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ARZNEISTOFFE

Daclizumab|Zinbryta®|51|2016

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Daclizumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Zinbryta®
HERSTELLER

Biogen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2016
DARREICHUNGSFORM

weltweite Rücknahme der Marktzulassung im März 2018 (siehe dazu: Hintergrundinfos)

Indikationen

Zinbryta ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Multiple-Sklerose-Patienten mit schubförmiger Verlaufsform.

Wirkmechanismus

Der humanisierte monoklonale Antikörper Daclizumab blockiert hoch spezifisch die CD25-Untereinheit des Interleukin-2-Rezeptors und wirkt damit immunmodulierend. Seine therapeutische Wirkung beruht vermutlich darauf, dass die Blockade des Interleukin-2-Rezeptors einen Anstieg der natürlichen Killerzellen induziert, die ihrerseits das T-Zell-Wachstum deutlich drosseln. T-Zellen nehmen eine Schlüsselrolle bei der Zerstörung der Myelinscheiden und der Entstehung typischer Multiple-Sklerose-Entzündungsherde ein.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 150 mg Daclizumab. Sie wird einmal pro Monat in Oberschenkel, Bauch oder Oberarm injiziert. Hat der Patient eine Dosis vergessen und die letzte vorgesehene Verabreichung ist nicht länger als zwei Wochen her, soll er die Injektion nachholen. Sind bereits mehr als zwei Wochen vergangen, soll die Dosis übersprungen werden und der Patient im ursprüng­lichen monatlichen Plan bleiben. Die Anwender sollen darin geschult werden, sich die Injektion selbst zu verabreichen.

 

Zinbryta ist im Kühlschrank zu lagern, soll aber bei Injektion Raumtemperatur haben. Ferner sollen die Patienten darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie das Arzneimittel nicht anwenden dürfen, wenn die Spritze oder der Pen einen Sprung aufweisen. Gleiches gilt, wenn die Lösung trüb ist, Schwebeteilchen enthält oder nicht farblos bis gelblich ist.

Wichtige Wechselwirkungen

Eine Impfung mit Lebendimpfstoffen wird während der Behandlung mit Zinbryta und bis zu vier Monate nach Therapieende nicht empfohlen.

Nebenwirkungen

Als häufigste Nebenwirkungen traten Hautreaktionen, ein Anstieg der Leberwerte, Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege, Grippe, gastrointestinale Beschwerden und Depression auf.

 

Bei der Anwendung von Zinbryta wurden teils schwere Hautreaktionen beobachtet, die in der Regel unter einer Behandlung mit topischen oder systemischen Steroiden abklangen. Falls der Ausschlag diffus oder hochentzündlich ist, soll ein Dermatologe aufgesucht werden.

 

Des Weiteren erhöhte Daclizumab in den klinischen Studien die Rate an schwerwiegenden Infektionen. Im Einzelfall kann ein Unterbrechen der Therapie notwendig sein, bis die Infektion abgeklungen ist. Zudem traten unter dem Antikörper vermehrt Colitiden auf. Die betroffenen Patienten sollen an einen Spezialisten überwiesen werden. Zudem soll als Vorsichtsmaßnahme alle drei Monate ein großes Blutbild gemacht werden. Hintergrund sind in den Studien aufgetretene milde bis moderate Lymphopenien.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Unter Daclizumab traten in den klinischen Studien erhöhte Serum-Transaminasen und schwere Leberschädigungen auf. Daher sollen vor Therapiebeginn die Bilirubin- und Serum-Transaminasen-Werte bestimmt werden. Letztere sollen zudem während der Anwendung und bis zu vier Monate nach der letzten Injektion monatlich kontrolliert werden. Nicht empfohlen wird ein Therapiebeginn bei Patienten mit Serum-Transaminasen-Werten von mehr als dem Zweifachen des oberen Normalwerts. Bei Patienten mit bestehender leichter oder mittelschwerer Leberfunktionsstörung oder bei gleichzeitiger Verabreichung anderer hepatotoxischer Arzneimittel sollte der Arzt auf Anzeichen und Symptome einer Leberfunktionsstörung achten. Zinbryta ist zur Behandlung von Patienten mit bestehender schwerer Leberinsuffizienz nicht geeignet.

