Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Ipilimumab|Yervoy®|51|2011

STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Ipilimumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Yervoy®
HERSTELLER

Bristol-Myers Squibb

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2011
DARREICHUNGSFORM

5 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Yervoy ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit fortgeschrittenem (nicht resezierbaren oder metastasierten) Melanom.

Wirkmechanismus

Ipilimumab ist ein vollständig humaner Antikörper, der sich gegen das Protein CTLA-4 (Cytotoxic T-Lymphocyte Antigen-4) richtet, das auf der Oberfläche von T-Zellen exprimiert wird. CTLA-4 hemmt die Aktivität der T-Zellen. Bindet Ipilimumab an das Protein, wird dessen Wechselwirkung mit seinen Liganden CD80/CD86 blockiert. Ipilimumab wirkt also indirekt als Verstärker der T-Zell-vermittelten Immunantwort. Bei Melanompatienten stieg die mittlere Lymphozytenzahl im peripheren Blut während der gesamten Induktionsphase dosisabhängig an.

Anwendungsweise und -hinweise

Ipilimumab wird als 90-minütige intravenöse Infusion gegeben. Die empfohlene Dosis liegt bei 3 mg pro kg Körpergewicht insgesamt viermal im Abstand von je drei Wochen. Vor Beginn und während der Therapie muss der Arzt regelmäßig die Leberfunktion und die Schilddrüsenwerte kontrollieren.

Wichtige Wechselwirkungen

Ipilimumab wird nicht über Cytochrom-P-450- Enzyme oder andere Enzyme des Arzneistoffmetabolismus abgebaut.

 

Die Gabe systemischer Glucocorticoide vor Beginn einer Behandlung mit Ipilimumab sollte vermieden werden, da sie die Wirksamkeit von Ipilimumab vermindern kann. Nach dem Therapiestart mit Ipilimumab können Corticosteroide und Immunsuppressiva wieder zum Einsatz kommen.

 

Patienten, die Antikoagulanzien erhalten, sollten engmaschig überwacht werden, da das Risiko einer gastrointestinalen Blutung zunehmen kann.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in der Phase-III-Studie zu Ipilimumab waren Diarrhö, Hautausschlag, Juckreiz, Fatigue, Übelkeit und Erbrechen, verminderter Appetit und Bauchschmerzen. Diese waren meist leicht bis mäßig ausgeprägt (Grad 1 oder 2). Jedoch erlitten 10 bis 15 Prozent der Patienten schwerwiegendere immunologische Nebenwirkungen von Grad 3 oder 4 gegenüber 3 Prozent in der gp100-Gruppe (siehe unter Studien). Es gab 14 arzneimittelbezogene Todesfälle, deren Hälfte mit immunologischen Nebenwirkungen assoziiert war.

 

Es können teilweise drastische immunologische Nebenwirkungen auftreten, die durch die übermäßige Aktivität des Immunsystems entstehen. Bei schweren und lebensbedrohlichen Nebenwirkungen an Magen-Darm-Trakt, Leber, Haut, Nervensystem und anderen Organen muss die Behandlung abgesetzt werden, in leichteren Fällen wird sie unterbrochen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In der doppelblinden Phase-III-Studie MDX010-20 bekamen 676 Melanompatienten entweder Ipilimumab als Monotherapie oder in Kombination mit einer experimentellen gp100-Peptidvakzine oder nur die Vakzine. Alle Patienten waren vorbehandelt, unter anderem mit Interleukin-2, Dacarbazin, Temozolomid oder Carboplatin. Je nach Verträglichkeit erhielten sie vier Dosen des Antikörpers alle drei Wochen. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben in den Yervoy-Gruppen im Vergleich zur gp100-Gruppe.

 

Yervoy war statistisch signifikant überlegen. In der Antikörpergruppe überlebten die Patienten etwa zehn Monate im Vergleich zu sechs Monaten mit der Vakzine. Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Ipilimumab-Gruppen. Nach einem Jahr lebten 46 Prozent der Patienten unter Ipilimumab gegenüber 25 Prozent unter gp-100; nach zwei Jahren waren es 24 versus 14 Prozent.

Hintergrundinfos

Die Zulassungsbehörde hat den Hersteller verpflichtet, Ärzten und Patienten Informationsbroschüren zur sicheren Anwendung von Ipilimumab zur Verfügung zu stellen. Die Patienten erhalten zudem eine Info-Karte mit den wichtigsten Sicherheitsinformationen.

Besonderheiten

Yervoy muss im Kühlschrank (2–8 °C) und im Originalkarton (Lichtschutz) gelagert werden. Es darf nicht einfrieren.
Nach dem Öffnen und Verdünnen sollte die Lösung möglichst unverzüglich verwendet werden. Eine Lagerung bis zu 24 Stunden im Kühlschrank (2–8 °C) oder bei Raumtemperatur (20–25 °C) ist jedoch möglich.
Yervoy ist verschreibungspflichtig.

Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/002213/WC500109303.pdf

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002213/WC500109299.pdf

 

Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):
www.iqwig.de/index.1454.html

 

Lob für Ipilimumab, Tadel für Belimumab und Fampridin, Meldung vom 03.05.2012

Weitere Hinweise

Eine Anwendung von Yervoy bei gebärfähigen Frauen, die nicht verhüten, und bei Schwangeren wird nicht empfohlen. In der Stillzeit sollte unter Abwägung des jeweiligen Nutzens und der Risiken abgewogen werden, ob die Therapie mit Yervoy oder das Stillen unterbrochen werden soll.

Letzte Aktualisierung: 16.02.2017