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Ausgabe 36/1999

06.09.1999
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PZ Pharmazeutische ZeitungGovi-VerlagPZ 36 INHALT
Editorial
Eicheln

Titel
Arzneiformen in der Hand des Hypertonikers
Etwa 15 bis 20 Millionen Bundesbürger haben erhöhte Blutdruckwerte; jedoch wissen etwa fünf Millionen nichts davon. Epidemiologische Studien zeigen, daß Morbidität und Mortalität an kardiovaskulären Erkrankungen um so größer sind, je höher der Blutdruck ist. Eine effektive antihypertensive Therapie senkt das kardiovaskuläre Risiko und verlängert die Lebenserwartung. Zur medikamentösen Behandlung steht eine Vielzahl potenter Wirkstoffe in einer breiten Palette an Darreichungsformen zur Verfügung. Parenteralia und zum Teil auch flüssige Arzneiformen sind für die Akutbehandlung der hypertensiven Krise im Sinne einer Notfallmedikation gedacht. Für die Dauertherapie dominieren jedoch die festen peroralen Formen wegen ihrer problemlosen Applikation.

Politik
Ministerin Fischer setzt auf stabile Beiträge

Trotz eines Defizits von 3,3 Milliarden DM in der gesetzlichen Krankenversicherung im ersten Halbjahr 1999 geht Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer von stabilen Krankenkassenbeiträgen aus. "Es bestehen gute Voraussetzungen, das Jahr 1999 mit einem ausgeglichenen Finanzergebnis abzuschließen", gibt sich die Ministerin optimistisch. Allerdings müsse dazu die Ausgabenexpansion bei den Arzneimitteln gestoppt werden.

Gesundheitsreform in Teilen rechtswidrig
Der Landesapothekerverband (LAV) Baden-Württemberg hat den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Gesundheitsreform 2000 rechtlich von Professor Dr. Rüdiger Zuck überprüfen lassen. Der Verfassungsrechtler kommt in seinem 340 Seiten umfassenden Rechtsgutachten zu dem Ergebnis, dass einige Teile des Reformvorhabens, darunter das Globalbudget, die Positivliste und die vorgesehenen Einkaufsmodelle, verfassungswidrig sind. Letztere sollen es der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ermöglichen, einzelvertragliche Vereinbarungen mit Leistungserbringern abzuschließen.

Blockade oder Kompromiss nach dem Wahldebakel der SPD
Nach dem Wahldebakel der SPD im Saarland und in Brandenburg kommt die Bundesregierung bei der Gesundheitsreform 2000 an einem Kompromiss mit den unionsgeführten Bundesländern wohl nicht mehr vorbei. Rot-Grün hat jedenfalls keine Chance mehr, die absolute Mehrheit im Bundesrat zurückzugewinnen. Die Ländervertretung kann die Gesundheitsreform im Spätherbst blockieren.

Außerdem in der Druckausgabe:
Wir haben verstanden - PZ-Kommentar
Umfrage: Rückenwind für die Reformgegner
Patientenvereinigung übt Kritik
Im Krankenhaus Leine lassen
Regress: Massive Einsparungen werden nicht fruchten
BVA teilt Argumente gegen Reform
Kurz notiert

Pharmazie
Aceclofenac, ein nichtsteroidales Antirheumatikum - Neue Arzneistoffe
In klinischen Studien wirkte Aceclofenac bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises genauso effektiv wie die herkömmlichen nichtsteroidalen Antirheumatika. Die Substanz führte jedoch seltener zu gastrointestinalen Beschwerden. Ob der Wirkstoff jedoch wirklich magenverträglicher ist, wird sich im Alltag noch zeigen.

H. pylori: Eradikationstherapie wird kaum angewandt
Die Tripletherapie mit einem Protonenpumpenblocker und zwei Antibiotika gilt als Therapie der Wahl, um dem Erreger Helicobacter pylori (H.p.) den Garaus zu machen. Konsequent durchgeführt könnten so H.p.-bedingte Komplikationen und Folgeerkrankungen wie Gastritis, Magengeschwüre oder -krebs erheblich reduziert werden. Zudem ist die Dreierkombination auf lange Sicht wesentlich kostengünstiger. Eigentlich sollten diese Fakten die Ärzteschaft überzeugen - aber weit gefehlt. Eine repräsentative Untersuchung zum Verordnungsverhalten in deutschen Praxen in Sachen Eradikationstherapie zeichnet ein erschreckendes Bild.

Doping für die Wunde
Zwar sorgte der britische Mediziner Georg Winter bereits 1962 mit einer Arbeit im Wissenschaftmagazin Nature für einen Paradigmenwechsel in der Wundversorgung: Er konnte damals nachweisen, dass Wunden im feuchten Milieu besser heilen. Nach Meinung von Experten wird in der Ambulanz und auf Station aber noch heute einiges falsch gemacht. Viele Mediziner beherzigten bis dato den überholten Lehrsatz: Verbinde trockene Wunden trocken, und feuchte Wunden feucht. Um ihre Mitglieder auf den neusten Stand der Dinge zu bringen, widmetet die Landesapothekerkammer Nordrhein ihre große zentrale Fortbildung am 29. August in Wuppertal unter anderem dem modernen Wundmanagement.

Außerdem in der Druckausgabe:
Bessere Prognose nach Raloxifen
Palivizumab schützt Säuglinge
Pharmazeutische Beratung von Patienten mit dyspeptischen Beschwerden
Forscher warnen vor COX-2-Euphorie

Medizin
Malaria: Plasmodien-Untermieter ist die Schwachstelle
Eine Zellorganelle pflanzlichen Ursprungs ist möglicherweise ein Schwachpunkt des Malariaerregers Plasmodium falciparum. Der Gießener Wissenschaftler Dr. Hassan Jomaa hat eine Substanz gefunden, die den Apicoplasten absterben läßt, einen für Plasmodien lebensnotwendigen Zellbestandteil. Nachdem Jomaa an der Universität in Gießen die Wirksamkeit der Substanz im Tiermodell nachweisen konnte, sucht er jetzt händeringend nach einem finanzkräftigen Partner.

Wirtschaft und Handel
Britische Gesundheitskosten steigen
Großbritanniens Ausgaben für Medikamente sind in den 90er Jahren um 63 Prozent gestiegen. Damit habe der Anteil der Arzneimittelkosten am britischen Gesundheitsetat ein historisches Hoch erreicht, heißt es in dem kürzlich vorgelegten Bericht des Office of Health Economics (OHE).

WHO beklagt unbrauchbare Arzneimittelspenden
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Spender dazu aufgerufen, künftig nur noch brauchbare Medikamente in Krisenregionen und Katastrophengebiete zu schicken. Ein Großteil der Medikamentenspenden für die Kosovo-Vertriebenen seien unbrauchbar gewesen, teilte die WHO am 3. September in Genf mit. Häufig soll das Verfallsdatum bereits überschritten gewesen sein oder unter einem Jahr gelegen haben.

Außerdem in der Druckausgabe:
US-Märkte in blendender Laune  - Pharmabörse
Neue Pläne der Bundesregierung - Steuertip
Meldungen

Computerpraxis
Entspannt auf den Pharmazierat warten
Seit drei Jahren präsentiert sich der Govi-Verlag auch im Internet. Es war deshalb an der Zeit, einer der am häufigsten abgerufenen Seiten ein neues Aussehen zu verpassen und die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern.

Außerdem in der Druckausgabe:
Wer zuerst kommt, mahlt nicht immer zuerst
Meldungen
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