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ARZNEISTOFFE

Interferon beta-1a|Avonex®|51|1997

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Interferon beta-1a
FERTIGARZNEIMITTEL
Avonex®
HERSTELLER

Biogen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
03/1997
DARREICHUNGSFORM

30 µg/0,5 ml Injektionslösung Fertigspritzen

30 µg/0,5 ml Injektionslösung in einem Fertigpen

Indikationen

Avonex ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS), um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen beziehungsweise die Anzahl der Schübe zu reduzieren. Avonex darf außerdem bei Patienten nach einem einmaligen demyelinisierenden Ereignis mit aktivem, entzündlichen Prozess angewendet werden, wenn dieses eine intravenöse Corticosteroidtherapie rechtfertigt, alternative Diagnosen ausgeschlossen wurden und ein hohes Risiko für die Entwicklung einer klinisch gesicherten MS besteht. 
Bei Patienten, die eine progrediente Form der MS entwickeln, muss Avonex abgesetzt werden.

Wirkmechanismus

In der Molekularstruktur unterscheidet sich das gentechnologisch hergestellte Interferon β-1a vom β-1b darin, dass es mit dem humanen Interferon β identisch ist, während β-1b Punktmutationen im Proteingerüst und ein anderes Muster in der Glykosylierung aufweist. Der genaue Wirkungsmechanismus ist noch nicht bekannt. Es wird angenommen, dass Interferon β-1a bei der MS-Therapie regulierend auf die myelinschädigende Autoimmunreaktion des Organismus wirkt.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis für erwachsene Patienten mit MS beträgt einmal wöchentlich eine Injektion mit 30 µg Interferon β-1a. Die Injektion erfolgt intramuskulär. Patienten müssen die Injektionsstelle jede Woche wechseln.

Wichtige Wechselwirkungen

Interferone können möglicherweise die Aktivität von CYP-abhängigen Leberenzymen verringern. Im Tierversuch fand man keine Beeinträchtigung des Leberstoffwechsels. Dennoch sollte die Kombination von Avonex und Arzneimitteln mit geringer therapeutischer Breite, deren Ausscheidung weitgehend vom CYP-Enzymen abhängt, unter Vorsicht erfolgen.

Nebenwirkungen

Die unter der Therapie mit Avonex am häufigsten genannten Nebenwirkungen sind grippeähnliche Symptome. Dazu zählen Muskelschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwitzen, Asthenie, Kopfschmerzen und Übelkeit. Sie sind tendenziell zu Beginn der Therapie am stärksten ausgeprägt und nehmen im Laufe der Behandlung an Häufigkeit ab.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die Behandlung mit Avonex darf nicht während der Schwangerschaft begonnen werden. Avonex darf außerdem nicht bei Patienten angewendet werden, die aktuell an schweren Depressionen erkrankt sind und/oder Suizidgedanken haben.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In der Molekularstruktur unterscheidet sich das gentechnologisch hergestellte Interferon β-1a vom β-1b darin, dass es mit dem humanen Interferon β identisch ist, während β-1b Punktmutationen im Proteingerüst und ein anderes Muster in der Glykosylierung aufweist. In klinischen Studien konnte das therapeutische Ziel bestätigt werden. Im Vergleich zur Placebogruppe verminderte sich in der Verum-Gruppe während eines Behandlungszeitraumes von zwei Jahren das Risiko einer klinisch signifikanten Progression der Behinderung um 37 Prozent. Außerdem hatten 14 Prozent der Verum-Gruppe über den Zeitraum von zwei Jahren drei oder mehr Schübe, in der Placebogruppe 32 Prozent.

Besonderheiten

Avonex ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern. Es darf nicht einfrieren. Bis zu einer Woche kann es bei Temperaturen von 15–30 °C (Raumtemperatur) aufbewahrt werden.

Avonex ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Der Beginn einer Behandlung mit Avonex bei bereits bestehender Schwangerschaft ist kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter, die mit Avonex behandelt werden, müssen eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. In der Stillzeit muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Avonex unterbrochen werden soll.

Letzte Aktualisierung: 29.05.2018