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ARZNEISTOFFE

Brodalumab|Kyntheum®|51|2017

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Brodalumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Kyntheum®
HERSTELLER

Leo Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2017
DARREICHUNGSFORM

210 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

Indikationen

Kyntheum ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit Plaque-Psoriasis. Es darf bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung angewendet werden, die eine systemische Behandlung benötigen.

Wirkmechanismus

Brodalumab ist ein monoklonaler Antikörper, der selektiv an die Interleukin(IL)-17-Rezeptor-Untereinheit A bindet. Dadurch hemmt er das Entzündungsgeschehen bei Schuppenflechte. Brodalumab hat somit einen ähnlichen Wirkmechanismus wie die Antikörper Secukinumab (Cosentyx®) und Ixekizumab (Taltz®), die jedoch nicht an den Rezeptor, sondern an IL-17A selbst binden. Der IL-17-Rezeptor A spielt jedoch nicht nur bei der Signalübermittlung von IL-17A, sondern auch bei der einiger anderer Zytokine eine Rolle. Bei Brodalumab hofft man daher auf eine breitere Wirkung.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von 210 mg Brodalumab wird in den ersten drei Wochen einmal pro Woche und danach alle zwei Wochen verabreicht. Bei Patienten, die nach 12 bis 16 Wochen auf die Behandlung nicht angesprochen haben, sollte ein Abbruch der Therapie erwogen werden. Kyntheum wird subkutan injiziert.

 

Nach einer Schulung können die Patienten den Antikörper selbst applizieren. Die Fertigspritze darf nicht geschüttelt werden, und die Patienten sollten das Medikament nicht in schmerzempfindliche, geprellte, rote, harte, dicke, schuppige oder von Psoriasis betroffene Haut spritzen.

 

Brodalumab kann das Risiko für teils schwerwiegende Infektionen erhöhen. Daher ist bei Patienten mit einer chronischen oder rezidivierenden Infektion in der Anamnese Vorsicht geboten. Treten Anzeichen oder Symptome auf, die auf eine Infektion hinweisen, sollen die Betroffenen einen Arzt aufsuchen. Entwickelt ein Patient unter Kyntheum eine schwere Infektion, muss die Therapie unterbrochen werden, bis die Infektion abgeklungen ist. Patienten mit Morbus Crohn in der Anamnese sollen mit Blick auf die Entwicklung einer aktiven Form der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung engmaschig überwacht werden. Des Weiteren sollen Patienten unter Behandlung mit Brodalumab nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden. Vor Beginn einer Behandlung ist es ratsam, den Impfschutz gemäß den aktuellen Empfehlungen zu aktualisieren.

Wichtige Wechselwirkungen

Patienten unter Behandlung mit Brodalumab sollen nicht mit Lebendimpfstoffen geimpft werden.

Nebenwirkungen

Als häufigste Nebenwirkungen in Studien zu Brodalumab traten Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Durchfall und Schmerzen im Mund und Rachen auf. Weitere häufige unerwünschte Wirkungen waren Influenza, Infektionen der Haut, Übelkeit, Muskelschmerzen, Neutropenien, Ermüdung und Reaktionen an der Injektionsstelle.

 

Es liegen vereinzelt Berichte von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten bei Patienten vor. Zwar konnte kein kausaler Zusammenhang mit Kyntheum nachgewiesen werden, dennoch sollten Nutzen und Risiko bei Patienten sorgfältig abgewogen werden, die in der Vergangenheit suizidales Verhalten gezeigt oder an Depressionen oder Angststörungen gelitten haben. Die Behandlung sollte beendet werden, wenn Patienten an neuen oder sich verschlechternden Symptomen einer Depression leiden und/oder Suizidgedanken festgestellt werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit Morbus Crohn oder mit klinisch bedeutenden aktiven Infektionen, zum Beispiel aktiver Tuberkulose, ist Brodalumab kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Kyntheum basiert auf den drei Phase-III-Studien AMAGINE 1 bis 3 mit mehr als 4300 Psoriasis-Patienten. In allen drei Studien kamen zwei Dosierungen (210 mg oder 140 mg alle zwei Wochen subkutan) sowie Placebo zum Einsatz; AMAGINE-2 und -3 verglichen Brodalumab zudem mit dem Anti-IL-12/23-Antikörper Ustekinumab. In der AMAGINE-2-Studie zeigten 44 Prozent der Patienten nach zwölf Wochen unter 210 mg Brodalumab eine vollständige Symptomfreiheit (PASI 100) gegenüber 22 Prozent unter Ustekinumab. Ähnliche Ergebnisse wurden in der AMAGINE-3-Studie erreicht (37 versus 19 Prozent). Brodalumab erzielte eine anhaltende Wirkung: In Woche 52 konnte mehr als die Hälfte der Patienten (53 bis 56 Prozent) ihre komplett erscheinungsfreie Haut aufrechterhalten (PASI 100), und 75 Prozent erreichten eine nahezu symptomfreie Haut (PASI 90).

 

In allen Studien zeigte Brodalumab ein gutes Verträglichkeits- und Sicherheitsprofil.

Besonderheiten

Kyntheum ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.

Patienten können Kyntheum im Umkarton ein einziges Mal für maximal 14 Tage bei Zimmertemperatur bis zu 25 °C aufbewahren.

Kyntheum ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollen während und bis zwölf Wochen nach einer Brodalumab-Therapie sicher verhüten. Vorsichtshalber soll bei Schwangeren eine Therapie mit Brodalumab vermieden werden.

 

Während der Stillzeit kann ein Risiko für das Neugeborene nicht ausgeschlossen werden. Daher muss entweder auf das Stillen verzichtet oder die Therapie unterbrochen werden.

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Letzte Aktualisierung: 27.02.2019