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ARZNEISTOFFE

Dupilumab|Dupixent®|51|2017

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Dupilumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Dupixent®
HERSTELLER

Sanofi Genzyme

MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2017
DARREICHUNGSFORM

300 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

Indikationen

Dupixent ist zugelassen zur Therapie von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis, die für eine systemische Therapie infrage kommen. Es kann als Monotherapie oder in Kombination mit topischen Corticosteroiden gegeben werden. Topische Calcineurin-Inhibitoren können ebenfalls angewendet werden, sollten aber auf Problemzonen wie das Gesicht, den Hals, Hautfalten und die Genitalregion beschränkt werden.

Wirkmechanismus

Mit dem monoklonalen Antikörper Dupilumab steht erstmals ein Immuntherapeutikum zur Verfügung, das gezielt in den Pathomechanismus der Neurodermitis eingreift. Dupilumab blockiert die α-Untereinheit des Interleukin (IL)-4-Rezeptors, die sowohl Teil des IL-4- als auch des IL-13-Rezeptors ist. Deshalb werden durch Dupilumab sowohl der IL-4- als auch der IL-13-Signalweg gehemmt. Diese beiden Zytokine, die im Normalfall nur bei einer Parasiteninfektion vermehrt ausgeschüttet werden, sind bei Neurodermitis-Patienten im Überfluss vorhanden.

Anwendungsweise und -hinweise

Dupixent wird alle zwei Wochen als subkutane Injektion in den Oberschenkel, den Oberarm oder das Abdomen verabreicht. Dabei ist ein Umkreis von 5 cm rund um den Bauchnabel ebenso auszusparen wie empfindliche, verletzte oder vernarbte Haut sowie Hautstellen mit blauen Flecken.

 

Die Dosierung beträgt einmalig 600 mg (also zwei Spritzen) und danach jeweils 300 mg pro Injektion. Nach entsprechender Schulung können der Patient oder ein Betreuer das Dupixent selbst verabreichen.

 

Wurde eine Dosis versäumt, ist sie schnellstmöglich nachzuholen. Danach soll die Behandlung zum nächsten geplanten Anwendungszeitpunkt regulär fortgesetzt werden.

 

Eine vorbestehende Helminthose muss behandelt werden, bevor eine Therapie mit Dupilumab eingeleitet wird, da Dupilumab die Immunreaktion dämpft, mit der der Körper auf einen Wurmbefall reagiert. Infiziert sich der Patient während der Therapie mit Dupilumab mit Würmern und spricht dann nicht auf eine antiparasitäre Behandlung an, muss Dupilumab ausgesetzt werden, bis der Wurmbefall ausgeheilt ist.

 

Besondere Sorgfalt ist auch bei Patienten mit vorbestehendem Asthma geboten. Sie dürfen, wenn sie mit Dupilumab behandelt werden, ihre Asthma-Medikation nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt verändern oder absetzen.

 

Aufgrund der immunmodulierenden Wirkung von Dupilumab sollte der Patient unter der Therapie keine Lebendimpfung erhalten. Impfungen mit inaktivierten oder Totimpfstoffen sind kein Problem.

Wichtige Wechselwirkungen

Aufgrund der immunmodulierenden Wirkung von Dupilumab sollte der Patient unter der Therapie keine Lebendimpfung erhalten. Impfungen mit inaktivierten oder Totimpfstoffen sind kein Problem.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Dupilumab zählten Reaktionen an der Injektionsstelle, Reaktionen an den Augen wie Konjunktivitis und Blepharitis sowie Lippenherpes. Sehr selten kam es zu einer sogenannten Serumkrankheit oder einer Serumkrankheit-ähnlichen Reaktion, also einer systemischen Überempfindlichkeitsreaktion. In diesen Fällen muss die Behandlung mit Dupilumab sofort abgebrochen und eine geeignete Therapie eingeleitet werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Ausschlaggebend für die Zulassung von Dupixent waren die Ergebnisse der drei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studien SOLO 1 und SOLO 2 sowie CHRONOS, an denen 671, 708 beziehungsweise 740 Patienten teilnahmen. SOLO 1 und SOLO 2 liefen jeweils über 16 Wochen, CHRONOS über 52 Wochen. In allen drei Studien erhielten die Patienten entweder einmalig 600 mg und dann alle zwei Wochen 300 mg Dupilumab, einmalig 600 mg und dann jede Woche 300 mg Dupilumab oder Placebo. In der CHRONOS-Studie wurden zusätzlich topische Corticosteroide gegeben, topische Calcineurin-Inhibitoren waren erlaubt.

