| Annette Rößler |
| 02.06.2026 09:00 Uhr |
Eine ungesunde Ernährung mit viel Kohlenhydraten und gesättigten Fettsäuren sowie fructosereichen Limonaden erhöht das Risiko für eine MASLD. Schon Kinder und Jugendliche können betroffen sein. / © Getty Images/Eye Em
MASLD ist weltweit die häufigste chronische Lebererkrankung. »38 Prozent aller Erwachsenen und 7 bis 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von ihr betroffen«, informierte Professor Dr. Elke Roeb von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Besonders hoch seien die Inzidenzen in den Maghreb-Staaten, also vor allem in Nordafrika, sowie im Mittleren Osten. In Deutschland seien etwa 25 bis 30 Prozent der Erwachsenen an einer MASLD erkrankt.
Die MASLD und ihr Folgestadium, die metabolisch assoziierte Steatohepatitis (MASH), heißen erst seit etwa drei Jahren so. Früher geläufig waren die Bezeichnungen nicht alkoholische Fettlebererkrankung (Nonalcoholic Fatty Liver Disease, NAFLD) und nicht alkoholische Steatohepatitis (NASH). Für die Umbenennung habe es mehrere Gründe gegeben, so die Gastroenterologin. Zum einen empfanden Betroffene den Begriff »Fett« im Namen als unangenehm. »Wobei ich sagen muss: Unter ›Fettleber‹ versteht jeder Patient etwas, unter ›MASLD‹ momentan noch keiner«, merkte Roeb an.
Zum anderen sollte mit der Umbenennung der »Alkohol« aus dem Namen gestrichen werden, weil dieser ja nun – im Gegensatz zur alkoholischen Fettleber – gerade nicht die Hauptursache für die Fettansammlung in der Leber ist. Alkoholkonsum kann gleichwohl als Risikofaktor auch an der Entstehung der MASLD beteiligt sein, nämlich dann, wenn Frauen durchschnittlich mehr als 10 g (0,3 l Bier oder 0,125 l Wein) beziehungsweise Männer mehr als 20 g Alkohol pro Tag trinken. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht/Adipositas, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen.
Lebensstilbedingt kommt es bei der MASLD zu einer vermehrten Fetteinlagerung in den Leberzellen. Hieraus können eine Entzündung (MASH) und eine Leberzirrhose entstehen. Schließlich erhöht sich infolge einer MASLD das Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC). Mittlerweile sei MASLD eine häufige Ursache für ein HCC, berichtete Roeb. »Als vor wenigen Jahren die modernen Hepatitis-C-Therapeutika auf den Markt kamen, dachten wir ›das war es jetzt mit dem HCC‹. Leider mussten wir einsehen, dass wir uns da getäuscht haben.«
Professor Dr. Elke Roeb / © PZ/Alois Müller
Eine MASLD verläuft zunächst oft asymptomatisch und wird nur zufällig durch erhöhte Leberwerte oder bildgebende Untersuchungen entdeckt. Typische Laborbefunde seien milde bis moderate Erhöhungen der Transaminasen, wobei die Alanin-Aminotransferase (ALT) häufig stärker erhöht sei als die Aspartat-Aminotransferase (AST), berichtete Roeb. Im fortgeschrittenen Stadium könnten Zeichen der Leberzirrhose auftreten, etwa eine Vergrößerung der Milz, eine Thrombozytopenie, eine portale Hypertension und ein Aszites.
Bereits im asymptomatischen Stadium sei jedoch das kardiovaskuläre Risiko der Patienten stark erhöht. »In den ersten Jahrzehnten der Erkrankung sind kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall die Haupttodesursachen bei MASLD, im weiteren Verlauf dann Leberzirrhose und Leberkrebs«, sagte Roeb.
Therapeutisch sei das A und O eine Gewichtsreduktion. »Wenn die Patienten es schaffen, 5 bis 10 Prozent ihres Ausgangsgewichts zu reduzieren, verschwindet eine MASLD in 90 Prozent der Fälle.« Bei noch größerer Gewichtsreduktion von mehr als 10 Prozent könne es zu einer Regression der Fibrose und der Leberentzündung kommen. Eine Ernährungsumstellung im Sinne einer mediterranen Kost, Meiden von Alkohol und Fructose-haltigen Getränken sowie mehr körperliche Bewegung bildeten daher die Basis jeder Therapie bei MASLD.
Auch beim GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid, der seit Kurzem in der EU als Kayshield® bei MASH zugelassen, aber noch nicht auf dem Markt ist, sei die starke Gewichtsabnahme der wichtigste Faktor für die Wirksamkeit in dieser Indikation. Hinzu komme ein positiver Effekte auf die Insulinsensitivität sowie antiinflammatorische und antifibrotische Wirkkomponenten. Dagegen hat Resmetirom (Rezdiffra™) lediglich einen Angriffspunkt: Der Agonist am Schilddrüsenhormonrezeptor β (THR-β) reduziert die Fettsynthese und -akkumulation in der Leber. Nachteil: »Mit Resmetirom nehmen die Patienten kein Gramm Fett ab«, sagte Roeb.