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ARZNEISTOFFE

Baricitinib|Olumiant®|51|2017

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STOFFGRUPPE
05 Analgetika/Antirheumatika
WIRKSTOFF
Baricitinib
FERTIGARZNEIMITTEL
Olumiant®
HERSTELLER

Lilly

MARKTEINFÜHRUNG (D)
04/2017
DARREICHUNGSFORM

2 mg Filmtabletten

4 mg Filmtabletten

Indikationen

Olumiant darf bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis angewendet werden, die auf eine vorangegangene Behandlung mit einem oder mehreren DMARD unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Olumiant kann als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) angewendet werden.

Wirkmechanismus

Baricitinib ist ein reversibler, selektiver Inhibitor bestimmter Januskinasen (JAK). Diese Enzyme leiten Signale von Zytokinen und Wachstumsfaktoren von der Zelloberfläche ins Zellinnere weiter. Bacitrinib hemmt selektiv JAK1 und JAK2. Es verhindert, dass Zytokine wie IL-6, INF-α/β und GM-CSF eine komplexe Signalkaskade in Gang setzen, die im Zellkern die Produktion jener Proteine ankurbelt, die für eine verstärkte Immun- und Entzündungsantwort verantwortlich sind.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 4 mg Baricitinib einmal täglich. Sie kann auf 2 mg einmal täglich reduziert werden, wenn die Krankheit unter Kontrolle ist. Die Dosis von 2 mg pro Tag ist zudem für Patienten über 75 Jahre  sowie für solche mit chronischen oder rezidivierenden Infekten gedacht. Auch Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei der gleichzeitigen Einnahme von Inhibitoren von Organischen Anionen-Transportern vom Typ 3 mit starkem Hemmpotenzial (OAT3-Hemmer) wie Probenecid sollte die 2-mg-Dosis gewählt werden.

 

Olumiant Filmtabletten können unabhängig von den Mahlzeiten und der Tageszeit eingenommen werden.

 

Nicht empfohlen wird die Anwendung bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung und einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min.

 

Die Anwendung von Baricitinib ist mit einer im Vergleich zu Placebo erhöhten Infektionsrate assoziiert. Daher sollten bei Patienten mit aktiven, chronischen oder wiederkehrenden Infektionen vor Therapiebeginn Nutzen und Risiken einer Olumiant-Behandlung sorgfältig abgewogen werden. Entwickelt der Patient unter der Einnahme eine Infektion, ist er sorgfältig zu überwachen und die Therapie vorübergehend zu unterbrechen. Sie darf erst wieder aufgenommen werden, wenn die Infektion vollständig ausgeheilt ist. Vor Therapiebeginn müssen die Patienten auf Tuberkulose getestet werden. Während oder unmittelbar vor einer Baricitinib-Behandlung sollte den Patienten kein attenuierter Lebendimpfstoff verabreicht werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Nicht empfohlen wird die Kombination von Baricitinib mit biologischen DMARD oder anderen JAK-Inhibitoren, da das Risiko eines additiven immunsuppressiven Effekts nicht ausgeschlossen werden kann. Vorsicht ist geboten bei der Kombination von Baricitinib mit potenten Immunsuppressiva wie Azathioprin, Tacrolimus und Ciclosporin.

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen in Studien zu Olumiant waren Hypercholesterolämie und Infektionen der oberen Atemwege. Häufig traten zudem unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Gürtelrose und Harnwegsinfektionen auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Olumiant ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Anwendung von Olumiant und nach Beendigung der Behandlung mindestens eine weitere Woche zuverlässig verhüten.

 

Nicht begonnen werden sollte eine Behandlung bei Patienten mit hämatologischen Anomalien (absolute Neutrophilenzahl kleiner als 1 x 109 Zellen/l, absolute Lymphozytenzahl kleiner als 0,5 x 109 Zellen/l oder Hämoglobinwert kleiner als 8 g/dl). In den klinischen Studien wurden vermehrt Virusreaktivierungen beobachtet, etwa von Herpes-zoster- oder Herpes-simplex-Viren. Vor Therapiebeginn sollte daher entsprechend der Leitlinien ein Screening auf eine virale Hepatitis durchgeführt werden.

 

Des Weiteren wurde in den Studien von Erhöhungen der Lipidwerte berichtet. Daher sollten nach Beginn der Therapie die Lipidparameter zwölf Wochen lang überprüft werden und die Patienten bei Bedarf mit einem Statin behandelt werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Baricitinib basiert auf den Ergebnissen von vier Phase-III-Studien, die ein breites Patientenspektrum einschlossen: MTX-/DMARD-naive Patienten (RA-BEGIN) sowie Patienten, die inadäquat auf MTX (RA-BEAM), andere DMARD (RA-BUILD) oder TNF-Inhibitoren (RA-BEACON) angesprochen hatten. Schlüsselstudie war RA-BEAM mit 1307 RA-Patienten, bei denen es trotz einer MTX-Behandlung zum Fortschreiten der Erkrankung gekommen war. In der Studie bekamen die Patienten weiterhin MTX und zusätzlich entweder einmal täglich 4 mg Baricitinib oder zweimal wöchentlich 40 mg Adalimumab oder Placebo. Als primärer Endpunkt war die ACR20 in Woche 12 definiert: Sie beschreibt eine Verbesserung der Gelenkbeschwerden um 20 Prozent nach den Kriterien des American College of Rheumatology.

 

Dieses Ziel erreichten in der Baricitinib-Gruppe mit 70 Prozent signifikant mehr Patienten als in der Placebogruppe mit 40 Prozent. In der Adalimumab-Gruppe war dies bei 61 Prozent der Fall. Vergleichbare Ergebnisse wurden in dem sekundären Endpunkt DAS28 gefunden, der die Krankheitsaktivität in 28 Gelenken bewertet. Des Weiteren zeigte Baricitinib gegenüber Adalimumab in den Wochen 24 und 54 signifikant höhere Ansprechraten für die Parameter ACR50, ACR70 und Fatigue. Zudem belegen die Studienergebnisse einen schnellen Wirkeintritt und eine lang anhaltende Wirksamkeit von Baricitinib: Bereits ab Woche 8 erreichten Patienten mit Baricitinib signifikant häufiger ein ACR50-Ansprechen als Patienten mit Adalimumab (p ≤ 0,01). Diese Verbesserung hielt bis Woche 52 an.

Hintergrundinfos

Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Systemerkrankung des Bindegewebes, die vorwiegend die Gelenke betrifft und in der Regel zu deren Zerstörung führt. Man schätzt, dass in Deutschland circa 550.000 Menschen betroffen sind. Frauen erkranken etwa dreimal häufiger als Männer. Der Erkrankungsbeginn ist in jedem Lebensalter möglich, liegt aber meistens zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Für die medikamentöse Therapie stehen Substanzen aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung: nicht steroidale Antirheumatika, Glucocorticoide, krankheitsmodifizierende Basismedikamente (DMARD) wie Methotrexat sowie Biologika. Erklärtes Therapieziel ist heutzutage die Remission.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Olumiant sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Olumiant ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Baricitinib

Baricitinib

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Baricitinib.wrl

Weitere Hinweise

Olumiant ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Anwendung von Olumiant und nach Beendigung der Behandlung mindestens eine weitere Woche zuverlässig verhüten. Laut Fachinformation sollen auch Stillende Olumiant nicht erhalten.

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Letzte Aktualisierung: 27.02.2019