Sofosbuvir|Sovaldi®|83|2014 |
Gilead
400 mg Filmtabletten
150 mg befilmtes Granulat im Beutel
200 mg befilmtes Granulat im Beutel
Sovaldi wird in Kombination mit anderen Arzneistoffen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C (CHC) bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab drei Jahren angewendet. Die Kombination richtet sich nach dem Genotyp des Hepatitis-C-Virus.
Sofosbuvir wird immer mit Ribavirin kombiniert. In Abhängigkeit vom vorliegenden HCV-Genotyp werden unterschiedliche Kombinationstherapien und Behandlungsdauern empfohlen. Bei bestimmten Patienten kann die Gabe des zweiten Kombinationspartners, pegyliertes Interferon, unterbleiben.
Bei der HCV-Replikation spielt das Enzym RNA-abhängige NS5B-Polymerase eine wichtige Rolle. Sofosbuvir hemmt dieses Enzym.
Sofosbuvir ist ein Nukleotid-Prodrug, das nach intrazellulärer Metabolisierung in das pharmakologisch wirksame Uridin-Analogon-Triphosphat umgewandelt und dann von der NS5B-Polymerase in die HCV-RNA eingebaut wird. Das führt zum Kettenabbruch, wodurch die virale Replikation unterdrückt wird.
Die empfohlene orale Tagesdosis für Erwachsene beträgt einmal 400 mg Sofosbuvir, bei Kindern und Jugendlichen richtet sie sich nach dem Körpergewicht. Die Einnahme muss mit einer Mahlzeit erfolgen. Die Tabletten und das Granulat dürfen aufgrund des bitteren Geschmacks des Wirkstoffs weder zerkaut noch zerkleinert werden.
Hat der Patient eine Einnahme ausgelassen, sollte er diese nachholen, sofern der geplante Einnahmezeitpunkt noch keine 18 Stunden zurückliegt, und dann im bisherigen Einnahmeturnus fortfahren. Liegt dieser länger als 18 Stunden zurück, sollte die Einnahme nicht nachgeholt werden. Keinesfalls darf der Patient die doppelte Dosis auf einmal einnehmen.
Erbricht sich der Patienten innerhalt von zwei Stunden nach der Einnahme, sollte er eine weitere Dosis einnehmen.
Sofosbuvir ist unter anderem ein Substrat von PGP. PGP-Induktoren im Darm können daher zu einer signifikant verringerten Plasmakonzentration von Sofosbuvir führen, wodurch dessen therapeutische Wirkung vermindert wird. Rifampicin und Johanniskraut zählen zu diesen starken PGP-Induktoren. Bei gleichzeitiger Anwendung von Sofosbuvir mit den folgenden Substanzen ist ein ähnlicher Effekt zu erwarten: Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Rifabutin, Rifapentin und Tipranavir/Ritonavir. In der Fachinformation wird daher davon abgeraten, PGP-Induktoren und Sofosbuvir gleichzeitig anzuwenden.
Sofosbuvir wurde in mehreren Studien in Kombination mit Ribavirin oder pegyliertem Interferon und Ribavirin untersucht. Hinsichtlich Art, Häufigkeit und Schwere unterschieden sich die Nebenwirkungen dabei nicht von denen unter pegyliertem Interferon oder Ribavirin. Bislang wurden keine substanzspezifischen Nebenwirkungen von Sofosbuvir identifiziert. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse, die in Studien bei einer Behandlung mit Sofosbuvir und Ribavirin oder Sofosbuvir plus pegyliertem Interferon und Ribavirin auftraten, waren Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit.
Die gleichzeitige Anwendung von Sofosbuvir mit starken PGP-Induktoren ist kontraindiziert.
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.