 

Um den Schweregrad der Neurodermitis zu ermitteln, wurden verschiedene Scores herangezogen: Investigator's Global Assessment (IGA), Eczema Area and Severity Index (EASI) und Body Surface Area (BSA). Patienten wurden eingeschlossen, wenn sie zu Beginn mindestens einen IGA von 3, einen EASI von 16 und eine BSA von 10 Prozent aufwiesen, was einer mittelschweren bis schweren Erkrankung entspricht. In allen drei Studien war der zusammengesetzte Endpunkt der Anteil der Patienten, bei denen sich der IGA-Wert bis Woche 16 um mindestens zwei Punkte auf dann IGA 0 oder 1 besserte (erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut), sowie der Anteil der Patienten, deren EASI-Wert sich innerhalb dieses Zeitraums um mindestens 75 Prozent besserte (EASI-75).

 

Dieser Endpunkt wurde in allen drei Studien signifikant häufiger unter Dupixent erreicht als unter Placebo. Im Einzelnen lauteten die Ergebnisse nach 16 Wochen, jeweils für SOLO 1, SOLO 2 und CHRONOS: IGA 0 oder 1 37,9 Prozent, 36,1 Prozent und 38,7 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich, 10,3 Prozent, 8,5 Prozent und 12,4 Prozent unter Placebo; EASI-75 51,3 Prozent, 44,2 Prozent und 68,9 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich, 14,7 Prozent, 11,9 Prozent und 23,2 Prozent unter Placebo. In der CHRONOS-Studie wurden zudem folgende Ergebnisse nach 52 Wochen erzielt: IGA 0 oder 1 36,0 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich und 12,5 Prozent unter Placebo; EASI-75 65,2 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich und 21,6 Prozent unter Placebo. Die Ergebnisse unter dem wöchentlichen Dosisintervall waren nicht entscheidend besser als die unter dem zweiwöchentlichen. In einer Erweiterungsstudie wurden zudem die vier- beziehungsweise achtwöchentlichen Anwendungen getestet. Diese schnitten aber schlechter ab als die jetzt zugelassene zweiwöchentliche Dosierung.

Hintergrundinfos

Neurodermitis ist eine häufige Hauterkrankung, die sich meist schon während der ersten Lebensmonate manifestiert. In Deutschland leiden circa 13 Prozent aller Kinder zumindest zeitweilig an Neurodermitis. Bis zum frühen Erwachsenenalter sind etwa 60 Prozent der erkrankten Kinder symptomfrei. Andere Bezeichnungen für die Neurodermitis sind atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem. Es handelt sich um eine chronische oder chronisch-rezidivierende, nicht ansteckende Hauterkrankung, deren Leitsymptom ein starker, oft fast unerträglicher Juckreiz ist. Bei kleinen Kindern zwischen null und zwei Jahren sind meist das Gesicht, die behaarte Kopfhaut und die Streckseiten der Extremitäten betroffen. Später finden sich häufig Ekzeme in den Gelenkbeugen sowie bei Erwachsenen auch Handekzeme oder die sogenannte Prurigo-Form mit stark juckenden Knötchen und Knoten. Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der vorhandenen Symptome. Neben einer topischen Basistherapie mit feuchtigkeitsspendenden Pflegemitteln kommt die topische Anwendung von Glucocorticoiden oder Calcineurin-Inhibitoren infrage. Auch systemische Immunsuppressiva wie Ciclosporin können zum Einsatz kommen.

Besonderheiten

Dupixent ist im Umkarton und im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern. Es kann einmalig für maximal 14 Tage bei Raumtemperatur (bis 25 °C) gelagert werden, darf dabei aber nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden.

 

45 Minuten vor der Anwendung soll die Fertigspritze aus dem Kühlschrank entnommen werden, damit sie Raumtemperatur annimmt.

Dupixent ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft darf Dupixent nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das potenzielle Risiko für das ungeborene Kind überwiegt.

 

In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen oder die Dupixent-Behandlung unterbrochen werden soll. Dabei müssen sowohl der Vorteil des Stillens für das Baby als auch der Nutzen der Therapie für die Mutter berücksichtigt werden.

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Letzte Aktualisierung: 27.02.2019