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ARZNEISTOFFE

Atazanavir|Reyataz®|83|2004

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STOFFGRUPPE
83 Virustatika
WIRKSTOFF
Atazanavir
FERTIGARZNEIMITTEL
Reyataz®
HERSTELLER

Bristol-Myers Squibb

MARKTEINFÜHRUNG (D)
04/2004
DARREICHUNGSFORM

100 mg Kapseln

150 mg Kapseln

200 mg Kapseln

Indikationen

Reyataz in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir ist in Kombination mit anderen retroviralen Arzneimitteln zugelassen zur Behandlung von HIV-1-infizierten Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren.

Wirkmechanismus

Atazanavir blockiert die virale HIV-1-Protease und damit die Spaltung von Vorläuferproteinen in funktionsfähige Virusproteine. Somit werden unreife, nicht infektiöse Viruspartikel aus den infizierten Zellen freigesetzt. In Studien wirkte Atazanavir additiv mit anderen Protease-Inhibitoren (PI) oder nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) leicht synergistisch.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Tagesdosis für Erwachsene liegt bei 300 mg Atazanvir bei gleichzeitiger Einnahme von 100 mg Ritonavir und einer Mahlzeit. Die Dosierung bei Kindern richtet sich nach dem Körpergewicht.

 

Die Pharmakokinetik von Atazanavir schwankt inter- und intraindividuell stark. Zum Essen eingenommen nimmt die Variabilität ab, und die Bioverfügbarkeit steigt. Der Arzneistoff wird durch Cytochrom-P450-3A4 in der Leber verstoffwechselt und hauptsächlich über die Galle ausgeschieden. Da Ritonavir das CYP-Enzym durch höhere Affinität stärker blockiert, steigt die Atazanavir-Plasmakonzentration bei gleichzeitiger Ritonavir-Gabe deutlich an. Man spricht von einer „Boosterung“.

Wichtige Wechselwirkungen

Die Liste der Wechselwirkungen ist lang, da Atazanavir Substrat und Inhibitor von CYP3A4 ist (siehe auch Kontraindikationen sowie die ausführliche Aufstellung in der Fachinformation).

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen in Studien zu Atazanvir waren Übelkeit, Kopfschmerzen und Gelbsucht. Das Lipidprofil wird kaum beeinflusst; Atazanavir löste Fettstoffwechselstörungen wesentlich seltener als andere Protease-Inhibitoren aus.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz ist Atazanavir kontraindiziert, in Kombination mit Ritonavir bereits bei mäßiger Leberinsuffizienz.

 

Kontraindiziert ist außerdem die gleichzeitige Anwendung mit Simvastatin oder Lovastatin, die Kombination mit Rifampicin sowie die gleichzeitige Anwendung von Sildenafil, wenn es zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie gegeben wird.

 

Reyataz darf nicht mit CYP3A4-Substraten kombiniert werden, die eine geringe therapeutische Breite haben, etwa Quetiapin, Astemizol oder oral angewendetes Midazolam.

 

Ebenfalls kontraindiziert ist die gleichzeitige Anwendung von Präparaten, die Johanniskraut enthalten.

 

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In einer Dosisfindungsstudie mit 420 antiretroviral nicht vorbehandelten Patienten bekamen die Patienten Atazanavir (einmal täglich 200, 400 oder 500 mg) oder Nelfinavir (dreimal 750 mg), jeweils kombiniert mit Stavudin (zweimal 40 mg) plus Didanosin (einmal 400 mg). In allen Gruppen nahm die Viruslast nach 16 Wochen ab. Auch nach 48 Wochen waren die Therapieschemata hinsichtlich der Senkung der HIV-RNA-Spiegel im Blut und dem Anstieg der CD4-Zellzahlen vergleichbar gut wirksam.

 

In einer weiteren Studie wurden 300 Patienten, bei denen frühere antiretrovirale Therapien gescheitert waren, für eine Behandlung mit einmal täglich 400 mg Atazanavir oder zweimal täglich 400 mg Lopinavir plus 100 mg Ritonavir randomisiert. Alle bekamen zusätzlich zwei NRTI. Aus den vorliegenden Daten ergibt sich als vorläufiges Ergebnis: Lopinavir/Ritonavir senkten die Viruslast deutlicher und erhöhten die CD4-Zellzahl stärker. In dieser Gruppe hatten 81 Prozent der Patienten HIV-RNA-Spiegel unter 400 Kopien/ml erreicht, im Vergleich zu 61 Prozent aus der Atazanavir-Gruppe.

 

In einer laufenden multizentrischen Studie erhielten 347 vorbehandelte Patienten entweder einmal täglich 300 mg Atazanavir plus 100 mg Ritonavir, einmal täglich 400 mg Atazanavir plus 1200 mg Saquinavir oder zweimal täglich 400 mg Lopinavir plus 100 mg Ritonavir. Alle bekamen zusätzlich täglich 300 mg Tenofovir und einen NRTI. Nach 24 Wochen war die Viruslast in der ersten und dritten Gruppe vergleichbar gut abgefallen. 63 Prozent der Patienten, die Atazanavir/Ritonavir eingenommen hatten, erreichten HIV-RNA-Spiegel im Blut unter 400 Kopien/ml im Vergleich zu 60 Prozent mit Lopinavir/Ritonavir. Die CD4-Zellzahlen stiegen unter Lopinavir tendenziell stärker an. Die Kombination von Atazanavir mit Saquinavir war in allen Parametern unterlegen.

Besonderheiten

Reyataz ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern.

Reyataz ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Atazanavir

Atazanavir

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

atazanavir.wrl

Weitere Hinweise

Wird Azatanavir während einer Schwangerschaft angewendet, sollte eine zusätzliche Überwachung der Schwangeren vor der Entbindung erwogen werden. Generell gilt die Empfehlung, dass HIV-infizierte Mütter nicht stillen dürfen.

Letzte Aktualisierung: 15.03.2016