Nipocalimab|Imaavy®|51|2026 |
Johnson & Johnson
| FcRn-Inhibitoren |
185 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Imaavy ist zugelassen als Zusatz zur Standardtherapie bei Patienten ab zwölf Jahren mit generalisierter Myasthenia gravis (gMG), die Antikörper gegen den Acetylcholinrezeptor (AChR) oder gegen die muskelspezifische Tyrosinkinase (MuSK) aufweisen.
Ursache der Myasthenia gravis ist die Bildung von IgG-Autoantikörpern, die die neuromuskuläre Übertragung durch Bindung an den AChR, an MuSK oder an das Transmembranprotein LRP4 beeinträchtigen. Die Autoantikörper blockieren oder zerstören die Kontaktstellen auf den Muskelfasern und stören so den Nervenimpuls zu Muskelzellen. Der humane monoklonale IgG1-Antikörper Nipocalimab unterbricht diesen Prozess, indem er spezifisch auf die IgG-Fc-Bindungsstelle des neonatalen Fc-Rezeptors (FcRn) abzielt. Dieser Rezeptor spielt eine wichtige Rolle bei der Verlängerung der Halbwertszeit von IgG. Nipocalimab hat extra- und intrazellulär eine hohe Spezifität und Affinität zum FcRn, wodurch die Konzentrationen an zirkulierendem IgG inklusive IgG-Autoantikörpern reduziert werden, ohne dass andere Immunglobulin-Klassen beeinflusst werden. Nipocalimab hat keine relevanten Auswirkungen auf Albumin, das an einer anderen Stelle des FcRn bindet.
Die Therapie startet mit einer intravenösen Infusion von 30 mg Nipocalimab/kg Körpergewicht, gefolgt von einer Erhaltungsdosis von 15 mg/kg alle zwei Wochen. Die Patienten sollen nach jeder Infusion 30 Minuten lang auf eine infusionsbedingte oder eine Überempfindlichkeitsreaktion überwacht werden. Bei Nebenwirkungen kann die Infusion verlangsamt oder abgebrochen werden.
Da Nipocalimab die IgG-Spiegel reduziert, kann das Risiko für Infektionen und die Aktivierung latenter Virusinfektionen wie Herpes zoster ansteigen. Bei einer aktiven Infektion soll der Therapiebeginn bis zu deren Abklingen verschoben werden. Während der Behandlung sind die Patienten auf Symptome einer Infektion zu überwachen. In dieser Zeit wird auch die Gabe von (abgeschwächten) Lebendimpfstoffen nicht empfohlen. Alle anderen Impfstoffe können bei Bedarf jederzeit geimpft werden.
Wenn Patienten unter Nipocalimab eine Behandlung mit Arzneimitteln benötigen, die an die IgG-Bindungsstelle des FcRn binden, wird empfohlen, die Behandlung mit diesen Arzneimitteln zwei Wochen nach der vorangegangenen Nipocalimab-Dosis einzuleiten. Ist eine gleichzeitige Langzeittherapie unvermeidlich, sollen die Patienten engmaschig auf eine mögliche verminderte Wirksamkeit dieser Arzneimittel überwacht werden. Gegebenenfalls ist das Absetzen von Nipocalimab oder die Wahl einer alternativen Therapie zu erwägen.
Als Nebenwirkungen traten in Studien zu Nipocalimab sehr häufig erniedrigte Albumin-Serumwerte, Muskelspasmen, periphere Ödeme und erhöhte Lipidwerte auf. Daher sollen die Plasmalipidspiegel etwa zwölf Wochen nach Behandlungsbeginn bestimmt werden. Bei Jugendlichen und bei übergewichtigen Patienten soll eine engmaschigere regelmäßige Überwachung erwogen werden.
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.
Die Zulassung von Imaavy beruht auf der 2025 im Fachjournal »The Lancet Neurology« publizierten Phase-III-Studie VIVACITY-MG3. 196 Patienten mit unzureichend behandelter Myasthenia gravis erhielten über 24 Wochen randomisiert doppelblind alle zwei Wochen entweder Nipocalimab oder Placebo zusätzlich zur Standardtherapie. Ihr Befinden wurde mit dem Score »Myasthenia Gravis Activities of Daily Living« (MG-ADL) erfasst. Dieser reicht von 0 bis 24, wobei höhere Werte eine stärkere Beeinträchtigung anzeigen. Eine Abnahme des Scores um 2 oder mehr Punkte wurde als Ansprechen gewertet.