 

Nur mit Vorsicht soll Daclizumab bei Patienten mit vorbestehenden oder aktuellen depressiven Erkrankungen angewendet werden. Die Betroffenen sollen angewiesen werden, jegliche Anzeichen einer neuen oder sich verschlechternden Depression und/oder Suizidgedanken dem behandelnden Arzt mitzuteilen. In einem solchen Fall ist ein Therapieabbruch in Betracht zu ziehen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Zinbryta beruht auf den Phase-III-Studien SELECT und DECIDE. In SELECT erhielten 621 Patienten mit schubförmiger MS 52 Wochen lang entweder 150 mg oder 300 mg Daclizumab oder Placebo, jeweils als subkutane Injektion alle vier Wochen. Zinbryta 150 mg reduzierte im Vergleich zu Placebo die jährliche Schubrate um 54 Prozent. Zudem blieben unter 150-mg-Daclizumab signifikant mehr Patienten schubfrei (80 versus 64 Prozent). Die 300-mg-Dosis lieferte gegenüber der 150-mg-Dosis keinen Zusatznutzen.

 

Die Zulassungsstudie DECIDE untersuchte Wirksamkeit und Sicherheit von Daclizumab im Vergleich zu Interferon-β-1a (Avonex®). Die Probanden erhielten im Rahmen der 96- bis 144-wöchigen Anwendung entweder 150 mg Daclizumab subkutan einmal alle vier Wochen (n = 922) oder 30 μg Interferon-β-1a intramuskulär einmal wöchentlich (n = 919). Primärer Endpunkt war auch hier die jährliche Schubrate. Am Studienende betrug sie im Zinbryta-Arm 0,22 pro Jahr gegenüber 0,39 pro Jahr im Interferon-Arm, was einer signifikanten Reduktion der jährlichen Schubrate um 45 Prozent entspricht. Zudem reduzierte der Antikörper signifikant das Schubrisiko (73 versus 59 Prozent).

Hintergrundinfos

Der 2016 zugelassene Antikörper Daclizumab ist ein alter Bekannter: Von 1999 bis 2009 war der Wirkstoff unter dem Handelsnamen Zenapax® zur Prophylaxe von Abstoßungsreaktionen nach Nierentransplantationen als Teil einer Kombinationstherapie mit Ciclosporin und Corticosteroiden auf dem Markt. Hersteller Roche nahm damals aus kommerziellen Gründen die europäische Zulassung zurück. Jetzt erlebt der Antikörper in der Indikation Multiple Sklerose eine Renaissance.

 

März 2018: Eigenverantwortliche weltweite Rücknahme der Marktzulassung durch den Hersteller nach Meldungen über entzündliche Enzephalitis und Meningoenzephalitis im Zusammenhang mit einer Zinbryta-Therapie.

Besonderheiten

Zinbryta ist bei Temperaturen von 2–8°C (Kühlschrank) sowie unter Lichtschutz (Originalverpackung) zu lagern zu lagern.

Zinbryta darf bis zu 30 Tage bei Raumtemperatur (bis zu 30 °C) aufbewahrt werden. Nach dem Erwärmen auf Raumtemperatur darf es nicht mehr zurück in den Kühlschrank gelegt werden.

Zinbryta ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Zinbryta darf während der Schwangerschaft nur dann angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen die potenziellen Risiken für den Fetus rechtfertigt. Falls eine Frau während der Behandlung stillen möchte, sollte der Nutzen des Stillens für das Kind gegen den Nutzen der Therapie für die Frau abgewogen werden.

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Letzte Aktualisierung: 06.03.2018