Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Ozanimod|Zeposia®|51|2020

STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Ozanimod
FERTIGARZNEIMITTEL
Zeposia®
HERSTELLER

Celgene

MARKTEINFÜHRUNG (D)
07/2020
DARREICHUNGSFORM

0,23 mg Hartkapseln

0,46 mg Hartkapseln

0,92 mg Hartkapseln

Indikationen

Zeposia ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver schubförmig remittierender Multiple Sklerose (RRMS), definiert durch klinische oder bildgebende Befunde. RRMS ist die häufigste Verlaufsform zum Zeitpunkt der Diagnosestellung einer MS. Bei etwa 85 Prozent der Patienten wird anfangs die Diagnose RRMS gestellt.

Wirkmechanismus

Ozanimod ein Sphingosin-1-Phosphat (S1P)-Rezeptormodulator. Der Wirkmechanismus der S1P-Rezeptormodulatoren ist bislang nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass S1P mit den G-Protein-gekoppelten S1P-Rezeptoren interagiert, wodurch es unter anderem verschiedene immunologische und neurologische Prozesse beeinflusst. Unter physiologischen Bedingungen wandern bestimmte Lymphozyten zwischen Lymphknoten und Blutgefäßen. Als Signal zum Austritt aus den Lymphknoten dient ein chemotaktischer S1P-Gradient zwischen peripheren lymphatischen Organen und den Blutgefäßen. Lymphozyten folgen diesem S1P-Gradienten und können so die Lymphknoten verlassen.

 

Von fünf Rezeptor-Subtypen (S1P1-5), die in verschiedenen Geweben unterschiedlich stark exprimiert werden, findet sich insbesondere S1P1 auf B- und T-Lymphozyten und regelt deren Austritt aus den Lymphknoten. Deshalb scheint die Wirkung auf den S1P1-Rezeptor für die Wirksamkeit der drei Wirkstoffe entscheidend zu. Sie wirken alle als funktionelle Antagonisten am S1P1-Rezeptor. Das bewirkt dessen Internalisierung und Abbau, was zu einer S1P1-Desensibilisierung der Lymphozyten führt. Dadurch können diese dem S1P-Gradienten nicht mehr folgen und so nicht mehr aus den Lymphknoten migrieren. Während Fingolimod ein unselektiver S1P-Rezeptormodulator ist, docken Ozanimod und Siponimod selektiv an die Subtypen 1 und 5 an.

Anwendungsweise und -hinweise

Ozanimod wird einmal täglich als Kapsel eingenommen. Weil es durch Ozanimod zur vorübergehenden Abnahme der Herzfrequenz kommen kann, sollte die Dosis zu Beginn der Behandlung oder nach einer längeren Unterbrechung nur langsam gesteigert werden. Die Anfangsdosis beträgt während der ersten vier Tage eine 0,23-mg-Kapsel täglich, während der folgenden drei Tage eine 0,46-mg-Kapsel täglich und ab dem achten Tag eine 0,92-mg-Kapsel täglich. Bei bestimmten Risikopatienten wird nach Erstgabe von Ozanimod eine sechsstündige Überwachung auf Anzeichen und Symptome einer Bradykardie empfohlen.

 

Patienten, die Ozanimod einnehmen, sollten sich nicht ohne Schutz dem Sonnenlicht aussetzen, da bei ihnen ein potenziell höheres Risiko für bösartige Wucherungen besteht.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Inhibitoren des Brustkrebsresistenz-Proteins (BCRP), von MAO-Hemmern oder CYP2C8-Induktoren mit Ozanimod wird nicht empfohlen. Das kann zu erhöhten beziehungsweise erniedrigten Spiegeln von Ozanimod führen und damit dessen Wirksamkeit oder Sicherheit beeinflussen. Zudem hat die Einleitung einer Ozanimod-Therapie bei Patienten, die einen Betablocker oder einen Calciumkanal-Blocker erhalten, wegen der Möglichkeit für additive Effekte bezüglich der Herzfrequenz-Abnahme mit Vorsicht zu erfolgen.

 

Die Anwendung von attenuierten Lebendimpfstoffen kann ein Infektionsrisiko bergen und sollte daher während der Behandlung mit dem Wirkstoff und für bis zu drei Monate danach vermieden werden. Zudem sollten Patienten, die Ozanimod einnehmen, sich nicht ohne Schutz dem Sonnenlicht aussetzen, da bei ihnen ein potenziell höheres Risiko für bösartige Wucherungen besteht.

