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ARZNEISTOFFE

Eculizumab|Soliris®|51|2007

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Eculizumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Soliris®
HERSTELLER

Alexion Pharma

MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2007
DARREICHUNGSFORM

300 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Soliris ist zugelassen zur Behandlung von Patienten mit paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie (PNH). PNH ist eine seltene, lebensbedrohliche Erkrankung, bei der die Erythrozyten zu schnell abgebaut werden, was zu Anämie, Thrombose und dunklem Urin führen kann. Soliris ist außerdem zugelassen zur Behandlung des atypischen Hämolytisch-Urämischen Syndroms (aHUS).

Wirkmechanismus

Bei PNH-Patienten weist ein Teil der Blutzellen einen Defekt von Oberflächenproteinen auf, die über besondere Ankermoleküle, sogenannte Glycosylphosphatidylinositol (GPI)-Anker, mit der Zellmembran verbunden sind. Von diesem Defekt ist auch das Protein CD59 auf der Oberfläche der Erythrozyten betroffen. CD59 verhindert, dass das Komplementsystem die Erythrozyten angreift. Ohne CD59 kommt es zur Zerstörung der betreffenden roten Blutkörperchen.

 

Eculizumab bindet spezifisch und mit hoher Affinität an das Komplementprotein C5, einen wichtigen Bestandteil des körpereigenen Komplement-Abwehrsystems. Dadurch blockiert der Antikörper die Spaltung des Proteins in die Fragmente C5a und C5b und verhindert die Bildung des terminalen Komplementkomplexes C5b-9. So kann die komplementvermittelte intravaskuläre Hämolyse bei PNH-Patienten verhindert werden. Frühe Komponenten der Komplementaktivierung, die für die Opsonierung (Anlagerung von Plasmabestandteilen, die die Phagozytose eingedrungener Erreger steigern) von Mikroorganismen und die Elimination von Immunkomplexen wichtig sind, beeinflusst der Antikörper dagegen nicht.

Anwendungsweise und -hinweise

In der fünfwöchigen Initialphase der Behandlung mit Soliris erhalten erwachsene PNH-Patienten einmal wöchentlich 600 mg Eculizumab über 25 bis 45 Minuten infundiert, gefolgt von 900 mg in der fünften Woche. In der Erhaltungsphase schließt sich in Zwei-Wochen-Abständen die Infusion von 900 mg Wirkstoff an. Für die Indikation aHUS sowie für Kinder und Jugendliche gelten gesonderte Dosierungen.

 

Da unter Eculizumab ein Teil der Komplement-Kaskade blockiert ist, muss mit einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber einer Infektion, zum Beispiel mit kapselbildenden Bakterien wie Meningokokken und Gonokokken, gerechnet werden. Mindestens zwei Wochen vor Beginn der Behandlung müssen die Patienten daher gegen die durch Neisseria meningitidis verursachte Hirnhautentzündung geimpft beziehungsweise der Impfschutz aufgefrischt werden. Dazu werden tetravalente Impfstoffe gegen die Serotypen A, C, Y und W135 empfohlen, vorzugsweise Konjugatimpfstoffe. Zudem ist den Patienten anzuraten, im Falle plötzlichen Fiebers oder schwerer Allgemeinsymptome sofort einen Arzt aufzusuchen, damit eine Antibiotika-Therapie im Ernstfall schnell  aufgenommen wird.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen unter Eculizumab zählen Harnwegsinfektionen, Infektionen der oberen Atemwege, Nasen- und Rachenentzündung, Schwindel, Kopfschmerzen, gastrointestinale Störungen, Rücken- und Gelenkschmerzen, Fieber sowie Prellungen mit Bluterguss.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht angewendet werden darf Eculizumab bei Patienten mit nicht ausgeheilter Infektion mit Neisseria meningitidis oder ohne aktuellen Impfschutz gegen diesen Keim.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Eculizumab wurde in der placebokontrollierten, randomisierten und doppelblinden Hauptstudie mit 88 erwachsenen PNH-Patienten, die im Jahr vor Studienbeginn mindestens vier Bluttransfusionen wegen Anämie erhalten hatten, untersucht. Hauptindikator für die Wirksamkeit waren der Anteil der Patienten, deren Hämoglobinspiegel über ihrem individuellen Zielwert blieb, und die Anzahl der Transfusionen, welche die Patienten in den ersten 26 Wochen der Behandlung benötigten. Während unter Placebo kein Patient einen stabilen Hämoglobinspiegel aufwies und die Patienten durchschnittlich zehn Transfusionen benötigten, wiesen unter Eculizumab fast die Hälfte der Patienten (21 von 43)  eine Hämoglobinstabilisierung auf und Transfusionen waren in dieser Gruppe nicht notwendig.

Hintergrundinfos

PNH: Die paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) erhielt ihren Namen in Anlehnung an eine vor allem nächtlich oder früh morgens unvermittelt (paroxysmal) auftretende Rotfärbung des Urins durch Ausscheidung von Hämoglobin (Hämoglobinurie). Die Erkrankung ist sehr selten: Pro eine Million Einwohner erkranken jährlich schätzungsweise zwischen zwei und zehn daran. PNH tritt hauptsächlich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Zehn bis 15 Jahre nach der Diagnose lebt noch etwa die Hälfte der Patienten. Heilung verspricht nur die allogene Knochenmarktransplantation von einem Geschwisterspender. Da diese Therapie auch Risiken birgt, kommen stattdessen immunsupressive Therapien, Transfusionen und  Eculizumab zum Einsatz.

Besonderheiten

Soliris ist im Kühlschrank (2–8 °C) sowie in der Originalverpackung (Lichtschutz) zu lagern und darf nicht einfrieren.
Das originalverpackte Arzneimittel kann einmalig für maximal drei Tage außerhalb des Kühlschranks und anschließend erneut im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Nach dem Verdünnen sollte Soliris unverzüglich angewendet werden. Die chemische und physikalische Stabilität der verdünnten Lösung ist für 24 Stunden bei 2–8 °C nachgewiesen.
Soliris ist verschreibungspflichtig.

Links

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis 5 Monate nach der Behandlung mit Eculizumab eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten. Mütter sollten in diesem Zeitraum nicht stillen. Während der Schwangerschaft darf Eculizumab nur angewendet werden, wenn dies zwingend erforderlich ist.

Letzte Aktualisierung: 16.11.2015