In Abhängigkeit vom vorliegenden HCV-Genotyp werden unterschiedliche Kombinationstherapien und Behandlungsdauern empfohlen. So erhalten Patienten mit den Genotypen 1, 4, 5 und 6 Sofosbuvir kombiniert mit pegyliertem Interferon und Ribavirin für zwölf Wochen. In der Phase-III-Studie Neutrino mit 327 zuvor unbehandelten Patienten stellte dieses Therapieregime seine Wirksamkeit unter Beweis. Der primäre Endpunkt, ein anhaltendes virologisches Ansprechen, definiert als nicht nachweisbare HCV-RNA zwölf Wochen nach Therapiestart (SVR12), wurde bei 91 Prozent der Patienten erreicht.
Für Patienten mit den Genotypen 1, 4, 5 und 6 und einer Unverträglichkeit oder Kontraindikation gegenüber pegyliertem Interferon ist Sofosbuvir auch allein mit Ribavirin zugelassen. Die Behandlung dauert in diesem Fall 24 Wochen. Der Hersteller führt Studien mit insgesamt 273 Patienten an. Die SVR12-Rate unter diesem Regime betrug 65 beziehungsweise 76 Prozent.
Allerdings waren in diese Studien Patienten mit den Genotypen 4, 5 und 6 nicht eingeschlossen. Teilweise handelte es sich auch nur um exploratorische oder Phase-II-Studien. Diese Ergebnisse sind daher mit Vorsicht zu interpretieren, heißt es in der Fachinformation. Denn die Patientenzahlen seien niedrig, und die SVR-Raten könnten durch die Patientenauswahl beeinflusst worden sein.
Die beiden beschriebenen Therapiemöglichkeiten, also Sofosbuvir mit pegyliertem Interferon und Ribavirin für zwölf Wochen beziehungsweise mit Ribavirin alleine für 24 Wochen, sind auch beim Genotyp 3 zugelassen. Unter dem Tripleregime erreichten nicht vorbehandelte Patienten in kleinen exploratorischen oder Phase-II-Studien (n=39) SVR12-Raten von über 90 Prozent, bei vorbehandelten Patienten sprachen in einer kleinen Studie mit 24 Patienten 83 Prozent von ihnen an. Das duale Therapieregime wurde in der Valance-Studie bei 105 nicht vorbehandelten und 145 vorbehandelten Patienten mit dem HCV-Genotyp 3 untersucht. Die SVR12-Raten lagen bei 93 beziehungsweise 77 Prozent.
Beim Genotyp 2 ist grundsätzlich kein Interferon mehr notwendig. Hier soll laut Fachinformation die Kombination aus Sofosbuvir und Ribavirin über zwölf Wochen erfolgen. In mehreren Studien wurde dieses Behandlungsregime getestet. Die SVR12-Raten lagen dabei zwischen 82 und mehr als 90 Prozent.
Bei der Lagerung von Sovaldi sind keine besonderen Bedingungen zu berücksichtigen.
Sofosbuvir ist verschreibungspflichtig.
Sofosbuvir
Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).
Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR)
Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels
Nutzenbewertung des IQWiG vom 29.04.2014
Nutzenbewertung des IQWiG vom 11.01.2018 (chronische Hepatitis C bei Jugendlichen)
Nutzenbewertung des IQWiG vom 29.10.2020 (chronische Hepatitis C bei Kindern)
Aus Gründen der Vorsicht sollte Sofosbuvir während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden. Ob der Wirkstoff oder seine Metabolite in die Muttermilch übergehen, ist nicht bekannt. Ein Risiko für das Neugeborene kann dennoch nicht ausgeschlossen werden.
Nicht nur weibliche Patienten im gebärfähigen Alter, sondern auch die Partnerinnen männlicher Patienten, die mit Sofosbuvir in Kombination mit Ribavirin behandelt werden, sollten darauf achten, nicht schwanger zu werden. So wurden in Tierversuchen mit Ribavirin signifikante teratogene und/oder embryozide Wirkungen festgestellt.
Letzte Aktualisierung: 02.06.2021