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ARZNEISTOFFE

Belatacept|Nulojix™|51|2011

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Belatacept
FERTIGARZNEIMITTEL
Nulojix™
HERSTELLER

Bristol-Myers Squibb

MARKTEINFÜHRUNG (D)
07/2011
DARREICHUNGSFORM

250 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Nulojix wird zusammen mit Corticosteroiden und einer Mycophenolsäure (MPA) zur Verhinderung der Organabstoßung nach Nierentransplantation angewendet. Zusätzlich soll in der ersten Woche nach der Operation ein Interleukin-2-Rezeptorantagonist gegeben werden.

Wirkmechanismus

Belatacept wirkt auf T-Zellen des Immunsystems als »Kostimulationsblocker«. Dies ist essenziell für die Wirksamkeit, denn aktivierte T-Zellen sind die vorwiegenden Träger der Immunantwort gegen die »fremde« Niere. Belatacept bindet an die Rezeptormoleküle CD80 und CD86 auf Antigen-präsentierenden Zellen, verhindert in der Folge die CD28-vermittelte Kostimulation von T-Zellen und damit deren Aktivierung. Auf diese Weise trägt es zur Vorbeugung einer Transplantatabstoßung bei.

Anwendungsweise und -hinweise

Nulojix wird als intravenöse Infusion über 30 Minuten verabreicht. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht (KG) des Patienten. In der Einleitungsphase wird eine Dosis von 10 mg/kg KG am Tag 1 (Transplantationstag oder der Tag davor) und dann an den Tagen 5, 14 und 28 verabreicht. Zwei weitere Dosen folgen nach jeweils vier Wochen. Ab Ende der 16. Woche beginnt die Erhaltungsphase; jetzt bekommt der Patient alle vier Wochen 5 mg/kg KG. Die Halbwertszeit des Proteins ist mit acht bis zehn Tagen lang. Dies ist vor allem zu beachten, wenn der Arzt das Immunsuppressivum wechseln will.

Wichtige Wechselwirkungen

Belatacept wird vermutlich nicht durch Cytochrom-P-450-Enzyme und UDP-Glucuronyltransferasen metabolisiert. Wechselwirkungen treten auf diesen Wegen daher vermutlich nicht auf. Wie andere immunsupprimierende Therapien kann auch Belatacept möglicherweise die Impfantwort beeinflussen. Die Anwendung von Lebendimpfstoffen sollte vermieden werden.

Nebenwirkungen

Die Liste der häufigsten schweren Nebenwirkungen von Belatacept ist lang: Harnwegsinfektion, Infektion mit Cytomegalieviren, Fieber, erhöhte Blutwerte von Kreatinin, das als Marker für Nierenprobleme gilt, Nierenbeckenentzündung, Durchfall und Erbrechen, schlecht funktionierendes Transplantat, Leukopenie, Lungenentzündung, Basalzellkarzinom, Anämie und Dehydratation.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Belatacept ist kontraindiziert bei Patienten, die noch keinen Kontakt mit dem Epstein-Barr-Virus hatten. Diese hatten ein erhöhtes Risiko, eine sogenannte Posttransplantations-Lymphoproliferationsstörung (PTLD) zu bekommen. Die PTLD trat unter Belatacept häufiger auf als unter Ciclosporin.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Verträglichkeit von Belatacept wurden in zwei Phase-III-Studien mit mehr als 1200 Patienten mit Nierentransplantation geprüft. Verglichen wurden zwei Dosis-Regimes von Belatacept mit Ciclosporin A. Alle Patienten erhielten in der ersten Woche nach der Operation zusätzlich Corticosteroide, Mycophenolsäure und den Interleukin-2-Rezeptorantagonisten Basiliximab. Hauptzielkriterien waren der Anteil der Patienten, die mit funktionsfähiger transplantierter Niere überlebten, und die Nierenfunktion. Zudem wurde die Zahl der Abstoßungsreaktionen innerhalb eines Jahres nach Transplantation erfasst. Beide Belatacept-Dosierungen waren vergleichbar wirksam, aber die Verträglichkeit im weniger intensiv dosierten Studienarm war besser (die folgenden Daten beziehen sich auf dieses Dosis-Regime).

 

Generell verbesserte Belatacept das Überleben von Patienten und Organ. In der ersten Studie kam es aber häufiger zu Abstoßungen. Hier überlebten 97 Prozent der Patienten unter Belatacept mit funktionierender Niere, verglichen mit 93 Prozent unter Ciclosporin. Eine beeinträchtigte Nierenfunktion hatten 54 Prozent der Patienten unter Belatacept versus 78 Prozent unter Ciclosporin A. Allerdings erlitten 17 Prozent unter dem neuen Medikament innerhalb eines Jahres eine Organabstoßung, unter Ciclosporin nur 7 Prozent.

 

In der zweiten Studie überlebten mit Belatacept 89 versus 85 Prozent (Ciclosporin) der Patienten mit funktionierender Niere. Eine beeinträchtigte Nierenfunktion hatten 77 versus 85 Prozent. Die Abstoßungsraten waren mit 18 und 14 Prozent ähnlich.

 

Die europäische Arzneimittelagentur EMA hat Nulojix zugelassen, obwohl es in den Studien nach einem Jahr mehr akute Abstoßungsreaktionen gab als unter Ciclosporin A. Dies verringerte jedoch nicht die Überlebensrate von Patienten und Organen nach drei Jahren. Zudem ist Belatacept weniger nierentoxisch als andere nach Transplantation eingesetzte Immunsuppressiva.

 

Belatacept ist nicht zugelassen für Patienten nach Lebertransplantation. In einer Phase-II-Studie mit 250 Patienten, die Belatacept oder Tacrolimus erhielten, waren die Sterblichkeit und auch die Rate der Transplantatabstoßungen in den Studienarmen mit Belatacept erhöht.

Hintergrundinfos

Belatacept ist ein lösliches Fusionsprotein, das mithilfe der rekombinanten DNA-Technologie aus Ovarialzellen des chinesischen Hamsters gewonnen wird. Es besteht aus der modifizierten extrazellulären Domäne des humanen zytotoxischen T-Lymphozyten-assoziierten Antigens (CTLA-4) und einem Teil der Fc-Domäne des humanen Immunglobulin-G1-Antikörpers (modifiziertes CTLA-4-Ig).

Besonderheiten

Nulojix ist im Kühlschrank (2–8 °C) und unter Lichtschutz (Originalverpackung) zu lagern.

Bei der Rekonstitution und Anwendung von Nulojix ist eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Unter anderem muss die mitgelieferte silikonfreie Einmalspritze verwendet werden, und die Durchstechflaschen sollten nicht geschüttelt werden, um eine Schaumbildung zu vermeiden. Näheres erläutern die Gebrauchs- und die Fachinformation.

Nulojix ist verschreibungspflichtig.

Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/002098/WC500108358.pdf
 
Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002098/WC500108355.pdf
 
Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):
www.iqwig.de/index.1444.html

 

Belatacept: Nutzenbewertung des IQWiG liegt vor, Meldung vom 16.04.2012

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und bis zu acht Wochen nach Beendigung der Therapie mit Belatacept zuverlässig verhüten. Während der Schwangerschaft sollte Belatacept nicht angewendet werden, wenn dies nicht eindeutig erforderlich ist. Frauen sollten während der Therapie mit Belatacept nicht stillen.

Letzte Aktualisierung: 17.02.2017