Der primäre Endpunkt war die Differenz zwischen der mittleren Änderung des MG-ADL-Gesamtscores in der Verum- und in der Placebogruppe, jeweils gegenüber dem Ausgangswert. Zudem wurde die Wirksamkeit anhand des Quantitativen-Myasthenia-Gravis-Gesamtscores (QMG) zur Bewertung der Muskelschwäche erfasst.
Unter Nipocalimab ergab sich in den Wochen 22, 23 und 24 eine mittlere Verbesserung im MG-ADL-Score von –4,68 Punkten versus –3,29 Punkten unter Placebo. Im QMG lagen die Mittelwerte in den Wochen 22 und 24 bei –4,77 unter Verum versus –1,90 unter Placebo (gegenüber Baseline). Die Unterschiede waren statistisch signifikant.
Von den 153 Antikörper-positiven Patienten wurden 137 in die offene Verlängerungsphase aufgenommen. Bei den Patienten, die bereits während der Doppelblindphase den Antikörper erhalten hatten und in den ersten 48 (n = 52) und 84 Wochen (n = 20) der offenen Studie damit weiterbehandelt wurden, blieben die mittleren Verbesserungen der Scores erhalten.
In einer laufenden offenen Multicenterstudie (NCT05265273) wird Nipocalimab bei Kindern und Jugendlichen mit gMG untersucht. Acht Patienten in dieser Kohorte haben ein medianes Alter von 13,5 Jahren (Bereich 12 bis 16 Jahre). Sieben davon wurden laut Fachinformation bereits bis Woche 24 beurteilt; primärer Endpunkt war die Wirkung von Nipocalimab auf das Gesamt-IgG im Serum. In Woche 24 ging das Gesamt-IgG median um 73,3 Prozent gegenüber Baseline zurück. Dies entspricht dem bei Erwachsenen festgestellten Effekt. Die mittleren Veränderungen betrugen –2,57 im MG-ADL und –4,93 im QMG-Score.
Bei der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis ist die Reizübertragung von Nerven zu Muskeln gestört. Das zeigt sich in einer belastungsabhängigen Ermüdbarkeit der Muskulatur. Zur Standardtherapie gehören zum Beispiel Cholinesterase-Inhibitoren wie Pyridostigmin und Neostigmin, Glucocorticoide sowie Immunsuppressiva.
Ursache der Myasthenia gravis ist die Bildung von IgG-Autoantikörpern, die die neuromuskuläre Übertragung durch Bindung an den AChR, an MuSK oder an das Transmembranprotein LRP4 beeinträchtigen. Die Autoantikörper blockieren oder zerstören die Kontaktstellen auf den Muskelfasern und stören so den Nervenimpuls zu Muskelzellen. Nipocalimab unterbricht diesen Prozess, da es spezifisch auf die IgG-Fc-Bindungsstelle des neonatalen Fc-Rezeptors (FcRn) abzielt. Dieser Rezeptor spielt eine wichtige Rolle bei der Verlängerung der Halbwertszeit von IgG.
Imaavy ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.
Imaavy ist verschreibungspflichtig.
Die Behandlung von schwangeren Frauen mit Imaavy soll nur in Betracht gezogen werden, wenn der klinische Nutzen die Risiken überwiegt. Es ist bekannt, dass maternales IgG in den ersten Tagen nach der Entbindung in der Muttermilch vorhanden ist und bald danach auf niedrige Werte absinkt. Während dieses kurzen Zeitraums kann somit ein Risiko für gestillte Säuglinge nicht ausgeschlossen werden. Anschließend kann die Behandlung von stillenden Frauen mit Nipocalimab in Betracht gezogen werden, sofern der klinische Nutzen die Risiken überwiegt.
Schrittinnovation
Letzte Aktualisierung: 06.02.2026