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ARZNEISTOFFE

Diroximelfumarat|Vumerity™|51|2022

STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Diroximelfumarat
FERTIGARZNEIMITTEL
Vumerity™
HERSTELLER

Biogen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
01/2022
DARREICHUNGSFORM

231 mg magensaftresistente Hartkapseln

ATC-CODE
L04AX09
ORPHAN DRUG
Nein

Indikationen

Vumerity ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS).

Wirkmechanismus

Diroximelfumarat ist wie Dimethylfumarat ist ein Prodrug, das in vivo zum aktiven Metaboliten Monomethylfumarat umgewandelt wird. Wie dieser Metabolit genau bei MS wirkt, ist noch unbekannt. Es wird angenommen, dass Monomethylfumarat die Wirkung des Proteins Nrf2 verstärkt. Die Aktivierung von Nrf2 und die daraus resultierende erhöhte Produktion von Antioxidanzien scheint dazu beizutragen, die Aktivität des Immunsystems zu kontrollieren und Schädigungen des Gehirns und des Rückenmarks zu reduzieren.

Anwendungsweise und -hinweise

Patienten nehmen in den ersten sieben Tagen der Therapie zweimal täglich 231 mg Diroximelfumarat ein, anschließend zweimal täglich 462 mg. Die Kapseln müssen als Ganze geschluckt und dürfen nicht zerdrückt, zerkaut oder geöffnet werden. Die Einnahme kann mit oder ohne Mahlzeit erfolgen. Für Patienten, die unter Hitzegefühl oder gastrointestinalen Nebenwirkungen leiden, kann die Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit die Verträglichkeit verbessern.

 

Die Dosis kann bei Patienten, bei denen Nebenwirkungen wie Hautrötungen oder Magen-Darm-Probleme auftreten, vorübergehend verringert werden. Vor Therapiebeginn und danach in regelmäßigen Abständen sollten Nieren- und Leberparameter bestimmt und ein Blutbild, einschließlich Lymphozyten, erstellt werden. Die Behandlung darf bei schwerer Lymphopenie nicht erfolgen. Patienten sollten wissen, dass sie Symptome von Infektionen immer dem Arzt mitteilen müssen.

Wichtige Wechselwirkungen

Während der Behandlung mit Diroximelfumarat sollte eine gleichzeitige Anwendung von anderen Fumarsäureestern (topisch oder systemisch) vermieden werden. Auch Dimethylfumarat sollte nicht gleichzeitig gegeben werden.

 

Eine gleichzeitige Behandlung mit nephrotoxischen Arzneimitteln kann das Risiko renaler Nebenwirkungen erhöhen. Zu diesen gehören zum Beispiel Aminoglykoside, Diuretika, nicht-steroidale Antiphlogistika/Antirheumatika oder Lithium.

 

Patienten, die mit Diroximelfumarat behandelt werden, sollten keine Lebendimpfstoffe erhalten.

Nebenwirkungen

Da Diroximelfumarat und Dimethylfumarat nach oraler Anwendung schnell zu Monomethylfumarat metabolisiert werden, sind die Nebenwirkungen der beiden Wirkstoffe vergleichbar.

 

Die unter der Therapie mit Dimethylfumarat am häufigsten genannten Nebenwirkungen waren Hitzegefühl (35%) und gastrointestinale Ereignisse (zum Beispiel Diarrhö 14%, Übelkeit 12%, Abdominalschmerz 10 % und Schmerzen im Oberbauch 10%).

 

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen, die bei mit Dimethylfumarat behandelten Patienten zu einem Therapieabbruch führten, waren Hitzegefühl (3 %) und gastrointestinale Ereignisse (4 %).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Patienten mit vermuteter oder bestätigter progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML) dürfen nicht mit Diroximelfumarat behandelt werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Grundlage der Zulassung von Vumerity waren die Ergebnisse pharmakokinetischer Überbrückungsstudien. Sie zeigten, dass Diroximelfumarat und Dimethylfumarat in Bezug auf die Exposition gegenüber Monomethylfumarat vergleichbar sind. Daher wird davon ausgegangen, dass sich die Wirksamkeitsprofile ähneln. Auch das Langzeit-Sicherheits- sowie das Wirksamkeitsprofil von Dimethylfumarat waren wichtige zu berücksichtigende Aspekte. Langzeitdaten der Endorse-Studie bei Patienten, die bis zu 13 Jahre mit Tecfidera behandelt wurden, zeigen eine anhaltend niedrige Schubrate: Bei den von Anfang an mit Dimethylfumarat therapierten Patienten lag die mittlere jährliche Schubrate bei 0,14.

 

Die Rationale für die Markteinführung einer neuen Fumarat-Therapie sind Verträglichkeitsaspekte. Dimethylfumarat bereitet nicht wenigen Patienten gastrointestinale Beschwerden, da beim Abbau zu Monomethylfumarat auch Methanol entsteht. Hier bietet Diroximelfumarat Vorteile, wie auch die Studie EVOLVE-MS-2 zeigt. In dieser ebenfalls für die Zulassung relevanten Studie wurde die gastrointestinale Verträglichkeit der beiden Fumarate bei mehr als 500 RRMS-Patienten über einen fünfwöchigen Behandlungszeitraum randomisiert untersucht. Die Patienten erhielten entweder Diroximelfumarat oder Dimethylfumarat. Gastrointestinale Nebenwirkungen wurden insgesamt bei 34,8 Prozent der Patienten unter Diroximelfumarat und bei 49 Prozent der Patienten unter Dimethylfumarat beobachtet. Zu Therapieabbrüchen aus Gründen der Magen-Darm-Verträglichkeit kam es unter Diroximelfumarat bei 0,8 Prozent der Behandelten und bei 4,8 Prozent unter Dimethylfumarat. Vorteile zugunsten von Diroximelfumarat bestehen also, allerdings sind Magen-Darm-Nebenwirkungen noch immer sehr häufig.

Besonderheiten

Vumerity ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern.

Vumerity ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Diroximelfumarat

Diroximelfumarat

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

diroximelfumarat.wrl

Weitere Hinweise

In der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird Vumerity nicht empfohlen. Bei Stillenden ist zu entscheiden, ob die Pharmakotherapie oder das Stillen ausgesetzt werden.

Packshot

Vorläufige Bewertung

Schrittinnovation

Letzte Aktualisierung: 02.02.2022

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