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ARZNEISTOFFE

Oseltamivir|Tamiflu®|83|2002

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STOFFGRUPPE
83 Virustatika
WIRKSTOFF
Oseltamivir
FERTIGARZNEIMITTEL
Tamiflu®
HERSTELLER

Roche

MARKTEINFÜHRUNG (D)
10/2002
DARREICHUNGSFORM

30 mg Hartkapseln

45 mg Hartkapseln

75 mg Hartkapseln

6 mg/ml Pulver

Indikationen

Tamiflu ist zugelassen für die Behandlung von Erwachsenen und Kindern, einschließlich reifer Neugeborener, mit influenzatypischen Symptomen, wenn das Influenzavirus in der Bevölkerung auftritt. Die Behandlung sollte innerhalb von zwei Tagen nach erstmaligem Auftreten der Symptome begonnen werden.

 

Es ist außerdem zugelassen zur Postexpositions-Prophylaxe bei Personen ab einem Jahr nach Kontakt mit einem klinisch diagnostizierten Influenzafall, wenn das Influenzavirus in der Bevölkerung zirkuliert.

 

Tamiflu ist darüber hinaus während eines pandemischen Influenzaausbruchs bei Säuglingen unter einem Jahr zur Postexpositions-Prophylaxe indiziert.

 

Einen Ersatz für eine Grippeschutzimpfung stellt Tamiflu nicht dar.

Wirkmechanismus

Oseltamivir ist ein Neuraminidasehemmer. Es verhindert durch die Blockade des Virushüllproteins Neuraminidase das Abkoppeln neuer Viren von der infizierten Zelle. Dadurch werden die Infizierung neuer Zellen und die Ausbreitung der Infektion verhindert. Da sich nach bisherigen Beobachtungen in vivo die Bindungsstellen der Neuraminidase nicht durch Mutationen ändern, sondern eine konstante Struktur behalten, sollte es zu keinem Wirkungsverlust beziehungsweise Resistenzen kommen, was bekanntlich den Einsatz der Grippeimpfstoffe limitiert. Trotzdem wird nach wie vor empfohlen, bei Risikopatienten primär den Grippeimpfstoff zur Prophylaxe einzusetzen. Oseltamivir sollte nur in Ausnahmefällen als Prophylaktikum Anwendung finden.

Anwendungsweise und -hinweise

In der Therapie einer Grippe-Infektion beträgt die empfohlene Dosis für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene 75 mg Oseltamivir zweimal täglich für einen Zeitraum von fünf Tagen. Die Behandlung sollte so früh wie möglich innerhalb der ersten zwei Tage nach Auftreten der Symptome beginnen. Für jüngere Patienten sowie in der Prophylaxe gelten gesonderte Dosierungsempfehlungen.

Wichtige Wechselwirkungen

Oseltamivir bindet nur schwach an Plasmaproteine und wird unabhängig von CYP-Enzymen und Glucuronidasesystemen metabolisiert. Klinisch bedeutsame Wechselwirkungen über diese Mechanismen erscheinen daher unwahrscheinlich.

Nebenwirkungen

Als häufigste unerwünschte Wirkung unter Oseltamivir kam es zu gastrointestinalen Beschwerden (Übelkeit 9,9 Prozent, Erbrechen 9,4 Prozent). Ansonsten wurde das Arzneimittel gut vertragen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In klinischen Studien in Amerika und Europa konnte Oseltamivir die Dauer der Krankheit gegenüber Placebo signifikant verkürzen. In der europäischen Studie dauerte die Krankheit unter Placebo 117 Stunden, unter Oseltamivir bei niedrigen Dosen (zweimal 75 mg täglich) 87 und bei hohen Dosen (zweimal 150 mg täglich) 82 Stunden. In der amerikanischen Studie betrugen die entsprechenden Werte 103 (Placebo), 72 (zweimal 75 mg täglich) und 70 Stunden (zweimal 150 mg täglich). Die Verkürzung der Erkrankung liegt also unter Oseltamivir bei knapp anderthalb Tagen. Außerdem wurde eine Symptomlinderung um 36 Prozent registriert.

 

Zur Prophylaxe: Eine Studie weist darauf hin, dass die perorale Gabe von Oseltamivir über sechs Wochen an nicht geimpften, ansonsten gesunden Probanden gegenüber Placebo den Ausbruch einer natürlich erworbenen Influenza signifikant verhindert.

Besonderheiten

Tamiflu Kapseln sind bei Temperaturen nicht über 25 °C, die Suspension nicht über 30 °C zu lagern.

Tamiflu ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Oseltamivir

Oseltamivir

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Oseltamivir.wrl

Weitere Hinweise

Eine Behandlung mit Tamiflu während der Schwangerschaft und Stillzeit kann erwogen werden, wenn ein klarer Nutzen durch die Therapie zu erwarten ist.

Letzte Aktualisierung: 23.02.2017