Nebenwirkungen

Sehr häufig beobachtete Nebenwirkungen von Ozanimod sind Nasopharyngitis und Lymphopenie. Häufig treten unter anderem erhöhte Leberenzym-Werte, Virusinfektionen der Atemwege, Harnwegsinfektionen, Pharyngitis sowie Bradykardie und Hypertonie auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Kontraindiziert ist Zeposia während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässige Methode zur Empfängnisverhütung anwenden. Aufgrund des Potenzials für schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch Ozanimod und seine Metabolite bei gestillten Säuglingen sollen Frauen, die mit Ozanimod behandelt werden, nicht stillen.

 

Weitere Kontraindikationen sind schwere Leberfunktionsstörung, Immunschwäche, schwere aktive Infektionen und aktive maligne Erkrankungen. Zudem ist Ozanimod bei Patienten mit bestimmten Herzerkrankungen und bei Patienten, die in den vergangenen sechs Monaten zum Beispiel einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder andere Herzprobleme hatten, tabu. Vor Einleitung der Ozanimod-Therapie ist bei allen Patienten ein EKG durchzuführen, um etwaige Vorerkrankungen des Herzens festzustellen. Der Blutdruck sollte während einer Ozanimod-Therapie regelmäßig kontrolliert werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Zeposia basiert auf Daten der beiden randomisierten und doppelblinden Phase-III-Studien SUNBEAM und RADIANCE Teil B, an denen insgesamt mehr als 2600 Patienten teilnahmen. Verglichen wurde jeweils mit Interferon β-1a (IFN β-1a). Im Vergleich dazu zeigte sich für Ozanimod in der SUNBEAM-Studie über einen Behandlungszeitraum von mindestens zwölf Monaten eine relative Verringerung der jährlichen Schubrate (Annualized Relapse Rate, ARR) um 48 Prozent (absolute ARR 0,18 versus 0,35) sowie in der RADIANCE-Studie über 24 Monate eine relative Verringerung um 38 Prozent (absolute ARR 0,17 versus 0,28).

 

In SUNBEAM zeigte sich unter der Behandlung mit Ozanimod nach zwölf Monaten eine geringere Anzahl T1-gewichteter Gadolinium-anreichernder (Gadolinium-enhanced, GdE) Läsionen als unter IFN β-1a (0,16 versus 0,43). Darüber hinaus war auch die Anzahl neuer beziehungsweise sich vergrößernder T2-Läsionen unter Ozanimod im Vergleich zu INF β-1a nach zwölf Monaten geringer (1,47 versus 2,84). Auch in RADIANCE gab es ähnliche Vorteile. Unter Ozanimod gab es nach einem Behandlungszeitraum von 24 Monaten eine geringere Anzahl T1-gewichteter GdE-Läsionen als unter IFN β-1a (0,18 versus 0,37). Zudem war auch hier die Anzahl neuer beziehungsweise sich vergrößernder T2-Läsionen unter Ozanimod im Vergleich zu IFN β-1a geringer (1,84 versus 3,18).

 

In SUNBEAM zeigte sich nach einem Jahr im Vergleich zu IFN β-1a eine geringere mittlere prozentuale Veränderung des Gehirnvolumens gegenüber dem Ausgangswert (-0,41 versus -0,61 Prozent). In der RADIANCE-Studie betrug die mittlere Verringerung des Gehirnvolumens von Baseline bis Monat 24 unter Ozanimod -0,71 Prozent, unter IFN β-1a lag dieser Wert bei -0,94 Prozent.

Besonderheiten

Zeposia ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern.
Zeposia ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Ozanimod

Ozanimod

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

ozanimod.wrl

Weitere Hinweise

Zeposia ist während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässige Methode zur Empfängnisverhütung anwenden, kontraindiziert. Aufgrund des Potenzials für schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch Ozanimod und seine Metabolite bei gestillten Säuglingen sollen Frauen, die mit Ozanimod behandelt werden, nicht stillen.

Vorläufige Bewertung

Schrittinnovation

Letzte Aktualisierung: 04.08.2020