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ARZNEISTOFFE

Guselkumab|Tremfya®|51|2017

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STOFFGRUPPE
51 Immunmodulatoren
WIRKSTOFF
Guselkumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Tremfya®
HERSTELLER

Janssen-Cilag

MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2017
DARREICHUNGSFORM

100 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

100 mg Injektionslösung in einem Fertigpen

Indikationen

Tremfya ist zugelassen als Erstlinien-Therapie bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie infrage kommen.

Wirkmechanismus

Guselkumab ist der erste zugelassene Vertreter der Substanzklasse der Interleukin (IL)-23 Hemmer. IL-23 ist ein wichtiger Botenstoff bei der Entstehung von Autoimmunkrankheiten. Er beeinflusst die Differenzierung, Proliferation und das Überleben bestimmter T-Zellen sowie von unspezifischen lymphoiden Immunzellen, die proinflammatorische Effektor-Zytokine produzieren. Guselkumab bindet selektiv an die p19-Untereinheit von IL-23 und verhindert so dessen Bindung an seinen Rezeptor. Dadurch wird der IL-23-Signalweg unterbunden.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt 100 mg Guselkumab als subkutane Injektion. Zu Behandlungsbeginn werden zwei Startdosen in den Wochen Null und Vier injiziert. In der Erhaltungsphase bekommen die Patienten die Injektionen alle acht Wochen. Nach einer entsprechenden Schulung können sie sich diese auch selbst verabreichen. Bei Patienten, bei denen sich die Erkrankung nach 16 Wochen nicht bessert, sollte der Arzt einen Abbruch der Therapie erwägen.

 

Vor einer Behandlung mit Guselkumab sollte der Impfstatus der Patienten auf den aktuellen Stand gebracht werden. Bei mit Tremfya behandelten Patienten sollten keine Lebendimpfstoffe angewendet werden. Vor einer Impfung mit Lebendimpfstoffen muss die Antikörper-Behandlung für mindestens zwölf Wochen ausgesetzt und kann frühestens zwei Wochen nach der Impfung wieder aufgenommen werden.

Nebenwirkungen

Häufigste unerwünschte Nebenwirkungen in Studien zu Guselkumab waren Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege und Kopfschmerzen. Schwere unerwünschte Ereignisse wie schwere Infektionen oder schwere kardiovaskuläre Ereignisse traten unter Guselkumab und Adalimumab vergleichbar häufig auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Unter Guselkumab wurden sehr häufig Infektionen der oberen Atemwege registriert. Der Antikörper darf daher nicht bei Patienten mit klinisch relevanten aktiven Infektionen wie Tuberkulose verwendet werden. Vor Therapiestart muss eine Tuberkulose per Test ausgeschlossen werden. Während und nach der Behandlung müssen die Patienten auf Anzeichen und Symptome einer aktiven Tuberkulose überwacht werden. Sie sollten darauf hingewiesen werden, einen Arzt aufzusuchen, wenn unter Tremfya Anzeichen einer Infektion auftreten.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Guselkumab basiert auf den Phase-III-Studien VOYAGE 1 und VOYAGE 2. In diesen wurden die Wirksamkeit und Sicherheit bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis verglichen. In VOYAGE 1 erhielten 837 Patienten zunächst für 16 Wochen randomisiert entweder Guselkumab, Placebo oder Adalimumab. Anschließend fanden zwei Wechsel statt: Nach Woche 16 wechselten die Patienten der Placebogruppe in die Guselkumab-Gruppe; die Patienten der Adalimumab-Gruppe wurde in Woche 52 auf Guselkumab umgestellt. Ko-primäre Endpunkte waren die Anteile an Patienten, die einen IGA-Score von „erscheinungsfrei“ oder „nahezu erscheinungsfrei“ (IGA 0/1) sowie ein PASI 90-Ansprechen in Woche 16 versus Placebo erreichten. Diese erreichten unter Guselkumab signifikant mehr Patienten als unter Placebo und Adalimumab (IGA-Score: 85,1 versus 6,9 versus 65,9 Prozent; PASI-90: 73,3 versus 2,9 versus 49,7 Prozent). Erste Langzeit-Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung über zwei Jahre andauert. In Woche 100 erreichten 82,1 Prozent der Guselkumab-Patienten ein PASI-90-Ansprechen. Das schafften ebenfalls 82,2 Prozent der Placebo-Patienten, die in Woche 16 auf Guselkumab umgestellt wurden sowie 81,1 Prozent der Adalimumab-Patienten, die in Woche 52 umgestellt wurden. Ein klares Hautbild oder minimale Läsionen (IGA 0/1) erreichten in Woche 100 unter Guselkumab 82,4 Prozent der Patienten, 84,8 Prozent der ehemaligen Placebogruppe sowie 84 Prozent der ursprünglichen Adalimumab-Gruppe.

