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ARZNEISTOFFE

Dolutegravir|Tivicay®|83|2014

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STOFFGRUPPE
83 Virustatika
WIRKSTOFF
Dolutegravir
FERTIGARZNEIMITTEL
Tivicay®
HERSTELLER

ViiV Healthcare

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2014
DARREICHUNGSFORM

50 mg Filmtabletten

Indikationen

Tivicay ist indiziert zur Behandlung von HIV-Infektionen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Der Wirkstoff wird wie üblich in der Anti-HIV-Therapie stets mit anderen antiretroviralen Arzneistoffen kombiniert.

Wirkmechanismus

Dolutegravir bindet an das aktive Zentrum der HI-Virus-Integrase und hemmt das Enzym. In der Folge unterbleiben der für den Replikationszyklus des Virus essenzielle Strangtransfer und die Integration der transkribierten viralen Erbinformation.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von Dolutegravir beträgt 50 mg pro Tag. Patienten, bei denen die HI-Viren vermutlich oder nachgewiesenermaßen resistent gegen Integrase-Inhibitoren sind, nehmen zweimal täglich eine Tablette. Das gilt auch bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneistoffen wie Efavirenz, Nevirapin, Tipranavir/Ritonavir oder Rifampicin, da diese Stoffe die Wirkspiegel von Dolutegravir zum Teil erheblich reduzieren können. Bei Patienten mit Integrase-Inhibitor-Resistenz sollten diese Kombinationen ganz vermieden werden.


Dolutegravir kann unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen werden. Bei Vorliegen einer Integrase-Inhibitor-Resistenz wird allerdings die Einnahme mit einer Mahlzeit empfohlen, um die Exposition zu erhöhen.

Wichtige Wechselwirkungen

Dolutegravir wird hauptsächlich durch Glucuronidierung über UGT1A1 und gering über CYP3A-Enzyme verstoffwechselt. Die terminale Halbwertszeit liegt bei 14 Stunden. Arzneimittel, die diese Enzyme induzieren, können die Dolutegravir-Plasmakonzentration senken.


Dolutegravir kann die Metforminkonzentration erhöhen. Daher sollten betroffene Patienten während der Therapie überwacht und gegebenenfalls die Metformin-Dosis angepasst werden.


Apotheker sollten Patienten darauf hinweisen, dass magnesium- und aluminiumhaltige Antazida die Resorption von Dolutegravir deutlich vermindern. Komplexe entstehen auch mit Calcium oder Eisen. Patienten sollten solche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel und Multivitaminpräparate daher in großem zeitlichen Abstand zu Dolutegravir einnehmen; das bedeutet mindestens zwei Stunden danach oder sechs Stunden davor.


Eine Dosisanpassung von oralen Kontrazeptiva ist bei gleichzeitiger Einnahme des Integrase-Hemmers nicht erforderlich.


Insgesamt ist das Interaktionspotenzial relativ gering.

Nebenwirkungen

Die häufigsten in den Studien zu Dolutegravir beobachteten Nebenwirkungen (14 bis 16 Prozent) waren Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen. Andere Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen und anormale Träume, Schwindel, Hautausschlag, Juckreiz und Abgeschlagenheit traten häufig auf. Die schwerste Nebenwirkung, die bei einem einzigen Patienten auftrat, war eine Überempfindlichkeitsreaktion mit Hautausschlag und schwerer Leberbeteiligung.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die gleichzeitige Anwendung von Dofetilid (in Deutschland nicht auf dem Markt) und Dolutegravir ist kontraindiziert, da die Konzentration des Antiarrhythmikums massiv ansteigen und lebensbedrohlich sein kann.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Dolutegravir wurde in mehreren klinischen Studien getestet. In der Phase-III-Studie SINGLE mit 833 nicht vorbehandelten Patienten war Dolutegravir (50 mg einmal täglich) plus Abacavir/Lamivudin (Kivexa®) signifikant wirksamer als einmal täglich die Fixkombination von Efavirenz/Tenofovir/Emtricitabin (Atripla®). Nach 48 Wochen war das Virus bei 88 beziehungsweise 81 Prozent der Patienten nicht mehr nachweisbar (HIV-1-RNA unter 50 Kopien/ml). Zudem fiel die Viruslast im Dolutegravir-Arm deutlich schneller ab und die CD4- Zellzahlen stiegen deutlich stärker an.

 

In der SPRING-2-Studie erhielten 822 nicht vorbehandelte Patienten entweder einmal täglich 50 mg Dolutegravir oder zweimal täglich 400 mg Raltegravir, jeweils in Kombination mit zwei nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren. Die Therapien waren vergleichbar gut wirksam: Die Viruslast sank bei 88 und 85 Prozent der Patienten unter die Nachweisgrenze.

 

In der SAILING-Studie mit 719 vorbehandelten HIV-Patienten (ohne Integrase-Hemmer) war Dolutegravir wirksamer als Raltegravir. Nach 48 Wochen erreichten 71 Prozent eine Virussuppression unter die Nachweisgrenze (versus 64 Prozent). Geprüft wurde Dolutegravir auch bei Patienten, bei denen eine frühere Therapie mit einem Integrase-Hemmer versagt hatte und eine Resistenz gegen Raltegravir und/oder Elvitegravir vorlag.

 

In der offenen VIKING-3-Studie erhielten 183 Patienten Dolutegravir zweimal täglich zusätzlich zu einer optimierten antiretroviralen Therapie. Das virologische Ansprechen hing vom Mutationsmuster der Integrase ab und sank deutlich, wenn das Enzym unter anderem die Q148-Mutation aufwies. Nach 24 Wochen war die Viruslast bei 69 Prozent der Patienten nicht nachweisbar.

Besonderheiten

Besondere Lagerungsbedingungen sind für die Tivicay nicht erforderlich. Die Flasche sollte jedoch im Umkarton aufbewahrt und fest verschlossen gehalten werden, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen. Daher sollte auch das enthaltene Trockenmittel nicht entfernt werden.

 

Tivicay unterliegt der Verschreibungspflicht.

Formeln

Dolutegravir

Dolutegravir

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Dolutegravir.wrl

Weitere Hinweise

Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Dolutegravir bei Schwangeren vor. Die Auswirkung von Dolutegravir auf die Schwangerschaft ist nicht bekannt. In tierexperimentellen Studien zur Reproduktionstoxizität wurde gezeigt, dass Dolutegravir die Plazenta passiert. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität.


Dolutegravir darf in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen die möglichen Risiken für den Fetus rechtfertigt.


Es ist nicht bekannt ob Dolutegravir in die Muttermilch übergeht. Die zur Verfügung stehenden toxikologischen Daten bei Tieren zeigten, dass Dolutegravir in die Milch übergeht. Es wird empfohlen, dass HIV-infizierte Mütter ihre Kinder unter keinen Umständen stillen, um eine Übertragung von HIV zu vermeiden.

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Vorläufige Bewertung

Analogpräparat

Letzte Aktualisierung: 29.10.2014