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ARZNEISTOFFE

Raltegravir|Isentress®|83|2008

STOFFGRUPPE
83 Virustatika
WIRKSTOFF
Raltegravir
FERTIGARZNEIMITTEL
Isentress®
HERSTELLER

MSD

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/2008
DARREICHUNGSFORM

400 mg Filmtabletten
25 mg Kautabletten
100 mg Kautabletten
100 mg Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen

Indikationen

Isentress ist in Kombination mit andren antiretroviralen Arzneimitteln zugelassen zur Behandlung einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV-1) bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab einem Alter von vier Wochen.

Wirkmechanismus

Raltegravir ist der erste Integrasehemmer zur antiretroviralen Therapie auf dem deutschen Markt. Die Integrase ist ein HIV-1-spezifisches Enzym, das den kovalenten Einbau der komplementären Virus-DNA in das Genom der humanen Wirtszelle katalysiert und damit die Vermehrung der viralen Erbsubstanz ermöglicht. Raltegravir hemmt das Enzym in nanomolarer Konzentration und verhindert damit letztlich die Virusreplikation. Integrasehemmstoffe wirken also erst, wenn das Virus die Wirtszelle bereits infiziert hat. Im Verbund mit anderen antiretroviralen Arzneistoffen zeigte Raltegravir additive oder synergistische Effekte gegen HIV-1-infizierte T-Zellen.

Anwendungsweise und -hinweise

Erwachsene Patienten nehmen zweimal täglich 400 mg Raltegravir unabhängig von einer Mahlzeit ein. Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Dosierungsempfehlungen und entsprechende Fertigarzneimittel. Die Fachinformation weist darauf hin, dass die Darreichungsformen nicht bioäquivalent sind. Weder Kautabletten noch Granulat sollten durch Filmtabletten ersetzt werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Raltegravir wird nicht über Cytochrom-P450-Enzyme abgebaut. Da es auch nicht den P-Glykoprotein-vermittelten Arzneistofftransport beeinflusst, ist das Interaktionspotenzial gering. Jedoch erhöht die Kombination mit Arzneistoffen, die den Magen-pH erhöhen, zum Beispiel Protonenpumpenhemmer und H2-Antagonisten, die Plasmaspiegel des HIV-Medikaments. Das Tuberkulose-Medikament Rifampicin erniedrigt die Plasmaspiegel. Die Pharmakokinetik von Raltegravir kann intra- und interindividuell erheblich schwanken.

Nebenwirkungen

Raltegravir wurde in den Studien zur Zulassung relativ gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Durchfall, Übelkeit, Fieber und Kopfschmerzen. Bei einigen Patienten wurden erhöhte Kreatinkinasewerte gemessen. Ebenso wurden Myopathie und Rhabdomyolyse sowie Krebserkrankungen beobachtet. Ob ein kausaler Zusammenhang besteht, ist noch nicht geklärt. Auch gegen den neuen Arzneistoff gibt es bereits Resistenzen. In den meisten resistenten Virusisolaten fanden die Forscher typische Mutationen in der Aminosäuresequenz der Integrase.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Raltegravir beruht auf den 24-Wochen-Daten aus zwei laufenden multizentrischen, doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studien (BENCHMRK-1 und -2) mit knapp 700 therapieerfahrenen Patienten ab 16 Jahren, die bereits Resistenzen gegen Wirkstoffe aus drei verschiedenen Klassen aufwiesen. Sie erhielten entweder zweimal täglich 400 mg Raltegravir oder Placebo zusätzlich zu einer optimierten Basistherapie (OBT). Primärer Endpunkt war der Anteil an Patienten mit einer Viruslast unter 400 Kopien/ml. In beiden Studien war Raltegravir nach 16 und 24 Wochen signifikant wirksamer als Placebo. Nach 24 Wochen (gepoolte Daten beider Studien) lag die Viruslast in der Verumgruppe bei 75 Prozent der Patienten unter 400 HIV-RNA-Kopien/ml, in der Gruppe mit Placebo bei 40 Prozent. Weniger als 50 Kopien/ml erreichten 63 Prozent unter Raltegravir versus 34 Prozent unter Placebo. Die CD4-Zellzahlen stiegen in der Verumgruppe durchschnittlich um 84 und in der Placebogruppe um 37 Zellen/mm3. Die 48-Wochen-Daten beider Studien zeigten, dass das neue Medikament plus OBT die HIV-RNA-Spiegel auch langfristig unterdrückte. Bei 71 bis 74 Prozent der Patienten mit Raltegravir (36 bis 38 Prozent unter Placebo), jeweils plus OBT, lag die Viruslast unter 400 Kopien/ml. Signifikant mehr Patienten erreichten unter Verum eine Viruslast unter 50. Die CD4-Zellzahlen stiegen ebenfalls deutlich an.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Isentress sind keine speziellen Bedingungen einzuhalten.
Isentress ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Raltegravir

Raltegravir

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

raltegravir.wrl

Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/000860/WC500037406.pdf

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000860/WC500037405.pdf

 

HIV-Prävention:

www.gatesfoundation.org

 

HIV/Aids-Programme:

www.who.int/hiv

 

Aids-Forum:

www.iasociety.org

 

Informationen rund um das Thema HIV:

www.leben-mit-hiv.de

 

Welt-Aids-Tag:

www.welt-aids-tag.de

Letzte Aktualisierung: 02.11.2015