 

Das Studiendesign von VOYAGE 2 ähnelt zu Beginn dem von VOYAGE 1. 994 Patienten erhielten zunächst randomisiert Guselkumab, Placebo oder Adalimumab. Ab Woche 28 wurde ein sogenannter Auslassversuch vorgenommen. Das heißt, die PASI-90-Responder der Guselkumab-Gruppe wurden erneut randomisiert und erhielten entweder weiter Guselkumab (Erhaltungstherapie) oder Placebo (Auslassversuch). Des Weiteren wurden die PASI-90-Non-Responder der Adalimumab-Gruppe ab Woche 28 auf Guselkumab umgestellt. Die Nachbeobachtungszeit betrug 48 Wochen. Ko-primäre Endpunkte waren dieselben wie in VOYAGE 1. Diese erreichten wie in der ersten Studie nach 16 Wochen unter Guselkumab signifikant mehr Patienten als unter Placebo und Adalimumab (IGA-Score: 84,1 versus 8,5 versus 67,7 Prozent; PASI-90: 70 versus 2,4 versus 46,8 Prozent). Nach 48 Wochen lag das PASI-90-Ansprechen mit der Erhaltungstherapie bei 88,6 Prozent, in der Placebogruppe 36,8 Prozent (Auslassversuch). Die durchschnittliche Zeitdauer bis zum Verlust des PASI-90-Ansprechens lag bei 15,2 Wochen. Von den Patienten, die unter Adalimumab kein PASI-90-Ansprechen erreichten, erzielten 66,1 Prozent selbiges unter Guselkumab (Woche 48).

Hintergrundinfos

IGA und PASI: Der Investigator Global Assessment-Score (IGA) erfasst den Zustand einer Hauterkrankung in Zahlen. Mit ihm wird auf einer Skala von 0 bis 5 festgelegt, wie schwer zum Beispiel eine Schuppenflechte ist. Dabei gilt: Je niedriger, desto besser. Ein IGA 0 bedeutet «erscheinungsfrei», ein IGA 5 «deutlich erhabene Psoriasis-Stellen».

 

Der Psoriasis Area Severity Index PASI bestimmt den Schweregrad der Schuppenflechte. Rötung, Verdickung, Schuppung und die Ausdehnung der von Psoriasis betroffenen Hautfläche fließen als Bewertungsparameter mit ein. Eine PASI-90-Reduktion entspricht einer Symptomverbesserung der Haut um 90 Prozent vom Ausgangswert.

Besonderheiten

Tremfya wird im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C gelagert. Die Fertigspritze/der Fertigpen muss nach der Entnahme aus dem Kühlschrank für die Injektion noch für eine halbe Stunde im Umkarton verbleiben. Patienten dürfen das Mittel erst injizieren, wenn es Raumtemperatur erreicht hat. Die Fertigspritze/der Fertigpen darf keinesfalls geschüttelt werden.

Tremfya ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und für mindestens zwölf Wochen nach der Behandlung mit Guselkumab zuverlässig verhüten. Aus Vorsichtsgründen sollten Schwangere kein Guselkumab erhalten.

 

In der Stillzeit muss die Mutter während der Behandlung und bis zu zwölf Wochen nach der letzten Gabe entweder auf das Stillen verzichten oder der Arzt die Tremfya-Behandlung unterbrechen.

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Letzte Aktualisierung: 25.04.2019