Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Avacopan|Tavneos®|51|2022

STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Avacopan
FERTIGARZNEIMITTEL
Tavneos®
HERSTELLER

Vifor Pharm

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2022
DARREICHUNGSFORM

10 mg Hartkapseln

ATC-CODE
noch nicht vergeben
ORPHAN DRUG
Ja

Indikationen

Avacopan ist bei zwei Formen der ANCA-Vaskulitis im Erwachsenenalter zugelassen: bei der schweren und aktiven Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) und bei der schweren und aktiven mikroskopischen Polyangiitis (MPA). Es wird immer mit Rituximab oder Cyclophosphamid kombiniert.

Wirkmechanismus

Avacopan ist ein selektiver Antagonist des humanen Komplement-5a-(C5a-)Rezeptors. Die Blockade dieses Rezeptors reduziert die entzündungsfördernden Wirkungen von C5a, einschließlich Neutrophilen-Aktivierung, Migration und Adhärenz an Endothel-Oberflächen von Gefäßen.

 

Mit Eculizumab und Ravulizumab gibt es zwei Antikörper mit einem ähnlichen Wirkprinzip. Sie binden jedoch an den Komplementfaktor C5, nicht an den Rezeptor der Untereinheit C5a. Zudem sind sie bei anderen Erkrankungen zugelassen und nicht oral verfügbar.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 30 mg Avacopan zweimal täglich zu den Mahlzeiten. Die Patienten müssen die Hartkapseln im Ganzen mit Wasser einnehmen und dürfen sie nicht zerdrücken, zerkauen oder öffnen. Außerdem müssen sie Grapefruit und Grapefruitsaft meiden.

 

Bei Auftreten bestimmter schwerer Nebenwirkungen ist die Behandlung möglicherweise zu auszusetzen oder abzubrechen. Regelmäßig sind Leberparameter und die Leukozytenzahl zu kontrollieren. Patienten sollten angewiesen werden, jedes Anzeichen einer Infektion, unerwartete Blutergüsse oder Blutungen unverzüglich zu melden.

 

Bei schwerer Leberfunktionsstörung wird Avacopan nicht empfohlen. Impfungen sollten vor Einleitung einer Avacopan-Therapie oder während einer Ruhephase der Erkrankung erfolgen.

Wichtige Wechselwirkungen

Avacopan wird vor allem durch CYP3A4 metabolisiert. Daher ist bei der gleichzeitigen Anwendung von starken CYP3A4-Inhibitoren grundsätzlich Vorsicht geboten. Dazu gehören unter anderem Clarithromycin, Ketoconazol oder Boceprevir. Sie können die Wirkspiegel von Avacopan deutlich erhöhen. Aus diesem Grund sollten auch Grapefruit und Grapefruitsaft nicht verzehrt werden.

 

Die gleichzeitige Anwendung starker CYP3A4-Induktoren kann die Avacopan-Wirkspiegel entsprechend vermindern. Zu diesen gehören Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut. Patienten, bei denen eine langzeitige Anwendung starker CYP3A4-Induktoren erforderlich ist, dürfen nicht mit Avacopan behandelt werden. Bei einer gleichzeitigen kurzzeitigen Anwendung muss der Patient engmaschig auf das erneute Auftreten der Krankheitsaktivität überwacht werden.

 

Avacopan ist seinerseits ein schwacher CYP3A4-Inhibitor. Bei der gleichzeitigen Anwendung von CYP3A4-Substraten mit enger therapeutischer Breite ist Vorsicht geboten. Zu diesen gehören unter anderem Alfentanil, Fentanyl und Tacrolimus.

 

Außerdem kann eine Wechselwirkung zwischen dem sonstigen Bestandteil Macrogolglycerolhydroxystearat auf PGP-Substrate mit relativ geringer Bioverfügbarkeit nicht ausgeschlossen werden. Zu diesen gehört zum Beispiel Dabigatranetexilat. Daher ist auch hier Vorsicht geboten.

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen von Avacopan sind Übelkeit (24 Prozent), Kopfschmerzen (21 Prozent), erniedrigte Leukozytenzahl (19 Prozent), Infektionen der oberen Atemwege (15 Prozent), Durchfall (15 Prozent), Erbrechen (15 Prozent) und Nasopharyngitis (15 Prozent). Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren anomale Leberfunktion (5 Prozent) und Pneumonie (5 Prozent).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Avacopan wurde in der randomisierten und doppelblinden Phase-III-Studie Advocate bei 330 Patienten mit ANCA-Vaskulitis untersucht. Die Patienten erhielten in einem Arm zweimal täglich 30 mg Avacopan über 52 Wochen in Kombination mit »Prednison-Placebo« über 20 Wochen. Im anderen Arm nahmen die Probanden »Avacopan-Placebo« über 52 Wochen in Kombination mit Prednison (mit Ausschleichen von 60 mg/d auf null über 20 Wochen) ein. Alle Patienten erhielt zudem eine immunsuppressive Standardtherapie.

 

Ziel der Studie war es festzustellen, ob Avacopan eine wirksame Behandlung darstellt und gleichzeitig eine Reduzierung des Einsatzes von Glucocorticoiden ermöglicht. Nach 26-wöchiger Behandlung mit Avacopan befanden sich 72 Prozent der Patienten in vollständiger Remission, verglichen mit 70 Prozent der Patienten, die 20 Wochen lang das Corticoid erhalten hatten. Daten der Studie zeigen ferner eine Überlegenheit bei der Aufrechterhaltung der Remission nach 52 Wochen in der Avacopan-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe (66 versus 55 Prozent).

Hintergrundinfos

ANCA steht für antineutrophile zytoplasmatische Antikörper. Die ANCA-assoziierte Vaskulitis ist eine systemische Erkrankung, bei der eine Überaktivierung des Komplementweges Neutrophile weiter aktiviert, was zur Entzündung und Zerstörung kleiner Blutgefäße führt. Dies hat Organschäden und -versagen zur Folge. Insbesondere die Nieren sind davon betroffen. Vor der Zulassung von Tavneos wurden zur Behandlung neben Glucocorticoiden zum Beispiel auch Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid oder Rituximab eingesetzt.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Tavneos sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Tavneos ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Avacopan

Avacopan

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

avacopan.wrl

Weitere Hinweise

Für Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird Avacopan nicht empfohlen, da tierexperimentelle Studien eine Reproduktionstoxizität gezeigt haben. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen unterbrochen oder auf die Einnahme von Tavneos verzichtet werden soll.

Packshot

Vorläufige Bewertung

Sprunginnovation

Letzte Aktualisierung: 03.03.2022

Mehr aus Stoffgruppe 51 Immunmodulatoren