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ARZNEISTOFFE

Velpatasvir|Epclusa®|83|2016

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STOFFGRUPPE
83 Virustatika
WIRKSTOFF
Velpatasvir
FERTIGARZNEIMITTEL
Epclusa®
HERSTELLER

Gilead

MARKTEINFÜHRUNG (D)
2016
DARREICHUNGSFORM

400 mg Sofosbuvir/100 mg Velpatasvir Filmtablette

Indikationen

Epclusa ist zur Therapie von Patienten mit chronischer Hepatitis-C-Virus(HCV)-Infektion jedes Genotyps zugelassen.

Wirkmechanismus

Velpatasvir ist ein Hemmer des NS5A-Proteins, das an der Replikation von HCV beteiligt ist und auch für den Zusammenbau von HCV-Virionen gebraucht wird. Sofosbuvir hemmt die RNA-abhängige RNA-Polymerase NS5B des HCV, die ebenfalls für die Virusreplikation erforderlich ist. Die Kombination aus beiden Wirkstoffen legt somit die Vermehrung der Viren auf zwei verschiedenen Schienen lahm. Das macht es dem Erreger schwer, Resistenzen gegen Epclusa zu entwickeln, wie Versuche mit Zellkulturen, aber auch klinische Studien zeigen.

Anwendungsweise und -hinweise

Die übliche Dosierung beträgt eine Tablette Epclusa täglich über zwölf Wochen. Abhängig vom HCV-Genotyp und davon, ob der Patient an einer kompensierten oder dekompensierten Zirrhose leidet, kann zusätzlich Ribavirin gegeben werden. Hat der Patient zuvor bereits erfolglos eine Therapie mit einem gegen das NS5A-Protein gerichteten Wirkstoff erhalten, kann eine Behandlung mit Epclusa plus Ribavirin über 24 Wochen erwogen werden.

 

Die Filmtablette wird unabhängig von den Mahlzeiten im Ganzen geschluckt. Erbricht der Patient innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme, soll er eine zusätzliche Filmtablette einnehmen; liegt die Einnahme bereits länger zurück, nicht. Hat der Patient eine Dosis ausgelassen, soll er die Einnahme so bald wie möglich nachholen, jedoch nicht mehr, wenn der vorgesehene Einnahmezeitpunkt bereits länger als 18 Stunden zurückliegt. Dann soll der Patient die Anwendung mit der nächsten folgenden Einnahme ganz normal fortsetzen, ohne dabei etwa die doppelte Dosis einzunehmen.

Wichtige Wechselwirkungen

Velpatasvir hemmt die Arzneistofftransporter P-GP, BCRP, OATP1B1 und OATP1B3 und ist ein Substrat von CYP2B6, CYP2C8 und CYP3A4 mit langsamem Umsatz. Daraus ergeben sich mannigfaltige Interaktionen, die in der Fachinformation detailliert aufgelistet sind. Kontraindiziert ist die gleichzeitige Anwendung mit Rifampicin, Rifabutin, Johanniskraut, Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin. Nicht empfohlen wird sie mit Protonenpumpenblockern, Oxcarbazepin, Modafinil und Efavirenz. Amiodaron soll nur dann zusammen mit Epclusa angewendet werden, wenn keine Alternative möglich ist. Dann sind die Patienten engmaschig auf Symptome einer Bradykardie zu überwachen. Das gilt wegen der langen Halbwertszeit des Amiodarons auch, wenn dieses in den vorangegangenen Monaten abgesetzt wurde. Auch bei gleichzeitiger Anwendung mit Digoxin müssen die Patienten engmaschig überwacht werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Epclusa waren Kopfschmerzen, Erschöpfung und Übelkeit. Sie traten unter Verum bei mindestens 10 Prozent der Patienten auf. In der Gruppe der mit Placebo behandelten Patienten waren sie allerdings ungefähr genauso häufig. Nur 0,2 Prozent der Probanden setzten Epclusa aufgrund von Nebenwirkungen dauerhaft ab. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden bei 3,2 Prozent der Patienten beobachtet.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Kontraindiziert ist die gleichzeitige Anwendung mit starken P-GP- oder CYP-Induktoren wie Rifampicin, Rifabutin, Johanniskraut, Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin.

 

Die Sicherheit bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung oder mit Leberzirrhose der CPT-Klasse C sowie bei Kindern und Jugendlichen ist nicht untersucht.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Das Studienprogramm, das zur Zulassung von Epclusa führte, umfasste die Studien ASTRAL-1 bis -4, in denen das neue Medikament an Patienten mit verschiedenen Genotypen und mit unterschiedlichem Zustand der Leber (keine, kompensierte oder dekompensierte Zirrhose) getestet wurde. Vergleichspartner waren entweder Placebo, Sofosbuvir plus Ribavirin oder Epclusa plus Ribavirin. Insgesamt wurden im ASTRAL-Studienprogramm 1302 Patienten mit Epclusa behandelt. Das anhaltende virologische Ansprechen (SVR), definiert als HCV-RNA unter der Nachweisgrenze zwölf  Wochen nach Behandlungsende, war in allen Studien der primäre Endpunkt. Er wurde in ASTRAL-1 bis -3 signifikant häufiger unter Epclusa erreicht als unter der Vergleichstherapie, die aus Placebo oder Sofosbuvir plus Ribavirin bestand. In ASTRAL-4, an der ausschließlich Patienten mit dekompensierter Zirrhose teilnahmen, erhielten die Probanden Epclusa über zwölf Wochen entweder allein oder in Kombination mit Ribavirin oder Epclusa allein über 24 Wochen. Die zwölfwöchige Ribavirin-haltige Kombinationstherapie erwies sich dabei als am effektivsten.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Epclusa sind keine besonderen Bedingungen zu berücksichtigen.

Epclusa ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Velpatasvir

Velpatasvir

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Velpatasvir.wrl

Weitere Hinweise

Nicht empfohlen wird die Anwendung von Epclusa in Schwangerschaft und Stillzeit.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 26.02.2020