T-Zellen zu fördern, indem es die antileukämischen Eigenschaften dieser Zellen aktiviert und diese Zellpopulationen durch Induktion der Zellzyklusproliferation verbreitet. Kurz gesagt: Die gleichzeitige Gabe der beiden Substanzen hat das Ziel, die antileukämischen Funktionen von NK-Zellen und T-Zellen zu optimieren.

Anwendungsweise und -hinweise

Ceplene wird stets in Kombination mit Interleukin-2 (IL-2) und nur während der ersten Remission angewendet. Empfohlen wird eine Dosis von zweimal täglich 0,5 mg subkutan über zehn Zyklen. Histamindihydrochlorid wird nach subkutaner Injektion schnell absorbiert. Die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa zehn Minuten erreicht. Wichtig für die Praxis: Der Wirkstoff muss ein bis drei Minuten nach der IL-2-Gabe injiziert werden. Zu berücksichtigen ist, dass die Injektion langsam über einen Zeitraum von fünf bis 15 Minuten hinweg zu erfolgen hat. Schnelle subkutane Injektionen oder Gaben in den Gefäßraum können zu schwerer Hypotonie, Tachykardie oder Synkope führen. Zudem muss eine andere Injektionsstelle gewählt werden als bei der Gabe von IL-2, vorzugsweise der Oberschenkel oder die Bauchdecke. Nach einer Schulung können die Patienten sich auch selbst spritzen. Jedoch sollten sie das laut Fachinformation nur in Anwesenheit eines Erwachsenen tun, der in der Lage ist, entsprechend zu reagieren, wenn Zeichen und Symptome einer Hypotonie auftreten. Je nach Ansprechen und Auftreten von möglichen Nebenwirkungen entscheidet der Arzt, ob die Behandlung später angepasst oder möglicherweise ausgesetzt wird.

Wichtige Wechselwirkungen

H2-Rezeptorantagonisten mit histaminähnlichen Imidazolstrukturen wie Cimetidin, systemische Steroide und Clonidin, dürfen während der Behandlung mit Histamindihydrochlorid nicht zum Einsatz kommen. Betablocker und andere Antihypertonika sind nur mit Vorsicht zu verwenden. H1-rezeptorblockierende Antihistaminika oder Neuroleptika mit H1-rezeptorblockierenden Eigenschaften, die die Wirksamkeit senken könnten, sind zu vermeiden. Trizyklische Antidepressiva können H1- und H2-rezeptorblockierende Eigenschaften haben und sind ebenfalls zu vermeiden. Gleiches gilt für Monoaminooxidase-Hemmer, Antimalaria- und Antitrypanosomenwirkstoffe, weil sie den Stoffwechsel von Histamindihydrochlorid verändern können.

Nebenwirkungen

In den Studien zu Ceplene häufig berichteten Nebenwirkungen gehören Flush, Kopfschmerzen und Mattigkeit sowie Reaktionen an der Einstichstelle.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Vorsicht geboten ist bei Patienten mit schweren Nierenproblemen oder mittelschweren bis schweren Leberproblemen. Auch die Anwendung von Ceplene  bei Patienten unter 18 Jahren wird nicht empfohlen. Zudem wurde die Wirksamkeit bei Über-60-Jährigen nicht vollständig nachgewiesen. Histamindihydrochlorid darf nicht bei Patienten mit schweren Herzproblemen oder bei Schwangeren beziehungsweise Stillenden zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für Patienten, die ein Knochenmarktransplantat von einem Spender erhalten haben.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Eine randomisierte Phase-III-Studie verglich die Behandlung mit Histamindihydrochlorid plus IL-2 mit keiner Behandlung bei 261 Patienten in erster Remission (CR1) und bei weiteren 59 Patienten in erneuter Remission nach Rezidiv. Bei den CR1-Patienten stieg die mediane Dauer des leukämiefreien Überlebens von 291 Tagen auf 450 Tage nach Behandlung mit der Zweierkombi gegenüber keiner Behandlung. Die Anzahl der CR1-Patienten, die drei Jahre lang leukämiefrei bleiben, betrug 40 Prozent nach Behandlung mit den beiden Substanzen gegenüber 26 Prozent bei Patienten, die diese Behandlung nicht erhielten. Bei Patienten ab der zweiten Remissionsphase war die Kombination aus Histamindihydrochlorid und IL-2 dagegen unwirksam.

Besonderheiten

Ceplene darf nicht einfrieren.

Ceplene unterliegt der Verschreibungspflicht.

Formeln

Histamindihydrochlorid

Histamindihydrochlorid

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Histamin..wrl

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft und Stillzeit darf Ceplene nicht angewendet werden. Frauen im gebärfähigen Alter und Männer müssen während der Behandlung mit Ceplene und IL-2 zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden.

Letzte Aktualisierung: 30.06.2015