| Jennifer Evans |
| 15.07.2026 07:00 Uhr |
Unerwünschte Folgen: Akustische Reize im Schlaf helfen nicht unbedingt beim Festigen von Erinnerungen – im Gegenteil. / © Getty Images/miodrag ignjatovic
Zufällig abgespielte Töne treffen das Gehirn im Tiefschlaf besonders hart. Sie stören die langsamen Hirnwellen, wenn sie sich ausbreiten. Doch genau diese Wellen gelten als zentral für die Gedächtnisbildung, weil sie stark am Informationsaustausch zwischen den Hirnregionen beteiligt sind.
Wie ein Team um die Neuropsychologinnen Professor Dr. Monika Schönauer und Dr. Nora Roüast von der Universität Freiburg herausfand, sind nicht nur langsame Hirnwellen selbst wichtig, sondern auch die Art und Weise, wie sie sich im Gehirn ausbreiten. Und die störenden Töne verändern diese Dynamik und verschlechtern so die Festigung von Erinnerungen.
Für die kleine Untersuchung, die im Fachjournal »iScience« erschienen ist, lernten 20 Erwachsene vor einem dreistündigen Mittagsschlaf sowohl einige Fakten als auch eine Fingerbewegungsfolge. An einem Tag hörten sie während des Schlafs eine Abfolge kleiner Klicks, am anderen blieb es still. Nach dem Aufwachen prüften die Forschenden, wie gut die erlernten Inhalte hängen geblieben waren.
Demnach haben die eingespielten Töne den Schlaf zwar kaum verkürzt, beeinflussten aber seine Struktur. Die Teilnehmenden verbrachten weniger Zeit im Tiefschlaf, dafür waren die leichteren Schlafphasen häufiger. Auch langsame Hirnwellen traten seltener auf und erreichten weniger Hirnregionen. Diese veränderte Ausbreitung wirkte sich offenbar direkt auf die Gedächtnisleistung der Betroffenen aus, die deutliche Defizite aufwiesen, wie es in der Studie heißt.
Schönauer warnt laut einer Mitteilung der Universität davor, dass akustische Stimulation im Schlaf Nebenwirkungen haben, sprich: Schon einfache Klicklaute oder Töne beeinflussten die Schlafphysiologie und damit Prozesse, die das Gedächtnis formen. Hintergrund ist, dass derzeit viel daran geforscht wird, Gedächtnisprozesse mithilfe schlafbasierter Stimulation zu verbessern oder therapeutisch zu nutzen.