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Personalisierte Medizin
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Die Gene sind entscheidend

Pharmakogenomik wird vielfältig eingesetzt – etwa, um die richtige Dosis von Arzneistoffen zu ermitteln, die Wirksamkeit zu verbessern, Toxizität zu vermeiden und zielgerichtete Therapien zu entwickeln. Beispiele lieferte Professor Dr. Matthias Schwab beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 09.06.2026  12:00 Uhr

Wie relevant eine genetische Variante sein kann, zeigte der klinische Pharmakologe vom Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart am Beispiel von 5-Fluorouracil (5-FU). Mehr als 80 Prozent des Zytostatikums werden rasch über das Enzym Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) inaktiviert. Fällt dieses aus, kommt es zu schwerster Toxizität. Das verdeutlicht ein Fallbericht aus dem Jahr 2016: Die Patientin, erkrankt an einem Kolonkarzinom, entwickelte acht Tage nach der ersten 5-FU-Infusion starke Beschwerden mit Fieber, Stomatitis, Durchfall, Panzytopenie und schweren Infektionen bis hin zum septischen Schock. 17 Tage nach der ersten Gabe verstarb sie an einer schweren Hirnblutung.

Dass Patienten mit erhöhter 5-FU-Toxizität häufig genetische Varianten wie DPYD*2a aufweisen, die zu einem Mangel an DPD führen, konnte Schwab zufolge bereits 2008 gezeigt werden. Im Jahr 2020 sprach die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) schließlich die Empfehlung aus, dass vor Beginn einer Therapie mit 5-FU oder den Prodrugs Capecitabin und Tegafur ein Gentest erfolgen muss. »Ein Paradebeispiel der Pharmakogenomik – von Wissen über Leitlinien zur Implementierung. Patienten können tatsächlich besser therapiert werden«, sagte Schwab, der an der internationalen Leitlinie zu DPD-Genotypen und Dosierung von 5-FU mitgewirkt hat.

Multifaktorielle Modelle berücksichtigen

Es sei aber komplizierter, ergänzte er. Aktuell werde auf wenige häufig vorkommende Varianten getestet. Das Einschließen weiterer Varianten könne die Sensitivität in relevantem Maße erhöhen. Und: »Es gibt auch noch andere Gene, die eine Beteiligung haben.« Darüber hinaus beeinflussten Variablen wie Alter, Gewicht, Leber- und Nierenfunktion oder Epigenetik das Auftreten von unerwünschten Wirkungen. Schwab: »Multifaktorielle Modelle müssen berücksichtig werden.« Für die Strategie des Testens sei zudem die Ethnizität ein wichtiger Faktor.

Aus pharmakogenomischer Sicht interessant seien auch die Cytochrome P450, über die zahlreiche Arzneistoffe metabolisiert werden. Bei einigen neuen Arzneimitteln sei die Genotypisierung vor Therapiebeginn bereits Pflicht, um die Dosis zu finden oder die Eignung festzustellen, betonte Schwab. Dazu gehören Mavacamten (CYP2C19), Eliglustat (CYP2D6) und Siponimod (CYP2C9).

Als ein Beispiel aus der eigenen Forschung nannte er Tamoxifen, einen selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulator (SERM), der adjuvant zur Rezidivprophylaxe bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs eingesetzt wird. Der Arzneistoff wird hauptsächlich über CYP2D6 zu Endoxifen, einem deutlich stärker wirksamen Metaboliten, verstoffwechselt.

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